Keller hat nicht den Eindruck, dass sich in Frankreich eine Bürgerbewegung zur Unterstützung von Marine Le Pen und gegen eine angeblich politisierte Justiz erheben wird. Dies liege auch daran, dass auch für die Wähler des RN die Zukunft der Partei nicht von der Person Marine Le Pen abhängig ist.
67 % der Befragten hätten z.B. in einer Meinungsumfrage angegeben, dass der RN mit dem jungen Jordan Bardella als Spitzenkandidaten keine schlechteren, vielleicht sogar bessere Chancen bei der nächsten Präsidentschaftswahl haben werde. Da die Partei aber sehr patriarchalisch organisiert sei, sei Marine Le Pen allerdings, zumindest im Moment noch, ihre eindeutige Führungsfigur.
Marine Le Pen versuche nun, das Urteil gegen sich als politisch motiviertes Urteil umzudeuten, auch um davon abzulenken, dass die Beweise für eine Zweckentfremdung von EU-Geldern für RN-Zwecke eigentlich eindeutig sind.
Diese Interpretation könnte die Kernwählerschaft des RN durchaus überzeugen. Breitere, gemäßigtere Wählerschichten, die Le Pen für einen Wahlsieg unbedingten brauchen würde, könnten von der Infragestellung der Justiz aber abgeschreckt werden.
Nach Ansicht von Eileen Keller verhalte sich Marine Le Pen nicht staatstragend und könnte so eine neue Radikalisierung der Partei einleiten, die im Gegensatz zu der von ihr selbst eingeleiteten „Entteufelung“ steht.
Das Interview mit Eileen Keller im Europamagazin von WDR 5 von 09:50 - 17:30
