Nach Meinung von Stefan Seidendorf war die politische Situation unlösbar. Grund dafür ist für ihn zum einen, dass das politische System Frankreichs sehr konfrontativ organisiert ist. Zum anderen sei es eine Fehleinschätzung von Emmanuel Macron gewesen zu glauben, dass eine Regierung Erfolg haben könne, die von Parteien geführt wird, die bei den Parlamentswahlen verloren haben.
Das Misstrauensvotum hat für Seidendorf „eine historische Dimension“: Es ist das erste Mal seit 1962, dass eine Regierung von der Nationalversammlung gestürzt wird. Die Stabilität, die Charles de Gaulle der V. Republik durch ihre Verfassung geben wollte, sei nicht mehr garantiert.
Nun rückt der Präsident ins Zentrum des politischen Spiels. Emmanuel Macron will am Donnerstag, den 5. Dezember, an die Nation sprechen. Er soll auch einen neuen Premierminister ernennen. Dies sei nötig, um einerseits ein Haushaltsgesetz zu verabschieden und andererseits die Märkte zu beruhigen. Frankreich verfügt zwar über eine bessere wirtschaftliche Situation als Deutschland, aber das Land bleibt seit der Corona-Krise sehr verschuldet. Der neue Premierminister soll nicht vom Parlament bestätigt werden, noch ein Vorteil vom französischen Präsidialsystem, so Seidendorf. Dass Macron nach seiner dritten Niederlage im Jahr 2022 zurücktreten wird, schließt Seidendorf allerdings aus.
