Schon im Wahlkampf hat Friedrich Merz versprochen, die deutsch-französische Zusammenarbeit wiederzubeleben. Stefan Seidendorf wertet dies als gutes Omen, gibt aber zugleich zu bedenken, dass die Liste der Streitigkeiten zwischen Paris und Berlin nach wie vor sehr lang sei und keiner der beiden Staatsmänner bisher signalisiert habe, dass er die Vorstellungen des anderen ohne größere Diskussion übernehmen werde.
Dies habe sich zum Beispiel im deutschen Umgang mit der Forderung des französischen Flugzeugherstellers Dassault Aviation, den größten Teil der Aufträge zur Entwicklung des gemeinsamen Luftkampfsystems „Future Air Combat System“ (SCAF) an ihn zu vergeben, gezeigt.
„Die Kunst des deutsch-französischen Paares bestand immer darin, mit Interessenkonflikten umgehen zu können“, merkt Stefan Seidendorf an. Dies würden beide Partner beispielsweise aktuell in der Frage zur Energieversorgung zeigen. Nach jahrelangem Streit über den richtigen Weg habe man erkannt, dass man wechselseitig voneinander abhängig ist, so Seidendorf.
Friedrich Merz wolle die letzten Jahre der Präsidentschaft Emmanuel Macrons nutzen, um Europa voranzubringen, habe aber noch nicht klar erklärt, wie er sich das vorstellt, bedauert Stefan Seidendorf. Immerhin aber scheine ihm das Ausmaß dieser Aufgabe mittlerweile bewusst zu werden.
Der Beitrag mit den Einlassungen Stefan Seidendorfs ist auf der Website der Libération hinter einer Bezahlschranke verfügbar.
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