Am 15. und 22. März werden die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister der über 34.000 Gemeinden Frankreichs gewählt. Diese Kommunalwahl ist der letzte Stimmungstest vor den Präsidentschaftswahlen im Jahr 2027. Die Ergebnisse der beiden Wahlgänge im März werden ermöglichen, besser zu verstehen, welche politischen Dynamiken den Wahlkampf beeinflussen werden und welche Bündniskonstellationen dabei entstehen könnten.
Zur besseren Einordnung der politischen Herausforderungen dieser Wahl und ihrer Ergebnisse werden wir in den kommenden Wochen thematische Dossiers zum Wahlsystem und zu den verschiedenen politischen Lagern sowie Analysen der lokalen Konstellationen und Wahlergebnisse veröffentlichen. Außerdem werden wir auf dieser Seite Interviews mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des dfi zur Kommunalwahl einbinden.
Das Wahlsystem
Am 15. und 22. März 2026 finden in Frankreich die Kommunalwahlen statt, bei denen in 34.476 Städten und Gemeinden über 500.000 Volksvertreter für die Wahlperiode 2026 – 2032 gewählt werden.
Die im europäischen Vergleich hohe Zahl der Kommunen erklärt sich in erster Linie damit, dass (oftmals erzwungene) Eingemeindungen (wie etwa in den 1970er in Westdeutschland und zu Beginn der 1990er Jahre in Ostdeutschland) in Frankreich weitgehend ausgeblieben sind. Das hat im Wesentlichen zwei Gründe: Erstens verkörpert die französische Gemeinde als „kleine Republik in der großen“ (petite république dans la grande) die jakobinische Tradition einer direkten Beziehung des Staates zu seinen Bürgern, die vor allem in der Person des Bürgermeisters zum Ausdruck kommt. Deshalb hat es auch, zweitens, kein Präsident gewagt, die Zusammenlegung von Kommunen gesetzlich zu erzwingen. Die große Mehrzahl der Gemeinden (24.854) hat weniger als 1.000 Einwohner, in 8.812 Gemeinden sind es weniger als 200 (siehe Tabelle). Da viele dieser kleinen oder sehr kleinen Kommunen ihre Aufgaben natürlich nicht eigenständig erledigen können, sind sie heute allerdings überall in Kommunalverbänden (intercommunalités) zusammengeschlossen.
Das System, das bei diesen Wahlen angewandt wird, unterscheidet sich stark von den verschiedenen Kommunalwahlordnungen, die in Deutschland gelten.
Eine Listenwahl mit zwei Wahlgängen
Eine Listenwahl mit zwei Wahlgängen
Die Kommunalwahl in Frankreich ist eine Listenwahl mit zwei Wahlgängen, bei der nur Personen, die auf einer der kandidierenden Listen stehen, in die Stadt- und Gemeinderäte einziehen können. Alle Listen sind dazu verpflichtet, gleichviele Männer und Frauen in alternierender Reihenfolge als Kandidaten aufzustellen. Dank dieser Maßnahme konnte der Frauenanteil in den Stadt- und Gemeinderäten von 21,7 % im Jahr 1995 auf 41,5 % im Jahr 2020 gesteigert werden. Allerdings stehen nur in 17,5% der Gemeinden Frankreichs Frauen an der Spitze des Gemeinde- oder Stadtrats und sitzen im Rathaus.
In kleinen Gemeinden stehen häufig nur zwei oder auch nur eine Liste zur Wahl, in diesem Fall ist nur ein Wahlgang nötig. Dort, wo mehr als zwei Listen kandidieren und keine von ihnen im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit erreicht, ist ein zweiter Wahlgang erforderlich. An diesem können die Listen teilnehmen, die im ersten einen Stimmanteil von mindestens 10 % der abgegebenen Stimmen erzielt haben. Listen, die weniger als 10 % aber über 5 % erreicht haben, können sich einer Liste, die zur Teilnahme am zweiten Wahlgang berechtigt ist, anschließen und mit dieser aushandeln, wie viele ihrer Kandidaten auf welchen Plätzen in diese neu zusammengestellten Listen integriert werden. Häufig gehen solche Bündnisse auch Listen ein, die beide am zweiten Wahlgang teilnehmen dürften, um so ihre Chancen auf einen Wahlsieg zu erhöhen.
Sitzverteilung im Gemeinderat
Sitzverteilung im Gemeinderat
Die Sitzverteilung im Gemeinderat erfolgt nach einem doppelten Prinzip. Die Liste, die die relative Mehrheit der Stimmen erreicht hat, bekommt einen sogenannten Mehrheitsbonus (prime majoritaire), und wird deswegen stark bevorteilt. In allen Gemeinden Frankreichs erhält die Liste, die die meisten Stimmen erhält, 50 % der Sitze als Bonus; nur in den drei größten Städten des Landes Paris, Lyon und Marseille sind es nur 25 %. Die Zahl der kommunalen Vertreter richtet sich nach der Einwohnerzahl einer Gemeinde (siehe Abbildung 1).
Alle verbleibenden Sitze werden proportional zu den Wahlergebnissen auf die Listen verteilt. Diese Regelung kann insbesondere bei knappen Wahlausgängen zu einer starken Verzerrung des eigentlichen Ergebnisses führen. In Annecy erhielten bei der Kommunalwahl 2020 die drei zur Wahl stehenden Listen z.B. im zweiten Wahlgang 44,74 %, 44,64 % und 10,61 % der Stimmen, die Liste des neu gewählten Bürgermeisters Francois Astorg bekam nur 27 Stimmen mehr als die zweitplatzierte. Bei einer rein proportionalen Verteilung der Sitze hätte dieses Ergebnis jeweils 31 Sitzen für die erst- und zweitplatzierte und sieben für die drittplatzierte Liste entsprochen. Über den Bonus erhielt die erstplatzierte Liste aber 35 Sitze und 16 über die proportionale Verteilung, insgesamt also 51, die zweitplatzierte 15 über die proportionale Verteilung und die drittplatzierte nur drei Sitze.

Wahl des Bürgermeisters und seiner Stellvertreter
Die neuen Gemeinderäte wählen bei ihrer konstituierenden Sitzung den Bürgermeister, meist den Kandidaten auf Listenplatz 1 der siegreichen Liste. Um Bürgermeister zu werden, muss man bei dieser geheimen Wahl im ersten und zweiten Wahlgang die absolute Mehrheit erreichen, im dritten genügt eine relative Mehrheit. Im Anschluss daran handelt der Rat die Zahl der stellvertretenden Bürgermeister aus, die aus ihrem Kreis bestimmt werden und deren Anteil am Gemeinderat 30 % nicht überschreiten darf.
Neues Wahlsystem in Gemeinden mit weniger als 1.000 Einwohnern
In Frankreich gibt es wesentlich mehr Gemeinden als in Deutschland. Die durchschnittliche Einwohnerzahl einer Gemeinde ist folglich mit 1.895 deutlich niedriger als in Deutschland (7.628)[1]. 24.854 (71,60 %) französische Gemeinden haben weniger als 1.000 Einwohner. Laut Angaben des französischen Innenministeriums sind nur 37,6 % der Räte in diesen kleinsten Gemeinden Frauen. Um ihren Anteil zu erhöhen, hat der Gesetzgeber im Mai 2025 beschlossen, dass für die dort kandidierenden Listen ab 2026 auch eine paritätische Verteilung der Plätze auf Frauen und Männer verbindlich ist.
Gleichzeitig wird es in diesen Gemeinden immer schwieriger, genügend Kandidaten zu finden, um den Gemeinderat zu besetzen, außerdem legen dort immer häufiger Gewählte ihr Mandat während einer Legislaturperiode nieder. Deshalb wurde als zusätzliche Sonderregelung eingeführt, dass in kleinen Gemeinden auch Listen zur Wahl zugelassen werden, auf denen bis zu zwei Kandidaten weniger stehen, als der Gemeinderat Mitglieder haben sollte. Demzufolge gilt ein Gemeinderat nun als vollständig, sobald eine entsprechende Mindestzahl der Gemeinderäte erreicht wird: In Gemeinden mit unter 100 Einwohnern sind so Räte mit 5 Mitgliedern zulässig (gesetzliche Mindestzahl ist 7), 9 in Gemeinden mit zwischen 100 und 499 (gesetzliche Mindestzahl ist 11), 13 in Gemeinden mit zwischen 500 und 1.499 (gesetzliche Mindestzahl ist 15).
