Frankreich- Bibliothek
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Rezensionen von vergleichenden Studien (Frankreich und andere Länder)
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Studie mit Nutzwert: "Studieren in Frankreich und Deutschland"
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Durand, Béatrice/Neubert, Stefanie/Röseberg, Dorothee/Viallon, Virginie: Studieren in Frankreich und Deutschland: akademische Lehr- und Lernkulturen im Vergleich. – Berlin: Avinus Verl., 2006. – 109 S., 10 Euro.
Signatur in der Frankreich-Bibliothek:
VG 610.STUD
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In Zeiten der Globalisierung und wachsender internationaler Mobilität wird auch ein Auslandsaufenthalt während des Studiums zunehmend zu einem "Muss". Traditionell bestehen hier enge Austauschbeziehungen zwischen Frankreich und Deutschland deren Stellenwert mit der Gründung der Deutsch-Französischen Hochschule (DFH) und der Einrichtung zahlreicher deutsch-französischer Studiengänge mittelfristig sicher weiter wachsen wird. Dennoch bedeutet ein Auslandsaufenthalt auch und gerade in einem scheinbar so "nahen" Nachbarland wie Frankreich immer noch auch einen Aufbruch ins Unbekannte. Das betrifft den Umgang mit unterschiedlichen akademischen Traditionen, Lehr- und Lernkulturen ebenso wie die Notwendigkeit, in einer Fremdsprache zu kommunizieren, oder die Gewöhnung an andere Lebensgewohnheiten, beispielsweise im Hinblick auf Zeitmanagement oder Essen.
Hilfestellung leistet hier ein jüngst erschienenes, kompaktes Buch mit dem Titel "Studieren in Frankreich und Deutschland", dessen Zustandekommen von der DFH unterstützt wurde. Auch wenn die Autorinnen allesamt Kennerinnen der Schul- und Hochschullandschaft in beiden Ländern ihre Arbeit als "Forschungsprojekt" (S. 2) charakterisieren, ist der Band weniger geprägt von einer bildungs- oder kultursoziologisch durchsetzten Auseinandersetzung mit dem Hochschulwesen dies- und jenseits des Rheins. Das wäre angesichts des vergleichsweise geringen Umfangs von rund 100 Seiten und dem gleichzeitig sehr breiten Themenspektrum auch kaum zu leisten gewesen. Vielmehr gibt das Buch einen konzisen, gut lesbaren Überblick über die wesentlichen Aspekte des Hochschulwesens in beiden Ländern. Nach einer Darstellung der Geschichte der Institution "Universität" werden zunächst die aktuellen Strukturen des Hochschulwesens beschrieben. Anschließend geht es um Aspekte wie "Studienorganisation", "Typologie der Lehrveranstaltungen", "Akademische Gattungen", "Leistungsbewertung" und "Lehrpersonal". Schon diese Aufzählung unterstreicht den Praxisbezug der Publikation. Erfreulich ist dabei die hohe Aktualität der Darstellung; so findet sich beispielsweise auch ein Passus über die im Zuge der Bologna-Reform sukzessive eingeführten Abschlüsse "Bachelor" und "Master".
Die Lektüre des Bändchens kann daher all denen nur empfohlen werden, die sei es in Deutschland oder in Frankreich einen Auslandsaufenthalt im Nachbarland planen, wobei eine Übersetzung ins Französische sicher lohnend wäre. Ein wenig zu kurz gekommen ist gerade mit Blick auf den ansonsten hohen Nutzwert der Arbeit lediglich der bibliographische Apparat und v. a. das nur sechs Adressen umfassende Verzeichnis der Internetquellen. Hier fehlt z. B. der Hinweis auf das deutsch-französische Sprachenportal (mit einer eigenen Rubrik "Schule und Studium") www.fplusd.de ebenso wie Links zu den Goethe-Instituten in Frankreich, den französischen Kulturinstituten in Deutschland oder auch zum gemeinsamen Portal Studieren in Frankreich" der Instituts français in Deutschland. Diese Liste ließe sich noch fortsetzen und mag zugleich Anregung für eine wünschenswerte Neuauflage sein.
