Deutsch französisches Institut:
https://www.dfi.de/dossiers/europawahlkampf-in-frankreich/ergebnisse-der-europawahlen-2024-in-frankreich

Zusammenfassung

Die Wahlbeteiligung bei den Europawahlen in Frankreich am 9. Juni 2024 lag bei 51,4 %, und damit um 1,3 % höher als bei den Europawahlen 2019. Eine höhere Beteiligung an einer Europawahl wurde in Frankreich bisher nur 1994 mit 52,8 % erreicht.Insgesamt haben 25.470.235 von 49.462.688 wahlberechtigen Franzosen ihre Stimme abgegeben, die Zahl der gültigen Stimmen lag bei 24.753.077 (717.158 Stimmen wurden als ungültig oder Enthal­tungen gewertet). 52 % der Wählerinnen und Wähler gaben an, mit ihrer Wahlentscheidung in erster Linie die nationale Politik beeinflussen zu wollen und europäische Belange dabei nicht bedacht zu haben. 2019 lag ihr Anteil noch bei 39 %. Die Wahlkampfstrategie des Rassemblement National(RN), die Europawahl in Frankreich zu einem Votum über die Präsidentschaft Emmanuel Macrons und der Regierung seines Premierministers Gabriel Attal zu stilisieren, scheint also aufgegangen zu sein.

    Ergebnisse der rechten und der Zentrumsparteien

    Großer Gewinner der Wahl ist somit auch der RN, der sein Ergebnis von 2019 um 8 % steigern konnte und mit dem Spitzenkandidaten Jordan Bardella 31,37 % gewann. Die Partei erzielte ihre besten Ergebnisse unter den 35- bis 69-Jährigen und profitierte dabei vermutlich von einer vergleichsweisen hohen Wahlbeteiligung von Arbeitern (54 %) und Angestellten (40 %). Darauf deuten zumindest ihre guten Ergebnisse unter denjenigen, die kein Abitur oder das Abitur als einzigen Bildungsabschluss haben (46 % und 38 %), hin. Auch unter den Rentnern, die in wenig qualifizierten oder schlecht bezahlten Berufen gearbeitet haben, konnte er sehr gute Ergebnisse zu verzeichnen. In 91 der 95 Départements von Zentralfrankreichs kam seine Liste auf den ersten Platz, ihre besten Ergebnisse erzielte sie im Norden und Osten des Landes (z.B. 50,6 % im Département Aisne). In Großstädten blieb der RN allerdings deutlich unter 20 %, in Paris (Département 75) kam seine Liste beispielsweise nur auf 8,5 %.

    Besoin d'Europe, die Liste der Zentrumsparteien, auf der auch die Kandidaten der Partei Renaissance von Präsident Emmanuel Macron angetreten sind, hat im Vergleich zur Europawahl 2019 mit 7,8 % gut ein Drittel ihres Stimmanteils eingebüßt und kommt landesweit nur noch auf einen Anteil von 14,6 %. Ihre besten Ergebnisse erzielte sie wie damals in den Metropolen und deren näheren Umge­bung, z.B. im Département Hauts-de-Seine westlich von Paris mit 19,5 %, verlor hier allerdings auch überproportional viele Stimmen. Ihre Wähler kommen v.a. aus der urbanen Mittel- und Oberschicht und von finanziell gut gestellten Rentnern.

    Der Versuch der rechtskonservativen Partei Les Républicains (LR), sich zwischen den Rechtspopulisten und den Zentrumsparteien als wertkonservative Alternative zu etablieren und sich dabei programmatisch dem RN anzunähern, ist erneut gescheitert: Nachdem sie 2019 mit 8,48 % schon ein historisch schlechtes Wahlergebnis eingefahren hatten, hat sich ihr Stimmenanteil ein weiteres Mal verringert und liegt diesmal bei 7,25 %.