Maßnahmen, um ein kommunales Mandat attraktiver zu machen
Als weitere Maßnahme hat das französische Parlament am 22. Dezember 2025 ein Gesetz verabschiedet, das die Rahmenbedingungen für lokal gewählte Mandatsträger verbessern und so das lokale Engagement fördern soll. Dies insbesondere durch
- Die Einführung des Statuts des „Kommunalpolitikers“ (élu local) und des Statuts des „jungen Kommunalpolitikers“ (élu local étudiant)
- Erhöhung des Höchstbetrags der Amtsbezüge von Bürgermeistern und stellvertretenden Bürgermeistern in Gemeinden mit weniger als 20.000 Einwohnern
- Vereinfachung der Schritte, um bestimmte Fahrtkosten erstatten zu lassen
- Ein besserer Schutz für Kommunalpolitiker
- Erleichterungen für Kommunalpolitiker, um ihr Mandat mit einer beruflichen Tätigkeit zu vereinbaren
- Eine bessere Unterstützung nach dem Ausscheiden aus einem Mandat, z.B. durch die Anerkennung dabei erworbener Kompetenzen, Bezüge nach seinem Ende oder eine Erhöhung der Rentenansprüche.
Wahlen in Paris, Lyon und Marseille
Für die Wahlen in Paris, Lyon und Marseille wurden im August 2025 von der Nationalversammlung neue Bestimmungen verabschiedet, womit die im Jahr 1982 eingeführten Sonderregelungen für diese drei Städte abgeschafft wurden. Zwischen 1982 und 2020 wurden hier die Stadträte nicht direkt, sondern von den Räten in den Bezirken oder Sektoren bestimmt, die ihrerseits von den wahlberechtigten Bewohnern in diesen Vierteln gewählt worden waren. Der Bürgermeister wurde wie in den anderen Gemeinden vom Gemeinderat gewählt. Dieses Wahlverfahren wurde regelmäßig kritisiert, v.a. weil über die Wahlboni, die die Listen in den einzelnen Bezirken erhalten hatten, im Gemeinderat die Wahl von Kandidaten zu Bürgermeistern möglich wurde, die bei einer direkten Wahl des Rates keine Chance auf eine Mehrheit gehabt hätten.
In Paris, Lyon und Marseille können die Wählerinnen und Wähler ab der Kommunalwahl 2026 in zwei separaten Wahlen die Mitglieder zweier Gremien wählen:
- In der einen Wahl die Räte ihres Bezirks (conseillers d’arondissement). In Lyoner Bezirksräten sitzen bis zu 44 Räte, in Marseille bis zu 53 und in Paris bis zu 55.
- In der anderen Wahl die Stadträte (conseillers municipaux), die den Bürgermeister wählen. Dem Stadtrat von Lyon gehören 73 Volksvertreter an, dem von Marseille 111 und dem von Paris 163.
- In Lyon können die Wählerinnen und Wähler außerdem in einer dritten Abstimmung die 150 Mitglieder des Rats der „Metropole Lyon“ bestimmen.
Wie in den anderen Wahlen auf kommunaler Ebene bekommt die Liste, die die meisten Stimmen erhalten hat, eine bestimmte Sitzanzahl als Bonus. Für die Bezirksräte liegt er bei 50 % der Sitze und für Stadträte bei 25 %. Auf diese Weise soll eine stärkere Vertretung der Opposition in den Räten von Paris, Lyon und Marseille ermöglicht werden, dies könnte aber auch eine stärkere Fragmentierung der Stadträte zur Folge haben.
Wahlen der Kammern der Gemeindeverbände
Wahlen der Kammern der Gemeindeverbände
Neben den Mitgliedern der Stadt- oder Gemeinderäte werden bei den Wahlen auch die Vertreter der Gemeinden in den oben bereits kurz erwähnten Gemeindeverbänden bestimmt, von denen es in Frankreich insgesamt 1.254 gibt und die in ländlichen Gegenden mancherorts über 100 Gemeinden umfassen und über die Grenzen eines Departements hinweg gebildet werden können. In Frankreich hatten sich bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts zunächst freiwillige kommunale Zweckverbände zur Erfüllung bestimmter sektoraler Aufgaben (Wasserversorgung, Abwasserentsorgung, usw.) entwickelt. Seit den 1960er Jahren hat die Politik (anstelle von zwangsweise verordneten Eingemeindungen wie etwa in Deutschland) den Zusammenschluss von Gemeinden zu Kommunalverbänden (Établissements publics de coopération intercommunale, EPCI) dann immer stärker forciert und so zu deren Weiterentwicklung und Verfestigung beigetragen. Seit dem 1. Juli 2013 sind alle Gemeinden verpflichtet, einem Gemeindeverband anzugehören. Davon ausgenommen sind lediglich die Île d’Yeu, die Île de Bréhat, die Île de Sein und die Île d’Ouessant. Der Verband „Métropole de Lyon“ verfügt über einen besonderen Status, da er sowohl die Aufgaben eines Gemeindeverbands als auch diejenigen eines Départements wahrnimmt. Der größte Gemeindeverband des Landes, die „Communauté d’agglomération Pays Basque“, befindet sich im Baskenland. Er umfasst 158 Kommunen mit insgesamt mehr als 320.000 Einwohner und entstand am 1. Januar 2017 aus dem Zusammenschluss der zehn zuvor bestehenden Gemeindeverbände des Baskenlandes.
Die Gemeinverbände verfolgen drei Hauptziele:
- eine effiziente Organisation der territorialen Aufgaben
- die Verwaltung und Gestaltung des öffentlichen Raums
- die Förderung der lokalen wirtschaftlichen Entwicklung und eine konzertierte Raumordnungspolitik
So werden einerseits sektorale Aufgaben, die den Kommunen zugeordnet sind, von Gemeindeverbänden übernommen (z. B. die Müllabfuhr oder die Errichtung lokaler Einrichtungen). Auf diese Weise können die Mitgliedsgemeinden die Gesamtkosten senken, untereinander aufteilen und Skaleneffekte nutzen.
Darüber hinaus kommt den französischen Intercommunalités mit Blick auf ihre raumplanerischen Aufgaben eine nicht zu unterschätzende Bedeutung zu. Wichtige lokalpolitische Entscheidungen werden immer öfter im Rat des Kommunalverbands (Conseil communautaire) getroffen. Um dessen demokratische Legitimation zu erhöhen, wollte François Hollande daher im Rahmen seiner Territorialreform 2014 die Direktwahl der lokalen Volksvertreter von den einzelnen Gemeinden auf die intercommunalité verlagern. Dies wäre allerdings einer Entmachtung der Kommunen durch die Hintertür gleichgekommen und stieß vor allem im Senat als verfassungsmäßigem Vertretungsorgan der Gebietskörperschaften auf erheblichen Widerstand.
Stattdessen werden seitdem die Vertreter der Gemeindeverbände bei den Kommunalwahlen in Gemeinden ab 1.000 Einwohnern über das sog. System der fléchage gewählt, d.h. die Wahlberechtigten wählen ihre Gemeinde- und Stadträte, von denen ein Teil dann direkt in den Rat des Kommunalverbands entsandt wird. Technisch wird dies über einen zweispaltigen Stimmzettel gelöst, auf dem links die Kandidatinnen und Kandidaten für den Gemeinde- oder Stadtrat stehen und rechts diejenigen, die im Falle ihrer Wahl gleichzeitig auch dem Rat des Kommunalverbands angehören.
