Deutsch französisches Institut:
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Nachlass der Gesellschaft der Freunde französischer Kultur e.V. Stuttgart in der Frankreich-Bibliothek

Die Gesellschaft der Freunde französischer Kultur e.V. Stuttgart (GFfK) wurde am 28. August 1947 von Stuttgarter Bürgern gegründet. Sie wollten "nach den Jahren der Abgeschlossenheit infolge des Krieges mit dem kulturellen Leben Frankreichs vertraut machen" und "insbesondere die Jugend darauf aufmerksam machen, daß deutscher und französischer Geist sich von jeher gegenseitig bereichert haben" wie es in einem Faltblatt anläßlich des zehnjährigen Bestehens der GFfK heißt. Der damalige französischen Generalkonsul in Tübingen, Baron d'Huart, begleitete diese Initiative mit großem Wohlwollen, wollte der GFfK bei der Ausgestaltung ihrer Aktivitäten aber nicht völlig freie Hand lassen: In einer Ansprache am 30. Juni 1947 verlangte er, dass sie in ihren Statuten festlegen solle, sich nicht mit Fragen der „minderen Wissenschaften“ Wirtschaft und Politik zu beschäftigen. Dass ihre „kultivierten und geistreichen Mitglieder“ am Abend ihrer arbeitsreichen Tage danach auch kein Verlangen verspüren würden, war er sich sicher.

Die GFfK knüpfte an die Tradition der deutsch-französischen Gesellschaft Stuttgart an, die 1933 aufgelöst worden war, „weil sie sich nicht gleichschalten lassen wollte“. Einige ihrer früheren Mitglieder traten 1947 der GFfK bei. Eine Auflistung vom 22. September 1949 verzeichnet sie als älteste der damals neun Organisationen in „der Bizone, die sich mit dem deutsch-französischen Problem beschäftigen“. Die Initiative zur Gründung der GFfK ging von Else Herta Krafft aus, die ehrenamtlich von 1947 - 1952 als Generalsekretärin und stellvertretende Vorsitzende und von 1952 bis zu ihrer Auflösung 1994 als Vorsitzende mit großem Engagement ihre Richtung bestimmte und ihre Aktivitäten organisierte.

In einem Lebenslauf, den Krafft 1962 auf Französisch verfasst hat, erklärte sie ihre Verbundenheit zu Frankreich mit ihrer Liebe zur französischen Kultur und Sprache, die sie seit den 1920er-Jahren entwickelt habe. 1930 zog sie mit ihrem Mann, der dort eine Stelle als Vertreter deutscher Fabriken antrat, nach Paris, legte ein Diplom als Lehrerin für Französisch als Fremdsprache ab und studierte danach an der Sorbonne Geschichte. Ihr Plan, dort über das Edikt von Nantes zu promovieren, wurde von der Machtübernahme der Nationalsozialisten vereitelt: Im Juni 1934 musste das Ehepaar Krafft nach Deutschland zurückkehren und ließ sich 1935 in Stuttgart nieder.

Zeigen, „daß deutscher und französischer Geist sich von jeher gegenseitig bereichert haben“

Else Krafft, ehemalige vorsitzende der GFfK 

Der erste öffentliche Vortrag der GFfK fand am 30. November 1947 statt: Herr Callot, Direktor des Zentrums für Französischstudien in Tübingen, referierte auf Französisch über „les traits dominants de la littérature française“. Von diesem Zeitpunkt an trug die GFfK kontinuierlich mit zahlreichen Vorträgen und Ausstellungen zu Themen mit Frankreichbezug, der Vorführung französischer Filme oder Theateraufführungen und Konzerten französischer Künstler zum kulturellen Leben in Stuttgart bei. Ab 1950 organisierte sie auch Studienreisen deutscher und französischer Gruppen ins Nachbarland und vermittelte Jugendliche für längere Aufenthalte nach Deutschland oder Frankreich. Im Sommer 1955 konnte die GFfK bereits auf 129 eigene Veranstaltungen zurückblicken und 777 Deutsche und Franzosen zählen, die dank ihr das Nachbarland besucht hatten.

