Laut Stefan Seidendorf erinnert man sich heute nicht mehr so emotional an die Landung der Alliierten in der Normandie wie in den 1980er und 1990er-Jahren, als noch viele Veteranen am Leben waren. Heute stehe beim gemeinsamen Gedenken v.a. der politische Aspekt im Mittelpunkt.
Dennoch lebt in vielen französischen Familien die Erinnerung daran und die damit verbundenen Ereignisse noch weiter. Dem müsse man sich, so Stefan Seidendorf, auf deutscher Seite bewusst sein und sich auch über die seinerzeit begangenen Taten und Verantwortlichkeiten dafür im Klaren sein. Dies war auch schon in den 1950er und 1960er-Jahren eine Vorbedingung dafür, dass Frankreich auf Deutschland zugegangen ist.
Die Erinnerung aufrecht zu erhalten und sie als Grundlage für die deutsch-französische Aussöhnung zu vermitteln und weiterzutragen, ist für ihn eine Voraussetzung dafür, zu verhindern, dass die furchtbare Vergangenheit wieder auferstehen kann. Die Europawahlen am 9. Juni stellen seiner Meinung nach in gewisser Weise die politische Dimension des bisher Erreichten dar.