Politisch gesehen ergeben sich vor allem in großen Ballungsräumen mitunter schwierige Konstellationen, da die Interessen der Kernstadt und die der umliegenden, kleineren Kommunen in vielerlei Hinsicht divergieren. Teilweise „verbünden“ sich die Vorortgemeinden, um ein Gegengewicht und eine Form von „Augenhöhe“ herzustellen. In diesen Fällen einen Ausgleich zu finden kann sich als besonders schwierig erweisen, wenn die Bürgermeisterin oder der Bürgermeister der Kernstadt politisch einem anderen Lager angehört als die Präsidentin oder der Präsident des Kommunalverbands (meist eine Bürgermeisterin oder ein Bürgermeister einer kleinen Kommune).
In den kommenden Wochen werden wir den Blick exemplarisch auf mehrere Städte richten, in denen der Ausgang der Wahlen aus unterschiedlichen Gründen mit besonderer Spannung erwartet wird.
Einen guten Einblick in die Gesamtsituation bietet der Länderbericht
Kommunalwahlen in Frankreich 2026
des Auslandsbüros Frankreich der Konrad-Adenauer-Stiftung
Die Kommunalwahlen in Perpignan (Stand 11.03.2026)
Ausgangslage
Seit 2020 ist Louis Alliot, Vizepräsident des Rassemblement National (RN) und enger Vertrauter von Marine Le Pen, Bürgermeister der Stadt Perpignan. Bereits 2008, 2009 und 2014 war er erfolglos angetreten, konnte jedoch bei jeder Wahl sein Ergebnis verbessern. 2020 erhielt seine Liste im zweiten Wahlgang 53,1 % der Stimmen und setzte sich damit überraschend gegen die des Kandidaten von Les Républicains (LR), Jean-Marc Pujol, durch, der von der gemäßigten Linken sowie den Macronisten unterstützt wurde.
Der RN bestimmte bis dahin nur von 1995 bis 2001 die Geschicke einer Stadt mit mehr als 100.000 Einwohnern – und zwar in Toulon. Der dortige Bürgermeister, Jean-Marie Le Chevallier wurde während seiner Amtszeit 2001 wegen der Veruntreuung öffentlicher Gelder verurteilt und musste sein Amt niederlegen.
Für seine Kampagne 2020 ließ sich Alliot vom Wahlsieg von Robert Ménard in Béziers im Jahr 2014 inspirieren, der eine Liste ohne offizielle RN-Kennzeichnung aufgestellt hatte. Zudem lud er mehrere Persönlichkeiten zu Wahlveranstaltungen ein, die dem RN nahestanden, ohne Parteimitglieder zu sein, darunter Thierry Mariani und Éric Zemmour. Im Gemeinderat konnte sich Alliot in den vergangenen sechs Jahren auf eine breite Mehrheit von 42 Sitzen stützen, die übrigen 13 entfallen auf die Liste von LR.
Bewerberfeld
Umfragen deuten darauf hin, dass in Perpignan fünf Listen Chancen auf den Einzug in die Stichwahl haben.
Trotz seiner Verurteilung im Prozess zur Veruntreuung von EU-Geldern, in dem auch Marine Le Pen schuldig gesprochen wurde und ihr passives Wahlrecht verlor, führt Louis Alliot (*1969) erneut die Liste des RN an. Für sie wird in Umfragen ein Stimmanteil von ca. 44 % im ersten Wahlgang prognostiziert. Das wäre ein Zuwachs von rund 8 % im Vergleich zur ersten Runde der Kommunalwahlen 2020.
Innerhalb der gemäßigten Linken herrscht hingegen Uneinigkeit. Ursprünglich sollte der Anwalt Mathias Blanc eine gemeinsame Liste der Parti Socialiste (PS) und der Parti Communiste français (PCF) anführen. Stattdessen wurde schließlich Agnès Langevine, Vizepräsidentin der Region Occitanie und Mitglied der Partei Place Publique, als Spitzenkandidatin der offiziellen PS-Liste bestimmt. Mathias Blanc entschied sich daraufhin, eine eigene Liste aufzustellen, die vom PCF, der Parti radical de gauche sowie einigen Mitgliedern der PS unterstützt wird.
Herausforderungen der Wahl
Mit Blick auf seine sechsjährige Amtszeit als Bürgermeister wird Louis Aliot ein relativ geräuschloser Regierungsstil attestiert, der darauf abzielte, sich möglichst wenig angreifbar zu machen. Seine Bilanz gilt daher als gemischt, da allgemein nur wenige Fortschritte und Veränderungen wahrgenommen werden, z.B. in Bezug auf die erhoffte Stärkung des Einzelhandels in der Innenstadt oder die Renovierung verfallener Gebäude. Ein weiterer Kritikpunkt ist seine offenbar eher geringe Präsenz in der Stadt (Radiobeitrag von Radio France).
Bedeutsam für diese Wahl ist auch die mögliche Bestätigung der Verurteilung des amtierenden Bürgermeisters wegen der Veruntreuung von EU-Geldern. Die damit verbundene Strafe zu 18 Monaten Freiheitsentzug, davon sechs Monate ohne Bewährung mit elektronischer Fußfessel, und dem Entzug des passiven Wahlrechts für drei Jahre, ist noch nicht in Kraft, da Alliot (wie Marine Le Pen) dagegen Berufung eingelegt hat. Wenn das Urteil in der Berufungsverhandlung im Juli 2026 bestätigt wird, wäre Aliot im Falle seiner Wiederwahl eigentlich gezwungen, sein Amt niederzulegen. Er könnte aber auch den französischen Kassationsgerichtshof anrufen und auf diese Weise zumindest bis zu dessen Rechtsprechung (voraussichtlich Anfang 2027) Bürgermeister bleiben.
Darüber hinaus bietet Perpignan ein aufschlussreiches Beispiel dafür, wie der RN Gemeinden führt: Hier, wie in vielen anderen von RN-Bürgermeistern regierten Städten wie Villers-Cotterêts oder Bruay-la-Buissière, wurden öffentliche Fördermittel für Kultureinrichtungen gestrichen, dennoch haben sich in einigen dieser Kommunen die Ausgaben aber deutlich erhöht. In Perpignan beispielsweise stiegen die Betriebsausgaben zwischen 2020 und 2024 von 157 auf 226 Millionen Euro. Zudem wurde Louis Alliot vorgeworfen, seine Frau eingestellt und Druck auf lokale Journalisten ausgeübt zu haben. Nachdem die Lokalzeitung l’Indépendant Fragen zu seiner politischen Zukunft nach seiner Verurteilung gestellt hatte, warf der amtierende Bürgermeister ihrer Redaktion vor, kokainsüchtig zu sein. Ähnlichen Druck mussten auch Journalisten in Toulon erleben, nachdem sie berichtet hatten, dass die dortige Spitzenkandidatin des RN Laure Lavalette nicht in Toulon, sondern in einer naheliegenden Stadt lebt.
Die Oppositionslisten versuchen in Perpignan nun, sowohl die Kritik an der lokalen Politik als auch die juristischen Probleme des Bürgermeisters zu nutzen, um seine Wiederwahl zu verhindern. Die Linke ist in Perpignan jedoch noch stärker zersplittert als anderswo. Besonders bemerkenswert ist das Bündnis zwischen LFI und den Grünen, die andernorts meist mit den Sozialisten kooperieren. Die Spaltung der gemäßigten Linken in zwei konkurrierende Listen könnte letztlich Louis Alliot nutzen. Entscheidend wird daher sein, ob sich die verbliebenen linken Kandidaten mit geringen Erfolgsaussichten im zweiten Wahlgang zugunsten der bestplatzierten oppositionellen Liste zurückziehen.
Die Kommunalwahlen in Paris, Lyon und Marseille
Die Kommunalwahlen in Paris (Stand 26.02.2026)
Die Ausgangslage
In Paris stellt die Parti socialiste (PS) seit 2001 den Bürgermeister (von 2001 bis 2014 mit Bertrand Delanoë und seit 2014 mit Anne Hidalgo). Bei der Kommunalwahl 2020 hatten die Sozialisten ein Bündnis mit den Ecologistes geschlossen und gemeinsam 96 der 163 Sitze im Stadtrat, dem Conseil de Paris, gewonnen. Die Listen der Opposition kamen auf 67 Sitze (siehe Bild unten). Die Bezirke (Arrondissements) im Westen von Paris wählten seinerzeit überwiegend konservative Listen, die im Osten mehrheitlich linke, in zwei der 20 erhielten die der Zentrumsparteien eine Mehrheit.
