Laut dem Politologen sei das Misstrauensvotum eine klare Niederlage, mit der auch François Bayrou habe rechnen müssen. Er habe vermutlich das Schicksal seines Vorgängers Michel Barnier vermeiden und stattdessen im großen Stil abtreten wollen. Stefan Seidendorf vermutet, Bayrou wolle sich auf die nächste Präsidentschaftswahl vorbereiten und dafür positionieren.
Frankreich stecke nun in einer Krise, so Seidendorf. Einerseits wünschten sich zwei Drittel der Bevölkerung den Rücktritt von Präsident Macron, der jedoch bereits angekündigt hat, sein Mandat bis zum Ende ausschöpfen zu wollen. Andererseits scheine die Verfassung der Fünften Republik nicht mehr zeitgemäß zu sein. Zudem sei die französische Gesellschaft zwischen Links und Rechts stark zersplittert und polarisiert.
Seidendorf erklärt, es sei schwer abzuschätzen, wen Emmanuel Macron nun ernennen könnte. Sicher sei jedoch, dass die Finanzlage in Frankreich äußerst schwierig ist. Bayrou wollte 43 Milliarden Euro einsparen und wurde gestürzt. Aus den Reihen der Sozialisten, aus denen möglicherweise der nächste Premierminister kommen könnte, wurde ein Gegenvorschlag über 20 Milliarden vorgelegt. Jedoch haben sich die bürgerlichen Rechten bereits jetzt gegen eine linke Regierung ausgesprochen.
Am 10. September soll zudem ein großer Protesttag stattfinden, dessen tatsächliche Wirkung noch unklar ist. Darüber hinaus haben die Gewerkschaften für den 18. September zu einem Generalstreik aufgerufen. Schließlich könnte die französische Kreditwürdigkeit am 12. September von der Ratingagentur Fitch abgewertet werden. All dies zusammengenommen sei ein äußerst gefährlicher Cocktail – sowohl für den französischen Präsidenten als auch für die politische Stabilität Frankreichs.
Das Interview zum Nachhören auf der Webseite des Deutschlandfunk
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