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Wahlen und Wahlsysteme in Deutschland und Frankreich - Einführung in das Thema

Redaktion: Karin Felsmann, Stuttgart; Jean-Marc Saum, Lunéville

 

Von der Stimmabgabe als einem Akt der staatsbürgerlichen und demokratischen Meinungsbekundung…

Suffrage universel

"Allgemeine Abstimmung" ein Wahllokal 1891. Gemälde von Alfred Bramtot (1852-1894) 1891 les Lilas, Bürgermeisteramt. - Quelle: Public domain, via Wikimedia Commons / https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Alfred-Henri_Bramtot_-_Le_suffrage_universel.png

 

… zur Wahlenthaltung als Ausdruck des Misstrauens zahlreicher Bürger gegenüber der Politik

Abstention

Entwicklung der Wahlenthaltung im ersten Wahlgang nationaler Wahlen in Frankreich zwischen 1986 und 2021

Quelle der Zahlenangaben: Wikipedia-Artikel « Abstention électorale en France »

 

Einführung in das Thema

Wahlen stehen im Zentrum des staatsbürgerlichen und politischen Lebens aller modernen repräsentativen Demokratien, und die Stimmabgabe ist weiterhin der grundlegende Akt des bürgerschaftlichen Engagements jedes Einzelnen. Die Ausweitung des allgemeinen Wahlrechts auf alle Männer und alle Frauen im 19. und 20. Jahrhundert stellte einen echten Fortschritt dar, auch wenn das politische Leben der Demokratien nie völlig reibungslos verlief und das demokratische Modell immer wieder Krisen und Neugestaltungen bewältigen musste. Die Art der Wahlverfahren bei verschiedenen Abstimmungen ist somit eine verfassungsrechtliche Antwort auf verschiedene Konzeptionen zu der Frage, was es bedeutet, „das Volk zu vertreten“. (Die etymologische Bedeutung des griechischen Worts demos kratos ist laut Abraham Lincoln „die Macht des Volkes, ausgeübt durch das Volk für das Volk“). Die Art, wie über die verschiedenen Ebenen in einem Staatswesen abgestimmt wird, hängt stark von der politischen Kultur des jeweiligen Landes ab: „Sage mir, wie Du wählst, und ich würde Dir sagen, wer Du bist (und welche politischen Prinzipien Du in den Vordergrund stellst)!“

 

In den letzten Jahren wurden die demokratischen Systeme in Europa und Amerika von innen heraus immer häufiger in Frage gestellt: Ihre eigenen Bürger sehen sie als ineffizient an, und werfen ihnen vor, die öffentliche Meinung nicht zu berücksichtigen und die Erwartungen des Volkes nicht zu erfüllen. Dazu passt ein Ausspruch des Rechtsgelehrten Georges Vedel, der 2020 in der wissenschaftlichen Zeitschrift Sciences Humaines so zitiert wurde: „gerne wird der repräsentativen Demokratie vorgeworfen zu wenig demokratisch und zu wenig repräsentativ zu sein“1. Der Anstieg der Wahlenthaltung ist eines der Symptome dieser Sicherweise.

 

Worterklärungen

die Wahll’élection
das politische und staatsbürgerliche Lebenla vie politique et civique
die repräsentative Demokratiela démocratie représentative
das allgemeine Wahlrechtle suffrage universel
das Wahlverfahrenle mode de scrutin
die Abstimmungle vote
der Maßstabl’échelle
das politische Prinziple principe politique
die öffentliche Meinungl’opinion publique

 


 

Materialien zum Thema Wahlen und Wahlsysteme in Deutschland und Frankreich:

 


 

 

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