2024 kündigte die amtierende Bürgermeisterin an, 2026 nicht mehr kandidieren zu wollen. Ihre Amtsführung und die Ergebnisse ihrer beiden Mandate sind insgesamt sehr umstritten. Anne Hidalgo hat seit 2014 verschiedene Maßnahmen ergriffen, um den Autoverkehr in der Innenstadt zu reduzieren, was zu einer Verbesserung der Luftqualität in Paris geführt hat. U.a. wurden die Höchstgeschwindigkeit in Paris sowie auf dem Boulevard périphérique, der Autobahn um Paris herum, auf 50 km/h gesenkt und 500 km Radwege eingerichtet.
Außerdem wurde während ihrer Amtszeit der Anteil an Sozialwohnungen auf 25 % erhöht. Die Sozialpolitik der sozialistischen Bürgermeisterin wurde jedoch auch heftig kritisiert. Die Schulden der Stadt sind seit ihrem Amtsantritt deutlich gestiegen (von 4 auf 9 Milliarden Euro). Zudem herrscht vielfach Unzufriedenheit über die Sauberkeit in der Stadt, und es ist nicht gelungen, einen weiteren Anstieg der ohnehin extrem hohen Mietpreise zu verhindern. Laut jüngeren Meinungsumfragen sind 60 % der Pariser mit der Bilanz von Anne Hidalgo unzufrieden.
Das Bewerberfeld
Nicht weniger als fünf Listen können auf den Einzug in den zweiten Wahlgang hoffen:
Innerhalb der PS kam es zu einem heftigen Machtkampf um die Nachfolge von Anne Hidalgo. Der von ihr favorisierte Kandidat Rémi Féraud konnte sich bei der parteiinternen Abstimmung nicht gegen ihren ehemaligen ersten Stellvertreter (2018–2024) und jetzigen Abgeordneten des 7. Pariser Wahlkreises, Emmanuel Grégoire (*1977), durchsetzen. Unter seiner Ägide hat die PS in Paris im Dezember 2025 ein Linksbündnis mit fast allen linken Parteien (außer La France Insoumise (LFI)) geschlossen, das in aktuellen Umfragen auf etwa 30 % Zustimmung kommt.
Rachida Dati (*1965) ist Oppositionsführerin im Pariser Stadtrat, parallel dazu übt sie auch das Amt der Bürgermeisterin des 7. Bezirks aus. Seit 2024 war sie auch französische Kulturministerin, hat aber am 25. Februar mit Blick auf Ihre Kandidatur in Paris ihren Rücktritt eingereicht. Sie führt eine Liste an, die von den konservativen Les Républicains, dem MoDem (der Zentrumspartei des ehemaligen Premierministers François Bayrou) und der Kleinpartei UDI unterstützt wird, und gilt als größte Herausforderin von Emmanuel Grégoire. Laut aktuellen Umfragen kann sie mit etwa 24 % der Stimmen rechnen.
Ein weiterer Vertreter der gemäßigten bürgerlichen Rechten ist Pierre-Yves Bournazel (*1977). Bournazel sitzt seit 2008 im Rat des 18. Pariser Bezirks und ist Mitglied der Partei Horizons (der Partei des ehemaligen Premierministers Édouard Philippe). Seine Kandidatur war lange unsicher, da Gabriel Attal, Vorsitzender der Präsidentenpartei Renaissance, ursprünglich die Liste von Rachida Dati unterstützen wollte. Nun ist Bournazel aber der offizielle Kandidat des Parteienbündnisses, das Macron unterstützt. Mit etwa 14 % der Stimmen kann auch seine Liste auf den Einzug in die Stichwahl hoffen.
Auf Seiten der Rechtsextremen konkurrieren zwei Listen miteinander: Die des Rassemblement National, die voraussichtlich rund 5 % erhalten wird, und die der noch radikaleren Kleinpartei Reconquête!. An ihrer Spitze steht die Europaabgeordnete Sarah Knafo (*1993), die Lebensgefährtin des ehemaligen Präsidentschaftskandidaten Éric Zemmour. Ihre Liste wird in Meinungsumfragen überraschenderweise bei ungefähr 11 % gesehen.
Herausforderungen der Wahl
Die Kommunalwahl in Paris gilt als wichtiger Indikator für die politischen Dynamiken auf nationaler Ebene.
Die zentrale Frage betrifft die Liste des Sozialisten Emmanuel Grégoire: Kann sie ohne die Unterstützung von LFI eine Mehrheit bekommen? Die Sozialisten sind in Paris nicht mehr so beliebt wie früher, und das neue Wahlrecht sorgt für zusätzliche Unsicherheit.
Die Spaltung der Linken zwischen Insoumis und „Non-Mélenchonistes“ ist symptomatisch für die nationale politische Lage. In vielen großen Städten treten linke Listen ohne Beteiligung der Anhänger von Jean-Luc Mélenchon, Gründer und dominante Figur von LFI, an. Diese Zersplitterung könnte sich bei der Präsidentschaftswahl 2027 fortsetzen und die Chancen der Linken auf den Einzug in die Stichwahl verringern. Beide Lager scheinen derzeit unversöhnlich.
Das stellt auch die französischen Grünen vor Herausforderungen. Die Parteichefin, Marine Tondelier, hat lange versucht, ein Zerbrechen des Linksbündnisses, das bei den Parlamentswahlen 2022 und 2024 erfolgreich war, zu verhindern. Das scheint nun unmöglich, so dass sich die Grünen entscheiden müssen, welche Seite sie unterstützen. Auch wenn sie bei den Kommunalwahlen überwiegend gemeinsame Listen mit der PS gebildet haben (wobei jeweils lokal und nicht in Paris entschieden wurde), gibt es vereinzelt Abweichler. In Paris haben einzelne grüne Stadträte entschieden, nicht Emmanuel Grégoire, sondern Sophia Chikirou zu unterstützen.
Wenn die Liste von LFI in Paris den zweiten Wahlgang erreicht und sich außerdem die beiden Listen der bürgerlichen Rechten vereinen, könnte ein Bündnis PS-Grüne-LFI die einzige Option für die Linke sein, um die Wahl zu gewinnen. Pierre-Yves Bournazel hat zwar immer wieder bekräftigt, vor dem zweiten Wahlgang keine Allianz mit Rachida Dati eingehen zu wollen, die vermutlich auf seine Unterstützung angewiesen wäre, um für ihre Liste eine Mehrheit zu erreichen. Ex-Premier Edouard Philippe hingegen plädiert dafür, alles dafür zu tun, einen Wahlsieg des Mitte-Rechts-Lagers zu ermöglichen, und erhöht damit den Druck auf Bournazel, vor dem zweiten Wahlgang zugunsten von Dati auf seine Kandidatur zu verzichten-
Schließlich stellt sich auch die Frage nach einer möglichen „Union der Rechten“, über die seit Jahren innerhalb der bürgerlichen Rechten diskutiert wird: Soll man Allianzen mit rechtsextremen Parteien eingehen, um Wahlen zu gewinnen? In Paris könnte Rachida Dati auch versuchen, eine Allianz mit der Liste von Sarah Knafo einzugehen. Auch innerhalb der Républicains wird diese Frage zunehmend diskutiert. Ihr ehemaliger Parteivorsitzende Laurent Wauquiez fordert beispielsweise eine Vorwahl für den rechten Präsidentschaftskandidaten, die das gesamte rechte bis rechtsextremistische Spektrum abdeckt, vom relativ gemäßigten Innenminister Gérald Darmanin bis hin zu der extremistischen Sarah Knafo. Diesen Vorschlag lehnen andere Parteiführer entschieden ab.