Darüber hinaus war die GFfK auch immer wieder in Frankreich tätig. So kümmerte sie sich z.B. ab dem Frühsommer 1960 um die Präsenz Baden-Württembergs auf einer Messe, die im Frühjahr 1961 in der Stadt Niort im Département Deux-Sèvres stattfand. Dafür rekrutierte sie Kunsthandwerker und Trachtengruppen aus Baden-Württemberg sowie eine Stuttgarter Brauerei, die in Niort die Gäste in einem „echt schwäbischen Bierzelt“ wie auf dem Cannstatter Wasen bewirtete.

Am 13. Mai 1974 übergab der Stuttgarter Oberbürgermeister Arnulf Klett Else Krafft das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, das ihr der Bundespräsident in Würdigung ihrer Verdienste um die deutsch-französische Freundschaft verliehen hatte.

Ab Mitte der 1970er-Jahre konzentrierte sich die GFfK darauf, Veranstaltungen mit Partnern wie dem Institut français Stuttgart, dem Institut für Auslandsbeziehungen (ifa) oder der Stadtbücherei Stuttgart zu organisieren, z.B. den Vortrag „Eliteerziehung und Chancengleichheit – Frankreichs Elite-Hochschulen, ein Modell für die Bundesrepublik?“ mit dem damaligen Direktor des dfi, Dr. Robert Picht, am 13. März 1985 im Wilhelmspalais in Stuttgart.

1994, im Alter von 95 Jahren, beschloss Else Krafft aus Gesundheits- und Altersgründen vom Vorsitz der Gesellschaft zurückzutreten. Da es sehr schwierig erschien, für sie eine geeignete Nachfolgerin oder einen geeigneten Nachfolger zu finden, beschloss die Gesellschaft bei einer letzten Mitgliederversammlung am 14. März 1994 sich aufzulösen und begründete dies in der Einladung auch damit, dass „ihre satzungsgemäßen Aufgaben nach jahrzehntelangem erfolgreichen Wirken als erfüllt angesehen werden dürfen".

Die Unterlagen, die Else Krafft zur Arbeit der GFfK aufbewahrt hat, wurden vom ifa, in deren Räumlichkeiten die GFfK seit Ende der 1940er-Jahre ein Büro nutzen konnte, an die Frankreich-Bibliothek übergeben. Im September und Oktober 2020 hat sie Loïc Letilly, Student der Politikwissenschaft an den Universitäten Lille und Münster, durchgesehen. Dabei entstand der auf der dfi-Website verfügbare Text „Nachlass der Gesellschaft der Freunde französischer Kultur e.V. Stuttgart in der Frankreich-Bibliothek des Deutsch-Französischen Instituts“, der einen Überblick über die in Ludwigsburg vorhandenen Akten zur Arbeit der GFfK, die tausende Briefe, Programme, Tätigkeitsberichte, Rechnungen belegen, bietet.

Zugänglich sind hier außerdem

Wie ist es Else Krafft, die ihre langjährige Freundin Barbara Steinbrunn als eine „Powerfrau“ und eine „grande dame“ bezeichnet, gelungen, die GFfK mit sehr geringen Mitteln zu einem wichtigen Akteur im kulturellen Leben Stuttgarts aufzubauen? Was waren die Gründe dafür, dass die Gesellschaft sich, anders als das dfi, keine professionellen Strukturen geben konnte und sich letztlich wegen Überalterung ihrer Mitglieder auflösen musste? Wir würden uns freuen, wenn junge Wissenschaftler in Abschlussarbeiten diesen Fragen im Rahmen eines längeren geförderten Forschungsaufenthalts in der Frankreich-Bibliothek nachgehen könnten.

Alle Unterlagen zur GFfK können in der Frankreich-Bibliothek eingesehen werden.

Für Fragen dazu stehen Ihnen ihre Mitarbeiter gerne zur Verfügung: frankreich-bibliothek@remove-this.dfi.de - 07141 - 930334.

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