Die zweisprachige virtuelle Ausstellung, die die Frankreich-Bibliothek auf der Plattform DDBstudio der Deutschen Digitalen Bibliothek (DDB)aufgebaut hat, ermöglicht, die Entwicklung der Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich von 1871 - 2025 anhand von 125 Karikaturen nachzuvollziehen.
Wir danken der DDB für die gute Zusammenarbeit und dem Bundesamt für Auswärtige Angelegenheiten (BfAA) für die finanzielle Unterstützung von Digitalisierungsmaßnahmen anlässlich des 75jährigen Bestehens des dfi, ohne die diese Ausstellung nicht möglich gewesen wäre.
Die Karikaturenausstellung
Die Geschichte der beiden Nachbarländer Deutschland und Frankreich ist seit Jahrhunderten eng miteinander verwoben, ihre Beziehungen zueinander waren insbesondere ab Mitte des 19. Jahrhunderts von wechselvollen Entwicklungen geprägt und haben sich dadurch gewandelt: Sprach man nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 noch von einer „Erbfeindschaft“ zwischen beiden Völkern, ist seit den 1970er-Jahren in den Medien häufig von einem „deutsch-französischen Motor“, der mal besser und mal schlechter läuft, die Rede.
Die Ausstellung „Die Geschichte der deutsch-französischen Beziehungen in Karikaturen ab 1871“ zeichnet den Weg von einem feindlich gesinnten, misstrauischen Nebeneinander hin zu einem freundlich gestimmten, offenen Miteinander nach. Ihre Basis ist eine Sammlung von mehr als 3.500 Karikaturen zu deutsch-französischen Befindlichkeiten, die das Deutsch-Französische Institut seit Mitte der 1970er-Jahre aufgebaut hat.
Die über 100 Karikaturen, die wir als Exponate ausgewählt haben, stammen von mehr als 50 Zeichnern, die das Verhältnis beider Länder mit spitzer Feder und pointierten Kommentaren begleitet und kommentiert haben. Ihr Ziel ist es, Höhepunkte und besondere Momente, langfristige Entwicklungen und Stimmungen im Spiegel der Satire darzustellen.
Inhalt der Ausstellung und Beispielbilder
Die Ausstellung ist in 6 Teilen gegliedert, die jeweils ein besonderes Kapitel der deutsch-französischen Beziehungen vorstellen. Im Folgenden können Sie einige Bilder aus der Ausstellung entdecken.
1871 - 1945 Die drei Kriege
Deutschland und Frankreich haben zwischen 1870 - 1945 drei Kriege gegeneinander geführt. Sowohl der Friede von Frankfurt als auch der Friedensvertrag von Versailles waren mit hohen Auflagen für den jeweiligen Verlierer des Konflikts verbunden, was negative Auswirkungen auf die Beziehungen zueinander und die Sichtweise aufeinander hatte. Dennoch wurden auch in diesen von Spannungen geprägten Jahrzehnten Stimmen laut, die eine Normalisierung der Beziehungen und eine engere Zusammenarbeit beider Länder forderten.
Zum Bild: Der französische Karikaturist Adolphe Willette stellt Demütigungen dar, die seiner Ansicht nach das pazifistische Frankreich in den vergangenen Jahrzehnten durch seinen militaristischen Nachbarn erdulden musste: Mit „Panther“, „Agadir“ und „Congo“ wird auf koloniale Konflikte seit der Berliner Konferenz 1885 hingewiesen, „Nancy“ (unter deutscher Herrschaft Hauptstadt des Ostens), „Saverne 1911“ und Schnäbele-Affäre 1887 sind Beispiele für Anlässe, die zu den wachsenden Spannungen zwischen beiden Ländern beitrugen.