S.N.
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Fußball und deutsch-französische Klischees
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Jochen Müller: Von Kampfmaschinen und Ballkünstlern: Fremdwahrnehmung und Sportberichterstattung im deutsch-französischen Kontext. Eine Presse- und Fernsehanalyse. - St. Ingbert: Röhrig Universitätsverlag, 2004. - 590 S. 42 EUR.
Signatur in der Frankreich-Bibliothek:
WG 730.MUEL
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"Von Kampfmaschinen und Ballkünstlern" -, treffender als mit diesem Titel ließe sich das Ergebnis einer umfangreichen Presse- und Fernsehanalyse zur Berichterstattung über Frankreich und Deutschland bei der Fußball-Weltmeisterschaft des Jahres 1998 kaum zusammenfassen. Der Autor Jochen Müller, selbst u.a. als Hörfunk- und Fernsehreporter für die ARD tätig, untersucht in seiner umfangreichen Arbeit, wie die Presse und ausgewählte Fernsehsender in Deutschland und Frankreich 1998 über den Fußball und die Nationalkultur des jeweils anderen Landes berichteten. Im Mittelpunkt steht dabei v.a. die Frage, ob und inwiefern bekannte und verbreitete Klischees über den jeweiligen Nachbarn auch in der Sportberichterstattung ihren Niederschlag finden.
Dazu legt Müller eine umfassende, methodisch fundierte und von sehr guter Literaturkenntnis zeugende Arbeit vor. Methodisch basiert die Studie auf einer umfangreichen quantitativen und qualitativen Inhaltsanalyse der Berichterstattung ausgewählter deutscher und französischer Printmedien (überregionale und regionale Zeitungen, Fachpresse) und Fernsehsender (ARD, ZDF, TF1 France 2 und France 3). Dem empirischen Teil vorangestellt ist ein guter überblick über Gegenstände und Methoden der Stereotypenforschung, über deren bisherige Ergebnisse in Bezug auf das Paar "Frankreich/Deutschland" sowie über die Entwicklung der deutsch-französischen Sportbeziehungen im Bereich des Fußballs. Bereits die Lektüre dieses gut lesbaren Theorie- und Methodenteils ist ein Gewinn, da hier der aktuelle Stand der Forschung zusammengefasst und mit zahlreichen nützlichen Informationen zum eigentlichen Thema angereichert wird.
Daran schließt sich der ausgesprochen umfangreiche empirische Teil der Arbeit an, in dem der Autor die Befunde seiner Analysen ausführlich dokumentiert. Dabei versteht es Müller in hervorragender Weise, die Ergebnisse seiner methodisch ausgefeilten Analyseinstrumente in verständlicher, gut lesbarer Form darzustellen. So erfährt man hier, gestützt auf eindeutiges Zahlenmaterial, dass auch in der Sportberichterstattung der Presse und des Fernsehens gängige nationale Klischees - hier der disziplinierte, hart kämpfende, aber freudlose Deutsche, dort die ästhetisch spielenden, eleganten, aber ineffizienten Franzosen - nach wie vor die Wahrnehmung des jeweils anderen Landes dominieren. Daran änderten paradoxerweise auch das Ausscheiden der deutschen Mannschaft aus dem Turnier und der WM-Titel für Frankreich nichts - ein Beleg für die Langlebigkeit tradierter Klischees und Stereotypen. Doch der Autor nutzt das umfangreiche Datenmaterial auch für intermediale Vergleiche und kann so u.a. aufzeigen, wie differenziert die Berichterstattung verschiedener Medien im Einzelnen war. Außerdem hat Müller auch ein - nicht unbedeutendes - Randereignis der Fußball-WM 1998 in seine Analyse einbezogen, nämlich die schwere Misshandlung eine französischen Polizisten durch deutsche Hooligans. Hier gibt Müllers Analyse Anlass zum Optimismus: Der Autor kann zeigen, dass die französischen Medien über diesen Vorfall sehr fair und differenziert berichteten und ihn nicht zum Gegenstand antideutscher, ressentimentbeladener Beiträge machten.
