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Könnte die AfD im Bundestag einen Koalitionspartner finden?

Stefan Seidendorf erläutert im Interview mit den Dernières Nouvelles d'Alsace die Gründe für den Aufstieg der AfD und ihre Perspektiven nach der Wahl

Laut Stefan Seidendorf ist der typische AfD-Wähler in Ostdeutschland - wo die Partei am stärksten ist - männlich, zwischen 28 und 45 Jahre alt und etwas weniger gebildet als der Durchschnitt. Außerdem habe er eine autoritäre Tendenz und das Gefühl der Deklassierung. Obwohl dieses Profil in Westdeutschland weit verbreitet ist, sind die Ergebnisse der AfD dort niedriger. Stefan Seidendorf ist der Ansicht, dass für die Ablehnung der AfD auch eine dort tiefer verwurzelte demokratische Kultur die Ursache ist. Er schließt sich der These von Steffen Mau an, dass die jüngeren Generationen im Osten die AfD und den Autoritarismus auch deshalb stärker befürworten als die älteren,  weil sie das autoritäre System der ehemaligen DDR nicht kennengelernt haben.

Der Aufstieg der AfD lasse sich dadurch erklären, dass die beiden großen traditionellen deutschen Parteien, SPD und CDU, stark an Einfluss verloren haben. Da beide viele Jahre lang gemeinsam regieren mussten, entstand der Eindruck, dass sie sich immer mehr annähern und nicht in der Lage sind, die großen Probleme zu lösen. Darüber hinaus spielt auch die Einwanderung eine Rolle für den Aufstieg der AfD. Deutschland hat immer noch kein Einwanderungsgesetz, weswegen viele Aufgaben weiterhin von den Kommunen bewältigt werden müssen. Diese beklagen immer lauter, damit überfordert zu sein, was laut Seidendorf die Frage nach der Tragfähigkeit des politischen Systems in Deutschland aufwirft.

Bei der Bundestagswahl könne die AfD auf gute Ergebnisse im Westen hoffen, insbesondere in Baden-Württemberg, das bereits bei früheren Wahlen im westdeutschen Vergleich stärker rechtsextren gewählt habe. Bereits 2016 - 2021 stellte die AfD die drittstärkste Franktion im Landtag. Es scheint sogar möglich, dass in Pforzheim erstmals ein Abgeordneter der AfD in den Bundestag gewählt wird. 

Obwohl die AfD im Bundestag wahrscheinlich mit vielen Abgeordneten vertreten sein wird, glaubt Stefan Seidendorf nicht daran, dass die Partei dort einen Koalitionspartner finden wird.

Das Interview zum Nachlesen auf Website der Dernières Nouvelles d'Alsace.

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Stefan Seidendorf

Directeur adjoint, directeur par intérim

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