Die Kommunalwahlen in Lyon (Stand 25.02.2026)
Ausgangssituation
Von 2001 bis 2020 war Gérard Collomb mit einer einjährigen Unterbrechung von 2017 – 2018 Bürgermeister der Stadt Lyon. Collomb war 2017 einer der ersten landesweit bekannten Politiker, der seine ursprüngliche Partei, die Parti socialiste (PS) verließ, um sich der Bewegung En Marche von Emmanuel Macron anzuschließen.
Bei der Kommunalwahl 2020 bildeten die Grünen (Les Ecologistes) nach dem ersten Wahlgang eine gemeinsame Liste mit anderen linken Listen, darunter denen von der PS, der Parti communiste français (PCF) und von La France Insoumise (LFI). Neben dieser erweiterten Liste standen im zweiten Wahlgang ein Bündnis aus Les Républicains und Macronisten, das sich unter der Führung von Yann Cucherat formiert hatte, und eine weitere Liste von Macronisten mit dem Spitzenkandidaten Georges Képénékian zur Wahl. Képénékian, der von 2017 – 2018 als Nachfolger des in die Regierung von Edouard Philippe eingetretenen Gérard Collomb selbst Bürgermeister gewesen war, verweigerte ein Bündnis mit der Liste von Cucherat und so kam es zu einem Dreikampf, aus dem der Wahlvorschlag der Linken als Sieger hervorging. Ihr Spitzenkandidat Grégory Doucet (Les Écologistes) wurde im Anschluss zum Bürgermeister von Lyon gewählt.
Auch bei der Wahl des Rates Métropole Lyon kam zu einer Konkurrenzsituation zwischen den zentristischen und gemäßigt rechten Kräften: Neben einer Liste unter Führung von Gérard Collomb, dem offiziellen Kandidaten der Präsidentenpartei Renaissance, und einer unter der Führung von David Kimelfeld, der von 2017 bis 2020 als dessen Nachfolger Präsident der Métropole gewesen war, stand dabei auch eine eigene Liste für die Partei Les Républicains von François-Noël Buffet zur Wahl.
Die zwangsläufige Verteilung der Stimmen des Mitte-rechts-Lagers auf diese drei Listen sowie der gleichzeitige Zusammenschluss der linken Kräfte unter der Führung des grünen Politikers Bruno Bernard führten zu einem überraschenden Wahlsieg der Grünen auch auf der Ebene der Métropole.
Nach dem zweiten Wahlgang am 28. Juni 2020 regierten die Grünen damit sowohl die Stadt Lyon als auch die Métropole.
Bewerberfeld
Derzeit deutet vieles auf einen Zweikampf zwischen dem amtierenden Bürgermeister Grégory Doucet und dem Unternehmer und ehemaligen Präsidenten des Fußballvereins Olympique Lyonnais, Jean-Michel Aulas, hin.
Grégory Doucet (*1972) führt erneut eine linke Liste an, der neben seiner eigenen Partei Les Écologistes die PS, die PCF sowie mehrere kleinere linke Bewegungen angehören. Lange Zeit schien seine Wiederwahl wegen des Fehlens ernsthafter Konkurrenten gesichert. In aktuellen Umfragen liegt seine Liste jedoch mit etwa 30 % deutlich hinter der seines Herausforderers Jean-Michel Aulas, die Meinungsforscher bei rund 44 % sehen.
Die Kandidatur von Jean-Michel Aulas (*1949) kam überraschend. Dem 76jährigen Unternehmer ist es binnen kurzer Zeit gelungen, sich die Unterstützung fast aller Parteien der Mitte und der bürgerlichen Rechten (Renaissance, Horizons, Les Républicains, UDI, und dem MoDem) zu sichern und so verfügt er über gute Chancen, zum Bürgermeister der Stadt gewählt zu werden.
Zwei weitere Listen können auf den Einzug in die Stichwahl hoffen: die von Anaïs Belouassa-Cherifi (*1995) angeführte Liste des LFI sowie die Liste des Rassemblement National (RN) und der Partei Union des Droites pour la République (UDR) mit ihrem Spitzenkandidaten Alexandre Dupalais (*1992). Beide könnten jeweils die nötigen 10 % erreichen.
Herausforderungen der Wahl
Der Wahlsieg von Les Écologistes in Lyon war 2020 kein Einzelfall. In diesem Jahr erlebte die Partei eine sogenannte „grüne Welle“ und konnte nach den Kommunalwahlen in mehreren Großstädten wie Bordeaux, Lyon oder Strasbourg sowie auch in Tours, Poitiers und Besançon den Bürgermeister stellen. Ihre Amtsführung wurde wegen ihres teilweise auch als ideologisch wahrgenommenen Kurses mitunter heftig kritisiert, so dass es fraglich erscheint, ob sie ihre Mandate verteidigen werden können. Auch in Lyon erscheint dies schwierig, da die gemäßigt konservative Liste von Jean-Michel Aulas in Umfragen deutlich vorne liegt, und so selbst ein Bündnis zwischen der gemäßigten linken Liste und der von LFI vor dem zweiten Wahlgang nicht mehrheitsfähig sein könnte. Und so könnte die Ära grün geführter Rathäuser, die 2020 begonnen zu haben schien, bereits nach sechs Jahren wieder teilweise zu Ende gehen.
Wie auch in anderen grün regierten Städten (und nicht zuletzt in Paris) findet der vorangetriebene ökologische Stadtumbau zwar durchaus Unterstützung, stößt teilweise aber auch auf große Ablehnung. Im Mittelpunkt steht dabei häufig die Frage, welchen Platz das Auto in der Innenstadt (noch) einnehmen darf. Dabei geht es um Verkehrsführung und -beruhigung, Parkplatzangebote, usw. Besonders umstritten war diesbezüglich die in Lyon auf Grundlage nationaler Gesetzgebung eingeführte Niedrigemissionszone (zone à faible émissions, ZFE), mit der ältere Fahrzeuge faktisch aus dem Zentrum ausgesperrt wurden, um die Luftqualität zu verbessern. Diese steht allerdings vor dem Aus, weil ein Gesetzentwurf der Assemblée nationale die Abschaffung der ZFE vorsieht, was einen herben Rückschlag für das Ziel Lyons, möglichst schnell klimaneutral zu werden, bedeuten würde.
Jean-Michel Aulas stellt die Themen Sicherheit und Sauberkeit in den Mittelpunkt seiner Kampagne und fordert u.a. eine stärkere Videoüberwachung. Dieses Thema steht im Übrigen auch in Umfragen zur Kommunalwahl bei den Bürgerinnen und Bürgern ganz oben.
Überschattet wird der Wahlkampf vom Tod des rechtsextremen Aktivisten Quentin Deranque, der am 14. Februar 2026 bei einer gewaltsamen Auseinandersetzung zwischen rechtsextremen und antifaschistischen Aktivisten in Lyon ums Leben kam. Der Tod des 23jährigen führte zu heftigen politischen Kontroversen, insbesondere nachdem bekannt geworden war, dass ein parlamentarischer Mitarbeiter des LFI-Abgeordneten Raphaël Arnault an dem Vorfall beteiligt gewesen sein soll. Dies hat zu verstärkter Kritik an La France Insoumise geführt, in deren Mittelpunkt insbesondere ihr Gründer Jean‑Luc Mélenchon steht. Ihm wird vorgeworfen, mit seinem stark zuspitzenden und polarisierenden Kurs zu einer Verschärfung des politischen Diskurses beigetragen zu haben.
Zahlreiche, v.a. konservative Politiker fordern nun, das andere Parteien mit LFI wegen seiner extremistischen Tendenzen keine Bündnisse mehr eingehen sollen. Die noch nicht vollständig aufgeklärte Tragödie um Quentin Deranque verdeutlicht auch eine Verschiebung in der öffentlichen Wahrnehmung zwischen LFI und dem RN: Der von Jordan Bardella geführte RN erscheint inzwischen einem Teil der Öffentlichkeit im Vergleich zu LFI als relativ gemäßigt. LFI hingegen wird wegen seines konfrontativen Stils als zunehmend radikal wahrgenommen und vom Innenministerium kürzlich sogar als linksextrem eingestuft. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob andere linke Parteien künftig Bündnisse mit LFI eingehen können, ohne dabei Gefahr zu laufen, gemäßigte Wähler zu verlieren.