Insgesamt also ist die Arbeit von Jochen Müller ausgesprochen lesenswert, zumal der Untersuchungsansatz - die empirisch fundierte Aufbereitung der interkulturellen Problematik anhand eines im beiden Ländern sehr populären Sports - durchaus originell ist. Obwohl der Autor auch sichtlich bemüht ist, den Leser an einem roten Faden durch die Fülle seiner Befunde zu leiten - zahlreiche Kurzzusammenfassungen zeugen davon -, läuft der Leser manchmal Gefahr, sich in der überfülle des Materials zu verlieren. Auch tendiert Müller an einigen Stellen zur überinterpretation seiner Daten (vgl. z.B. S.193f.). Doch diese wenigen Kritikpunkte ändern nichts daran, dass die Arbeit von Jochen Müller eine Bereicherung des Angebots an wissenschaftlicher Literatur zu Fragen der wechselseitigen Wahrnehmung von deutschen und Franzosen darstellt.
S.N.
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Frankreichs Regionen und Deutschlands Bundesländer im Porträt
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Bundesländer und Regionen/Régions et Länder. Hrsg. von Jean-François Doumic...- Rheinbreitach: NDV, 2003. - 47 S., 30 EUR.
Signatur in der Frankreich-Bibliothek:
VD 410.BUND
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"Bundesländer & Regionen / Régions & Länder" ist der Titel einer gemeinsam von der "Neuen Darmstädter Verlagsanstalt" (NDV) und dem französischen Verlag "Editions Jean-François Doumic" vorgelegten Broschüre. Das Bändchen ist entstanden aus Anlass der deutsch-französischen Konferenz über dezentralisierte Zusammenarbeit zwischen deutschen Ländern und französischen Regionen am 27./28. Oktober 2003. Auf knapp 50 Seiten werden die 16 deutschen Bundesländer und die 22 französischen Regionen (zuzüglich der französischen überseegebiete) kurz porträtiert. So findet man u.a. Kurzbiographien der deutschen Ministerpräsidenten bzw. der Präsidenten der französischen Regionalräte, und auf den Umschlaginnenseiten werden die bestehenden Partnerschaften zwischen französischen Regionen und deutschen Ländern grafisch dargestellt. Alle Informationen sind aktuell und übersichtlich aufbereitet. Ein weiterer Vorzug ist die komplett zweisprachige Ausführung des Hefts.
Dennoch hätte man sich eine etwas ausführlichere Darstellung gewünscht.
So fehlen beispielsweise Informationen über die Zusammensetzung der deutschen Landesregierungen oder der Landtage genauso wie genauere Angaben zur Struktur der Regionalräte oder zu den Wirtschafts- und Sozialräten der französischen Regionen. Die auf der Verlagshomepage der NDV angekündigten "statistischen Angaben zu jedem Bundesland und jeder Region" beschränken sich auf Informationen zur Fläche und zur Einwohnerzahl. Vollständig fehlen dagegen z.B. Angaben zur Wirtschaftsstruktur und -leistung. Angesichts dieser Informationslücken verwundert es, dass die Herausgeber auch auf die Angabe von Internetadressen verzichtet haben. Die Internetseiten der deutschen Bundesländer und der französischen Regionen bieten in der Regel nicht nur alle in der Broschüre enthaltenen Informationen, sondern sogar manchmal ein umfassenderes und noch aktuelleres Informationsangebot.
Fazit: Die Idee ist gut, ihre Umsetzung lässt jedoch inhaltlich einige Wünsche offen - zumal angesichts eines Preises von 30 Euro und des Renommees beider Häuser, die in ihrem jeweiligen Land etliche Nachschlagewerke über die politischen Institutionen verlegen.
S.N.
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Vom neuen Geist des Kapitalismus und der Erneuerung der Kapitalismuskritik
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Luc Boltanski/Eve Chiapello: Der neue Geist des Kapitalismus. - Konstanz: UVK Verlagsgesellschaft, 2003. - 736 S., 49 EUR.
