Zunächst stellt sich für Seidendorf die Frage, ob der Erfolg der Alternative für Deutschland (AfD) bei den letzten drei Landtagswahlen dies ein spezifisch ostdeutsches Phänomen ist oder ob es die Zukunft Deutschlands und Europas vorwegnimmt.
Abgesehen davon, dass Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg zur DDR gehörten und die Weltsicht vieler Wähler dort davon geprägt ist, erleben sie die gleiche dreifache Transformation wie alle anderen Europäer: Ökologisch, wirtschaftlich und digital, was mit Unsicherheiten und tiefgreifenden Veränderungen verbunden ist. Und überall in Europa haben derzeit Parteien, die für einen autoritären Staat und eine homogene Gesellschaft eintreten, Erfolg. Sie bedienen eine Wählerschaft, die nach Stabilität sucht und häufig die Vergangenheit idealisiert und vereinfacht.
Die deutsche Politik habe die Wünsche der Wählerschaft direkt aufgenommen, was sich u.a. in drastischen Maßnahmen wie Grenzkontrollen und die Abschiebung von Flüchtlingen zeige. Damit schließt sich auch Deutschland der Debatte an, die bereits einen Großteil des übrigen Europas strukturiert, meint Stefan Seidendorf: Der Debatte zwischen Nationalisten und Europäern, zwischen Autoritären und Liberalen, zwischen Verfechtern eines starken Staates und Verfechtern individueller Freiheiten, ob Bürger oder nicht.
Der Beitrag von Stefan Seidendorf zum Nachlesen auf der Website von La Croix