Die Kommunalwahlen in Marseille (Stand 27.02.2026)
Ausgangssituation
Die eigentlich traditionell linke Stadt Marseille regierte von 1995 bis 2020 der konservative Politiker Jean-Claude Gaudin. 2017 gab er bekannt, bei der Kommunalwahl 2020 im Alter von 81 Jahren nicht erneut kandidieren zu wollen. Seine designierte Nachfolgerin und Kandidatin der konservativen Partei Les Républicains, Martine Vassal, die seit 2001 Mitglied des Stadtrats von Marseille und seit 2018 Präsidentin der Métropole Aix-Marseille-Provence mit 92 Kommunen ist, konnte sich 2020 im zweiten Wahlgang jedoch nicht durchsetzen. Ihre Liste erhielt nur 30,75 % der Stimmen. Stattdessen gewann das von der Grünen Michèle Rubirola geführte Linksbündnis Printemps Marseillais die Wahl mit 38,28 % der Stimmen, die des Rassemblement National (RN) bekam 20,3 %.
Aufgrund des damals noch geltenden Wahlsystems in Marseille spiegelte der Stadtrat die Wahlergebnisse jedoch nur unzureichend wider. Das Linksbündnis erhielt 42 Sitze, die Liste von Martine Vassal 39 und die des RN 9. Die übrigen Sitze gingen an die Listen des konservativen Politikers Bruno Gilles (3) und der linken Politikerin Samia Ghali (8). Die von Renaissance, der Partei von Emmanuel Macron, erhielt lediglich einen Sitz im Rat des 2. Bezirks.
Am 4. Juli 2020 wurde Michèle Rubirola zur Bürgermeisterin von Marseille gewählt, trat aber bereits Mitte Dezember 2020 aus gesundheitlichen Gründen wieder von Ihrem Amt zurück. Ihr erster Stellvertreter Benoît Payan wurde am 21. Dezember 2020 vom Stadtrat zu ihrem Nachfolger gewählt.
Das Bewerberfeld
Aktuellen Umfragen zufolge können vier Listen auf den Einzug in den zweiten Wahlgang hoffen.
Der amtierende sozialistische Bürgermeister Benoît Payan (*1978) führt die gemeinsame Liste Printemps Marseillais der Parti Socialiste, der Parti communiste français und der Ecologistes an. Diese wird im ersten Wahlgang voraussichtlich etwas mehr als 30 % der Stimmen erhalten.
Sein größter Herausforderer ist der Kandidat des RN, Franck Allisio (*1980), dessen Liste derzeit auf 29 % der Wahlabsichten kommt. Ursprünglich Mitglied der Union pour un mouvement populaire (UMP), der Vorgängerpartei von Les Républicains, wechselte Allisio 2015 zum Front National. Seit 2022 ist er Abgeordneter des RN für den 12. Wahlkreis des Départements Bouches-du-Rhône.
Wie in vielen anderen französischen Städten hat La France Insoumise (LFI) auch in Marseille eine eigene Liste aufgestellt, die der seit 2022 amtierende Abgeordnete Sébastien Delogu (*1987) anführt. Delogu strebt einen Bruch mit der Politik der amtierenden Stadtregierung an. Mit etwa 12 % der Stimmen dürfte auch der Wahlvorschlag von LFI den Einzug in die Stichwahl schaffen.
Herausforderungen der Wahl
In Marseille zeichnet sich also ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem Linksbündnis und dem RN ab. Die Liste von Benoît Payan liegt zwar derzeit vorn, doch der Rücktritt von Michèle Rubirola und seine anschließende Wahl zum Bürgermeister wurden damals heftig kritisiert, was seiner Liste schaden könnte. Darüber hinaus konnte der RN bei den Parlamentswahlen 2024 seine Position in Marseille stärken und verfügt nun über drei der sieben Abgeordnetensitze der Stadt. Zusätzlich sorgt das neue Wahlrecht für weitere Unsicherheit.
Eine zentrale Frage betrifft die Rolle von LFI: Die Partei beabsichtigt, die Kandidaturen ihrer Listen landesweit in jedem Fall auch im zweiten Wahlgang aufrechtzuerhalten, um so möglichst viele Vertreter in die Stadt- und Gemeinderäte entsenden zu können. Mit Hilfe der Stimmen dieser Mandatsträger erhofft sich die Partei, die Zahl ihrer Sitze im Senat, dessen Mitglieder zur Hälfte im September 2026 neu gewählt werden, zu erhöhen. In Städten wie Marseille, in denen der RN realistische Aussichten auf eine Mehrheit hat, könnte diese Strategie den Rechtspopulisten allerdings zum Sieg verhelfen. Auch sie spekulieren im Übrigen auf mehr Sitze im Senat in der Hoffnung, dort ab September eine Fraktion bilden zu können. Hierfür sind 10 Sitze erforderlich (momentan verfügt der RN über 3 Mandate).
Der Liste der gemäßigten Rechts- und Zentrumsparteien von Martine Vassal werden in aktuellen Umfragen kaum noch Chancen auf einen Erfolg eingeräumt. Der RN ist rechts der Mitte die dominante Kraft, während das Linksbündnis das linke Lager weitgehend vereint. Der Spielraum für Mitte-rechts ist daher begrenzt. Sollte der RN im ersten Wahlgang ein besonders starkes Ergebnis erzielen, stellt sich die Frage, ob Martine Vassal auf eine Kandidatur im zweiten Wahlgang verzichten wird, um die Wahl eines RN-Bürgermeisters zu verhindern, oder ob sie ihre Kandidatur aufrechterhalten und so das Risiko eines Sieges von Franck Allisio in Kauf nehmen wird.
Auch in Marseille wird der Wahlkampf vor allem vom Thema Sicherheit dominiert, und zwar insbesondere mit Blick auf den Drogenhandel und die damit verbundene Gewalt. Tötungen auf offener Straße haben in den letzten Jahren immer wieder Schlagzeilen gemacht. Benoit Payan hat sich die Unterstützung von Amine Kessaci gesichert, einem jungen Aktivisten, der sich gegen Drogenhandel engagiert und nun Payans Wahlliste angehört. Zwei seiner Brüder wurden in den letzten Jahren in Marseille ermordet.
Ein weiteres Thema ist der schlechte Zustand der Schulen. Zwar hat die Stadt vor fünf Jahren mit staatlicher Unterstützung ein Investitionsprogramm über 1,5 Milliarden Euro aufgelegt, aber es wird kritisiert, das Geld werde nicht effizient eingesetzt.
Schließlich wird auch diskutiert, was die linksgrüne Mehrheit in Sachen Klimaschutz erreicht hat. Der Ausbau der Trambahn geht nur schleppend voran, ebenso wie die versprochene Begrünung (Pflanzung von 100.000 Bäumen). Hinzu kommt die Luftverschmutzung durch Kreuzfahrtschiffe, die im Hafen von Marseille bei laufenden Motoren ankern. Der Stadt fehlt hier allerdings die Zuständigkeit, weil der große Seehafen hauptsächlich vom Staat verwaltet wird.
Spannende Konstellationen in weiteren Städten
Die Kommunalwahlen in Nizza (Stand 04.03.2026)
Ausgangssituation
Christian Estrosi ist seit 2008 Bürgermeister der traditionell konservativen Küstenstadt Nizza. Der ehemalige Motorradrennfahrer gehörte zunächst der Partei Les Républicains (LR) an, bevor er 2021 der gemäßigt konservativen Partei Horizons des ehemaligen Premierministers Édouard Philippe beitrat, deren Vizepräsident er seit 2022 ist.
