Emmanuel Macron hat gleich zu Beginn seiner fast zweistündigen Ansprache eindringlich darauf hingewiesen, dass die EU keine Selbstverständlichkeit sei und „sterben könne“. Um weiter bestehen zu können, müsse sie ihre Souveränität ausbauen, ihre Werte verteidigen, ihre Interessen und Märkte schützen.
Deutschland habe er diesmal nicht so direkt angesprochen wie in seiner ersten Sorbonne-Rede 2017, Grund dafür sei evtl. eine gewisse Vorsicht oder auch Enttäuschung darüber, dass es damals kaum Reaktionen aus dem Nachbarland auf seine Vorschläge gab, so Seidendorf. In dieser Hinsicht sei es positiv zu werten, dass Bundeskanzler Olaf Scholz auf der Plattform X auf Französisch verlauten haben lasse, dass Macron viele gute Vorschläge gemacht hätte.
Für die deutsche und französische Regierung sei klar, dass die großen Herausforderungen nur gemeinsam bewältigt werden können, wenn die EU weiter besteht. Gerade deshalb dürften die größeren EU-Mitgliedsstaaten nach Ansicht Macrons auf dieser Ebene nicht nur ihre eigenen Interessen vertreten, sondern müssten sich auch für die EU in ihrer Gesamtheit engagieren.
Durch den Krieg in der Ukraine sei die Begründung für das Bestehen der EU wieder sehr explizit geworden, meint Stefan Seidendorf, und der französische Präsident habe dafür aktuelle Argumente gefunden.
Die Sendung zum Nachhören auf der Website des WDR - das Interview mit Stefan Seidendorf beginnt bei 4:22
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