Der Rassemblement National (RN) habe erstmals die Möglichkeit, eine absolute Mehrheit in der Assemblée nationale zu erlangen. Präsident Macrons Kalkül, die Mitte hinter sich zu vereinen, sei nicht aufgegangen und die politische Landschaft Frankreichs unklarer denn je.
"Drei Blöcke stehen relativ unversöhnlich nebeneinander, und es ist nicht abzusehen, wo hier eine stabile Mehrheit für eine neue Regierung herkommen soll.", so Stefan Seidendorf.
Macrons Strategie, die Wahlen noch vor dem Herbst abzuhalten, um die Opposition zu überraschen, könnte sich also als Fehlschlag erweisen. In einigen Wahlkreise bilden sich nun Bündnisse, um die Wahl von RN-Kandidaten zu verhindern. Seidendorf sieht hierin eine Chance. Sollte der RN die absolute Mehrheit erreichen, müsste der Präsident mit einem RN-Premierminister zusammenarbeiten, ein Szenario, das es in dieser Form noch nicht gegeben hat. „Das hat früher gut funktioniert, weil die Akteure im Grunde immer auf dem Boden der Republik und der Verfassung standen und das auch respektiert haben. Ob das jetzt noch so sein wird, ist schwierig abzusehen“, sagt Stefan Seidendorf.
Dass der RN besonders in den Grenzregionen, wie zum Beispiel dem Grand-Est, stark zugelegt hat, könne sich laut Stefan Seidendorf unter anderem auf eine tiefere Verwurzelung und verstärkte nationale Identität der Menschen dort zurückzuführen sein.
Das Interview mit Stefan Seidendorf auf der Website von SR2 (von 5:00 - 9:50)