Bei der Kommunalwahl 2020 wurde Estrosi von mehreren rechten und Zentrumsparteien unterstützt, darunter Les Républicains und MoDem. Seine Liste verfehlte im ersten Wahlgang zwar mit 47,62 % knapp die absolute Mehrheit, konnte ihr Ergebnis von 2014 aber um drei Prozentpunkte steigern. Im zweiten Wahlgang setzte sich die Liste von Estrosi gegen die des Rassemblement National (RN) unter der Führung von Philippe Vardon sowie gegen die der Grünen von Jean-Marc Governatori durch. Mit 59,3 % der Stimmen erhielt sie 56 Sitze im Gemeinderat, die verbleibenden 13 Sitze gingen an die beiden anderen Listen.
Bewerberfeld
Derzeit deutet vieles auf einen Zweikampf zwischen dem amtierenden Bürgermeister Christian Estrosi und dem Vorsitzenden der Partei Union des Droites pour la République, Eric Ciotti, hin.
Christian Estrosi (*1955) ist eine zentrale Figur der lokalen Politik in Nizza. Neben seinem Amt als Bürgermeister nimmt er seit 2012 das des Präsidenten des Gemeindeverbands Métropole Nice Côte d’Azur und seit 2017 das des ersten Vizepräsidenten des Regionalrats der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur ein. Laut aktuellen Umfragen liegt seine Liste bei etwa 31 % und damit deutlich hinter der seines profiliertesten Herausforderers Eric Ciotti.
Eric Ciotti (*1965), derzeit Abgeordneter der Nationalversammlung, führt eine Liste an, die unter anderem vom RN sowie der rechtskonservativen ökologischen Partei Écologie au Centre von Jean-Marc Governatori unterstützt wird. Ciotti war von 2022 bis 2024 Vorsitzender von LR. Kurz vor den Parlamentswahlen 2024 wurde er aus der Partei ausgeschlossen, weil er ohne Rücksprache mit den Parteigremien ein Bündnis mit dem RN eingegangen war. Im August gründete er mit weiteren ehemaligen LR-Abgeordneten, die wie er für Bündnisse mit dem RN eintreten, die Partei Union des droites pour la République (UDR). Mit über 40 % der Wahlabsichten für seine Liste im ersten Wahlgang hat Ciotti gute Chancen, zum Bürgermeister gewählt zu werden.
Herausforderungen der Wahl
Die Wahl in Nizza wird auf nationaler Ebene mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt, vor allem wegen des direkten Duells zwischen dem amtierenden Bürgermeister Christian Estrosi und seinem ehemaligen Mitarbeiter Eric Ciotti, der zunächst parlamentarischer Assistent und später Kabinettschef von Estrosi war - während dessen Zeit als Präsident des Départementrats von Alpes-Maritimes (2008 beerbte Ciotti dann seinen ehemaligen Chef an der Spitze des Rates). Der politische Bruch erfolgte im Zuge der Annäherung Estrosis an Präsident Emmanuel Macron.
Ihr Wahlkampf ist von großer persönlicher Härte geprägt: Das Team von Estrosi veröffentlichte eine äußerst kritische Bewertung von Ciottis Finanzführung als Präsident des Départementrats und sprach dabei von einer „schwarzen Bilanz“. Umgekehrt sah sich Estrosi gezwungen, Gerüchte über eine angebliche Parkinson-Erkrankung öffentlich zu dementieren. In einer Pressekonferenz denunzierte er Spionagemethoden („méthodes de barbouzes“).
Zu bestimmenden Themen gehören auch in Nizza Sicherheit, bezahlbarer Wohnraum und innerstädtische Mobilität (darunter die bessere Anbindung der auf den Anhöhen gelegenen Stadtviertel, für die Estrosi die Konstruktion eine Seilbahn vorschlägt). Sollte Eric Ciotti die Wahl gewinnen, würde das Bündnis zwischen seiner Partei UDR und dem RN die mit mehr als 350.000 Einwohnern fünftgrößte Stadt Frankreichs regieren. Bislang war Perpignan mit rund 120.000 Einwohnern die größte von einem RN-Bürgermeister regierte Stadt. Ein solcher Wahlsieg könnte dem RN zudem bei den Senatswahlen 2026 zugutekommen, da u.a. die kommunalen Mandatsträger die Mitglieder des Senats bestimmen.
Fraglich ist, ob die Linken im zweiten Wahlgang auf eine Kandidatur zugunsten von Christian Estrosi verzichten werden, um einen Wahlsieg Eric Ciottis zu verhindern. Beide Spitzenkandidatinnen haben allerdings während des Wahlkampfs erklärt, im Stadtrat eine linke Opposition vertreten zu wollen. Ob sie vor dem zweiten Wahlgang ein Bündnis miteinander schließen werden, ist unklar.
Die Kommunalwahlen in Strasbourg (Stand 05.03.2026)
Ausgangssituation
Der Wahlsieg von Jeanne Barseghian mit 41,71% der abgegebenen Stimmen in der zweiten Runde der Kommunalwahlen von 2020 brachte erstmals eine Vertreterin einer linksökologischen Liste an die Spitze der Europastadt Strasbourg. Ihr Sieg war überraschend, gewann sie doch gegen Alain Fontanel, der für das vereinigte Mitte-Rechts-Bündnis von LRM-AGIR-MODEM und LR (34,96%) antrat und auch gegen die sozialistische Liste, die Catherine Trautmann anführte (23,33%). Bis zuletzt gab es damals vor dem zweiten Wahlgang Verhandlungen über die Zusammenlegung der beiden linksorientieren Listen, die aber letztendlich nicht zustande kam. Stattdessen gelang der Liste Barseghians der Sieg gegen beide Herausforderer, ohne dafür auf die Zustimmung der sozialistischen Partei oder ein Zusammengehen mit der Liste Catherine Trautmanns angewiesen zu sein.
Die Stimmverteilung im Straßburger Stadtrat ist bis dato die folgende: 47 Sitze für die Mehrheit (Strasbourg écologiste et citoyenne), sechs Sitze für die Allianz der gemäßigten Rechten (als „Union de la Droite et du Centre“), die lange Zeit gemeinsam mit den fünf Sitzen für die Zentrumsliste aus Centristes & Progressistes (Renaissance, MoDem, Agir) auftraten, sieben Sitze für die Liste „Faire ensemble Strasbourg“ (sozialdemokratische Liste, u.a. PS). Vor den anstehenden Wahlen waren dabei Absetzungsbewegungen zu beobachten, so auf der äußersten Linken (vier Stadträte haben die Mehrheitsliste verlassen) und zwischen Zentrum und gemäßigten Rechten.
Barseghian, die seit 2014 über politische Erfahrung im Stadtrat von Strasbourg gesammelt hatte, kündigte einen horizontalen und partizipativen Politikstil an und stellte die Klimaanpassung und Veränderungen hin zu einer nachhaltigen Stadtentwicklung in den Vordergrund.
Bewerberfeld
Inhaltlich bestimmen die Themen Wohnen, Parken, Öffentlicher Personennahverkehr, städtische Finanzen sowie Sicherheit und Sauberkeit den Wahlkampf.
An dritter Stelle folgt in Umfragen die Liste, die von Jean-Philippe Vetter (*1981) angeführt wird. Sie vereint Mitglieder der Républicains ebenso wie solche der UDI und weitere Mitte-Rechts-Parteien. Die Bemühungen um eine gemeinsame Liste mit den Vertretern von Renaissance führten nicht zum Erfolg. Deren Kandidat Pierre Jakubowicz (*1988) liegt mit 5,5% auf einem aussichtslosen Platz für die zweite Runde, aber eine evtl. Wahlempfehlung für die Liste Vetter könnte bedeutsam werden.
