Obwohl Macron als wirtschaftsnaher Reformpräsident gestartet sei und vor allem in seiner ersten Amtszeit wichtige Reformen umgesetzt hat, war der politische Spielraum für Reformen in der zweiten Amtszeit nach den heftigen Auseinandersetzungen um die Rentenreform und der fehlenden eigenen Mehrheit im Parlament begrenzt.
Zur Rentenreform sagt Keller, Macron habe unterschätzt, wie emotional das Thema Rente in Frankreich sei. Sein technokratischer Politikstil habe dazu geführt, dass er den Kontakt zur Bevölkerung verloren habe. Auch fiskalpolitisch ist die Bilanz durchwachsen. Anfangs habe Macron mit einer Senkung des Haushaltsdefizits Vertrauen bei Märkten und europäischen Partnern geschaffen. Durch Pandemiehilfen und insgesamt hohe Staatsausgaben sei der Haushalt später jedoch aus dem Ruder gelaufen. Frankreich kämpfe bis heute mit den Folgen der hohen Verschuldung und habe kaum noch finanziellen Spielraum.
Positiv bewertet sie seine Reformen im Bereich des Arbeitsmarkts und sowie seinen Einsatz für den Wirtschaftsstandort Frankreich. Auch zur Stärkung des französischen Start-up Ökosystems hat Macron beigetragen.
Das Gespräch mit Eileen Keller Bilanz von Präsident Macron: Als Reformer gestartet, letztlich gescheitert ist auf der Website der Süddeutschen Zeitung hinter einer Bezahlschranke verfügbar. Bei Interesse daran wenden Sie sich bitte an frankreich-bibliothek@dfi.de.
