In den drei Jahren von Olaf Scholzs Amtszeit sind die systemischen Unterschiede zwischen Frankreich und Deutschland deutlich geworden. Die Streitpunkte waren vielfältig und Formate wie die Kabinettsklausur in Hamburg schienen nicht zu funktionieren. Man blickt nun auf die Zukunft und der französische Präsident Emmanuel Macron hat nicht auf den Antrittsbesuch des neuen Bundeskanzlers gewartet, um sich mit Friedrich Merz zu treffen, und eine gemeinsame Agenda zu besprechen. Die Erwartungen sind groß, und eine neue Dynamik ist gefragt.
Laut Sylvie Goulard hat Donald Trump verdeutlicht, was Frankreich und Deutschland gemeinsam verteidigen können: Eine deutsch-französische Wertegemeinschaft basierend auf sozialer Marktwirtschaft und Rechtsstaatlichkeit. Eine neue Umfrage des Instituts Infratest zeige, dass 85 Prozent der Deutschen der Meinung seien, man könne Frankreich vertrauen. Es gebe ein „Wir-Gefühl“, das gepflegt werden müsse. Dabei sei es wichtig, die Gesellschaft „an Bord zu behalten“, weil Themen wie der Wehrdienst nicht selbstverständlich seien, so Goulard. Eine grenzüberschreitende Diskussion über den Wehrdienst wäre beispielsweise ein starkes Signal: Beide Länder seien auf der Suche nach einer geeigneten Form.
Aufgrund des Kriegs in der Ukraine ist auch die Rolle der Atomwaffen wieder in den Vordergrund gerückt. Goulard betont, dass Atomwaffen Abschreckungswaffen seien. Obwohl Deutschland auf den Besitz von Atomwaffen verzichte, sei es denkbar, dass Frankreichs Atomwaffen Deutschland schützen oder auf deutschem Staatsgebiet stationiert würden. Sie befürwortet das Prinzip der „zwei Schlüssel“ sowie die Entwicklung eines deutsch-französischen Stufenplans. Dies werde viel Arbeit erfordern, und es sei bereits viel Zeit verloren worden, so Goulard. Ein sichtbarer Plan für ein deutsch-französisches Schutzversprechen würde den Pro-europäern die Gelegenheit bieten, den Rechtsparteien etwas Konkretes entgegenzusetzen – was sie viel zu lange versäumt haben.
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