Herausforderungen der Wahl
Wie in den anderen großen französischen Städten, die 2020 einen grünen Bürgermeister gewählt haben, ist auch in Strasbourg die Bilanz von Jeanne Barseghian umstritten und ihre Wiederwahl keineswegs gesichert. Die Arbeit im Stadtrat war in den letzten Jahren von einer zunehmenden Polarisierung geprägt. Diese ging auf Kosten der in Strasbourg lange geübten parteiübergreifenden Zusammenarbeit in Kommunalfragen. Neben den Einschränkungen durch die zahlreichen Baustellen und den stark eingeschränkten und verteuerten Parkmöglichkeiten in der Innenstadt, kritisiert die Opposition auch, dass die Bürgermeisterin ihr Wahlversprechen eines partizipativeren Politikstils nicht eingehalten und die Verschuldung der Stadt (vor allem aufgrund der zur Hälfte kreditfinanzierten Investitionen in den ökologischen Umbau) in den vergangenen sechs Jahren verdoppelt habe (von rund 200 auf 400 Millionen Euro). Insbesondere der geplante weitere Ausbau der Straßenbahn, der mittlerweile vom Verwaltungsgericht gestoppt wurde, steht für diese nicht umgesetzten Projekte.
Entscheidend für den Wahlausgang wird die Mobilisierung der Wahlbevölkerung, die Anzahl der Listen, die im zweiten Wahlgang antreten können, und die Wahlempfehlungen der ausgeschiedenen Parteien und Listen sein.
Auch wenn die Liste von Catherine Trautmann, die als Person weiterhin beliebt ist, in den Umfragen für den ersten Wahlgang vorne liegt, könnte die Wahlarithmetik im zweiten Wahlgang entscheidend werden: Welche Listen fusionieren, und welche Parteien rufen zur Unterstützung welcher Kandidatinnen auf? Je nach Ausgang des ersten Wahlgangs, könnte sich das linke Lager gegenseitig neutralisieren und die Mitte-Rechts-Liste von Jean-Philippe Vetter das Rennen für sich entscheiden.
Für die Amtsinhaberin von den Grünen könnte im zweiten Wahlgang die Unterstützung des LFI-Kandidaten Kobryn den entscheidenden Unterschied machen, je nachdem, ob LFI in der zweiten Runde selbst antreten kann, sich zugunsten Barseghians zurückzieht, die beiden Listen fusionieren – oder aber Kobryn keine klare Wahlempfehlung abgibt und seine Wählerschaft nicht zur Unterstützung Barseghians aufruft.
Am Ende könnten auch die Stimmen der rechtsextremen Virginie Joron ausschlaggebend sein. In den Umfragen für den ersten Wahlgang liegt sie bei 11% und hat folglich keine Aussicht darauf, die Wahl zu gewinnen, aber das Stimmenpotential ist ausreichend hoch, um im zweiten Wahlgang Gewicht zu haben und Einfluss auf die Zusammensetzung der Listen und die Mobilisierung der Wählerschaft zu nehmen.
Der Ausgang der Wahl bleibt deshalb bis nach dem zweiten Wahlgang spannend. Das Ergebnis wird auch bedeutsam sein für die Fortsetzung vieler Projekte der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit, etwa beim Vorzeigeprojekt des grenzüberschreitenden Fernwärmenetzes oder bei der Entwicklung eines integrierten grenzüberschreitenden Nahverkehrstarifverbundes.
Die Kommunalwahlen Le Havre (Stand 06.03.2026)
Ausgangssituation
Seit dem Wahlsieg des konservativen Politikers Antoine Rufenacht im Jahr 1995 wird die stark industriell geprägte Hafenstadt Le Havre (166.500 Einwohner) von der bürgerlichen Rechten regiert. Nach dem Rücktritt von Rufenacht im Jahr 2010 wurde Édouard Philippe vom Gemeinderat zu seinem Nachfolger als Bürgermeister gewählt.
Bei der Kommunalwahl 2014 erhielt seine Liste auf Anhieb 52 % der Stimmen und so wurde Philippe bereits im ersten Wahlgang wiedergewählt. Von 2017 bis 2020 war Philippe Premierminister unter Präsident Emmanuel Macron, Anfang Juli 2020 legte er dieses Amt allerdings nieder, nachdem er wenige Tage zuvor erneut zum Bürgermeister von Le Havre gewählt worden war (seit Mitte Juli ist er zudem Präsident des städtischen Kommunalverbands Le Havre Seine Métropole mit 267.000 Einwohnern). Bei dieser Wahl musste er in die Stichwahl gehen. Sein wichtigster Herausforderer war der kommunistische Abgeordnete Jean-Paul Lecoq. Mit 58 % der Stimmen gewann die Liste von Philippe letztlich 47 der Sitze im Gemeinderat, während die übrigen 12 Sitze an die Liste von Lecoq gingen.
Bewerberfeld
In der größten Stadt der Normandie können drei Listen auf den Einzug in den zweiten Wahlgang hoffen.
Jean-Paul Lecoq (*1958), seit 2017 Abgeordneter des 8. Wahlkreises des Départements Seine-Maritime, führt eine gemeinsame Liste von PCF, PS, Ecologistes und Place publique an. Diese Liste könnte im ersten Wahlgang etwa 35 % erzielen und wäre damit erneut der wichtigste Herausforderer des amtierenden Bürgermeisters.
Eine dritte Liste mit realistischen Chancen auf die Stichwahl wird vom rechtsextremen Politiker Franck Keller angeführt. Der derzeitige Stadtrat von Neuilly-sur-Seine war früher Mitglied von Les Républicains, bevor er sich 2022 im Zuge der Präsidentschaftswahl der rechtsextremen Partei Reconquête! anschloss. In Le Havre kandidiert er für eine Liste der Partei Union des Droites Républicaines (UDR), die auch vom Rassemblement National unterstützt wird. Seine Liste kommt derzeit auf etwa 18 % der Wahlabsichten. Die Kandidatin von LFI hat laut Umfragen keine realistische Chance, die erforderlichen 10 % der abgegebenen Stimmen zu erreichen.
Herausforderungen der Wahl
Die Wahl hat für Édouard Philippe eine besondere Bedeutung, da er bereits angekündigt hat, ihr Ergebnis als entscheidend für eine mögliche Präsidentschaftskandidatur im Jahr 2027 zu betrachten. Sollte er die Wahl verlieren, wird er laut eigener Aussage auf eine Kandidatur verzichten. Im Dezember 2025 hat er in einem Interview verkündet: „Wenn ich es nicht schaffe, die Einwohner von Le Havre zu überzeugen, obwohl ich seit 2010 Bürgermeister bin, bin ich nicht in der Lage, die Franzosen zu überzeugen.“
Wahlkampfthemen sind neben der Sicherheit in dem industriell geprägten Ballungsraum Kaufkraft, Lebensqualität, Gesundheitsversorgung (hier insbesondere der Fachkräftemangel) und Klimaschutz (bezüglich des letzten Themas kann Amtsinhaber Philippe übrigens durchaus auf Erfolge verweisen, u.a. auf den Ausbau der Straßenbahn, die Erweiterung des Fernwärmenetzes und die energetische Sanierung öffentlicher Gebäude).
Lange Zeit galt seine Wiederwahl als nahezu sicher. Jüngste Umfragen zeigen jedoch, dass dies nicht mehr der Fall ist: Zwar dürfte er im ersten Wahlgang die meisten Stimmen erhalten, eine absolute Mehrheit ist aber unwahrscheinlich. Stattdessen zeichnet sich ein Dreikampf („triangulaire“) im zweiten Wahlgang ab.
Dabei könnte die von Jean-Paul Lecoq angeführte Liste der Linken von den Stimmen der Wähler profitieren, die im ersten Wahlgang für den Wahlvorschlag von La France Insoumise gestimmt haben, und rund 42 % erreichen. Die Liste von Édouard Philippe käme laut jüngsten Umfragen nur auf etwa 40 %, während die des Kandidaten der UDR bei rund 18 % bliebe. Eine Wahlniederlage Philippes wäre für den ehemaligen Innenminister Bruno Retailleau (Vorsitzender LR), Justizminister Gérald Darmanin oder Ex-Premier Gabriel Attal (Vorsitzender Renaissance, Fraktionsvorsitzender des Parteibündnisses Ensemble pour la République) von Vorteil, die ebenfalls bei der Präsidentschaftswahl 2027 kandidieren möchten.







