    Die 2022 gegründete rechtsextreme Bewegung Reconquête ! des Publizisten und Polemikers Eric Zemmour hat erstmals an den Europawahlen teilgenommen und dabei mit 5,47 % auf Anhieb den Einzug ins Parlament in Strasbourg geschafft. Wie LR warb sie v.a. um die Stimmen einer katholisch-konservativen Rechten und hat so vermutlich zusätzlich zum schlechten Ergebnis dieser Partei beigetragen.

    Ergebnisse der Linksparteien

    Die Listen der Parteien der politischen Linken, die bei den Parlamentswahlen 2022 als Viererbündnis unter dem Namen Nouvelle Union populaire écologique et sociale (NUPES) angetreten sind, haben zusammengenommen einen Stimmenanteil von 31,58 % erreicht, allerdings haben nur drei von ihnen die in Frankreich geltende 5-%-Hürde genommen:

    Die von Raphaël Glucksmann angeführte Liste Parti socialiste (PS)/Place publique (PP) erhielt 13,83 % der Stimmen und konnte damit ihr Ergebnis von 2019 um 7,64 % verbessern. Die PS-PP-Wählerschaft verteilt sich relativ homogen auf die verschiedenen Altersgruppen, wobei ihr Anteil bei den 18- bis 24-Jährigen Wählern mit 5 % relativ niedrig ist. Sie wurde vor allem von Führungskräften (20 %) und Rentnern (16 %) gewählt, ihre Wähler haben höhere Bildungsabschlüsse (18 % bei den Abiturienten) und sind häufiger im öffentlichen Sektor beschäftigt als die Wähler anderer Listen.

    Die Liste von La France insoumise (LFI) konnte ihren Stimmanteil im Vergleich zu 2019 ebenfalls steigern, und zwar von 6,31 % auf 9,89 %. Die LFI-Stimmen kommen vor allem von Wählern zwischen 18 - 34 Jahre (unter den 18-24-Jährigen hat fast ein Drittel für den LFI votiert) und den Geringverdienern. Ihre Wählerschaft lebt v.a. in der Peripherie der urbanen Zentren, ihr bestes Ergebnis erreichte sie mit 37,1 % im Département Seine-Saint-Denis. Ihre Wähler sind v.a. Angestellte (15 %), Führungskräfte (10 %) und Menschen, die in mittelrangingen Positionen tätig sind (9 %).

    Die von Marie Toussaint angeführte Grüne Liste Europe écologie, die 2019 mit 13,48 % im linken Lager vorne lag, hat diesmal nur 5,5 % der Stimmen erhalten. Die Grünen wurden in erster Linie von jungen Menschen (18-34 Jahre) mit Hochschulabschluss gewählt, die als Führungskräfte oder in in mittelrangingen Positionen tätig sind.

    Die Liste der Parti communiste français (PCF), die ein von LFI unabhängiges und unterscheidbares linkes Profil vertreten wollte, scheiterte mit einem Anteil von 2,36 % blieb, wie schon 2019, deutlich unter 5 %.

    Parteiübergreifende Ergebnisse

    Parteiübergreifend waren 35 der 81 gewählten Abgeordneten bereits Mitglieder des von 2019 – 2024 beste­henden Europaparlaments, 2019 waren nur 20 der amtierenden 79 französischen Abgeordneten wiedergewählt worden. 20 der Neu-Parlamentarier übernehmen erstmals ein Mandat als Volksvertreter. Mit 21 Neumitgliedern finden die größten Veränderungen innerhalb der Fraktion des RN statt. Erstmals wurden in Frankreich mehr Frauen (42) als Männer (39) in das Europaparlament gewählt. Der älteste unter ihnen ist der Rennaissance-Vertreter Bernard Guetta mit 73 Jahren, die jüngste mit 24 Jahren Emma Fourreau, die für den LFI in das Parlament einzieht. Im Vergleich zur vorherigen Legislaturperiode sind die französischen Europaabgeordneten im Durchschnitt insgesamt jünger: Ca. 47 Jahre gegenüber 49 2019 - 2024.

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