Signatur in der Frankreich-Bibliothek:
VR 230 BOL
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Diese Veröffentlichung ist aus mehreren Gründen bemerkenswert. Sie ist Teil der Reihe "édition discours", in der der Verlag klassische und zeitgenössische Texte der französischsprachigen Humanwissenschaften zur Veröffentlichung bringt und damit
einen überaus verdienstvollen Beitrag zum Wissenschaftstransfer leistet. Es ist dieser Reihe und diesem Verlag zu verdanken, dass wichtige Werke französischer Soziologen in deutscher Sprache vorliegen und damit schneller und besser Eingang in die hiesige wissenschaftliche
Diskussion finden können. Diese verlags- und damit auch forschungspolitische Leistung verdient hervorgehoben zu werden, weil sie alles andere als selbstverständlich ist.
Die Qualitätsmerkmale einer sorgfältigen Edition und einer umsichtigen übersetzung gelten in vollem Umfang auch für das Monumentalwerk von Luc Boltanski (Forschungsdirektor an der "Ecole des hautes études en sciences sociales" in Paris und einer der führenden französischen Soziologen) und Eve Chiapello (wissenschaftliche Mitarbeiterin der privaten
Managementschule HEC). Im Jahr 1999 zuerst veröffentlicht, behandelt es die ideologischen Veränderungen in Zusammenhang mit den grundlegenden Veränderungen des Kapitalismus der letzten 30 Jahre. In Weiterentwicklung des Konzeptes von Max Weber wird mit dem "Geist des Kapitalismus" die legitimierende, Werte und Verhaltensweisen beeinflussende Ebene angesprochen, ohne die ein Wirtschaftssystem nicht wirkungsvoll existieren kann, "eine Ideologie [...], die das Engagement für den Kapitalismus rechtfertigt" (S. 43). Der Zeitrahmen setzt im Mai 1968 ein, als die Kapitalismuskritik einen gewissen Höhepunkt erlebte. Es werden die seither eingetretenen Transformationen des Kapitalismus in Frankreich und die neuen, legitimierenden Diskurse herausgearbeitet, denen gegenüber die Kapitalismuskritik seltsam macht- und kraftlos erscheint. Der empirische Kern des Werkes besteht dabei aus einer vergleichenden Inhaltsanalyse der Managementdiskurse der 60er/70er Jahre sowie der 90er Jahre.
Die Autoren konstatieren eine - immer wieder unterschätzte - ähigkeit des Kapitalismus, sich zu reorganisieren und dabei auch auf soziale Kritik zu reagieren. So hat die Transformation seit den 1970er Jahren auch Teile der Kritik der 1968er Bewegung aufgegriffen und verarbeitet. Demgegenüber habe diese Kritik in den vergangenen Jahren zunehmend an Kraft verloren, weil sie sich offensichtlich als unfähig erwies, den veränderten Kapitalismus und seine erneuerten Bewegungsgesetze zu erkennen, und deswegen auch keine adäquaten Begriffe für die - dringend notwendige - kritische Auseinandersetzung gefunden hat. Das Buch verfolgt einen theoretischen Anspruch und richtet sich dementsprechend an sozialwissenschaftliche Forscher. Es geht ihm um einen "allgemeinen Theorierahmen [...], um die Veränderungsprozesse der mit den Wirtschaftsaktivitäten verbundenen Ideologien nachvollziehen zu können" (S. 37). Damit wollen die Autoren aber auch einen Beitrag zur Erneuerung der Kritik am Kapitalismus und an dessen Gerechtigkeitsdefiziten liefern. "Die Kritik hat nämlich eine konkrete Wirkung"(S. 569). Insofern hänge die Zukunft des Kapitalismus auch davon ab, "wie energisch die Kritik, die eine wesentliche und, wenn sie stumm bleibt, manchmal auch negative Rolle spielt, aus ihren Fesseln befreit wird" (S. 569).
H.U.
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