Zum Kapitel 1 der Ausstellung “1871 - 1945: Die drei Kriege”
1945 - 1963 Die Versöhnung im Zeichen des europäischen Einigungsprozesses
Nach der bedingungslosen deutschen Kapitulation am 8. Mai 1945 wurden die Teile des ehemaligen deutschen Reichs, die nicht einem der Nachbarländer zufielen, in eine sowjetische, eine französische, eine britische und eine US-amerikanische Besatzungszonen aufgeteilt. Mit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland im April 1949 und der Deutschen Demokratischen Republik im Oktober 1949 wurde die deutsche Teilung in zwei Staaten besiegelt. Zwei Fragen, die in dieser Zeit die deutsch-französischen Beziehungen bestimmten, waren die nach dem Status des Saarlandes, von 1947 – 1956 ein französisches Protektorat, und die nach dem Aufbau einer Europäischen Verteidigungsgemeinschaft (EVG), der die Bundesrepublik angehören sollte. Trotzdem näherten sich beide Länder schon in dieser Zeit über den europäischen Einigungsprozess langsam aneinander an.
Zum Bild: 1961 wurden die Fouchetpläne vorgeschlagen. Die Pläne stießen jedoch bei den europäischen Partnern auf Ablehnung. Auch innerhalb der CDU/CSU – vertreten durch Konrad Adenauer und Franz-Josef Strauß (im Vordergrund gemeinsam mit de Gaulle) – fand er keine einhellige Unterstützung. Viele Parteimitglieder, allen voran Ludwig Erhard (im Hintergrund sichtbar), sprachen sich vielmehr für eine föderalistische Europa und für eine enge transatlantische Bindung aus.
1963 - 1983 Im Ehealltag

Zwischen 1963 und 1974 durchliefen die deutsch-französischen Beziehungen Phasen der Entfremdung und der Wiederannäherung. Nach dem Abschluss des Élysée-Vertrags am 22. Januar 1963 galt es, seinen Inhalt in den gesellschaftlichen und politischen Alltag zu überführen. Diese Aufgabe übernahmen nach den Ausscheiden Konrad Adenauers 1963 und Charles de Gaulles 1969 aus der Regierungsverantwortung Staatsmänner wie Ludwig Erhard und Willy Brandt auf deutscher und Präsident Georges Pompidou auf französischer Seite. Trotz unterschiedlicher Vorstellungen zu den transatlantischen Beziehungen oder der Fortentwicklung der Europäische Gemeinschaften gelang es immer wieder, Kompromisse zu finden und so gemeinsam Europa voranzubringen.
Zum Bild: Auf dieser Zeichnung von Fritz Wolf erweitern Charles de Gaulle und Konrad Adenauer den Abschluss des Élysée-Vertrags am 22. Januar 1963, auf die persönliche Ebene, indem sie aus Tintenfässern Brüderschaft trinken. Damit symbolisiert diese Karikatur auch die sehr gute persönliche Beziehung zwischen den beiden Staatschefs.
1984 - 2000 Eine wackelige Beziehung
Von 1984 bis 2000 durchliefen die deutsch-französischen Beziehungen einen tiefgreifenden Wandel. Eingeleitet wurde dieser Wandel durch das gemeinsame Gedenken an die Toten beider Weltkriege in Verdun 1984, bei dem François Mitterrand (Präsident von 1981 bis 1995) und Helmut Kohl (Bundeskanzler von 1982 bis 1998) während der Nationalhymnen minutenlang Hand in Hand nebeneinanderstanden und so die Verbundenheit beider Völker demonstrierten.
In den folgenden Jahren entwickeln sich die Beziehungen zu einer echten strategischen Allianz. In den 1980er Jahre wurden auch wichtige europäische Projekte von beiden Ländern initiiert, wie z.B. Erasmus, EUREKA, oder der deutsch-französische Fernsehsender ARTE.
Zum Bild: Am 21. April 1997 löste Jacques Chirac die Nationalversammlung auf, um über Neuwahlen seine konservative Mehrheit im Parlament zu stärken. Anders als von Chirac erwartet, gewann dabei aber die linke Opposition die Mehrheit, so dass Chirac bis 2002 mit einer von den Sozialisten geführten Regierung zusammenarbeiten musste. Horst Haitzinger stellt in seiner Karikatur die Entscheidung Chiracs als „Hoheitsakt“ dar, der an Herrscher wie Ludwig XIV erinnert. Im Hintergrund spannt ein skeptischer Helmut Kohl, dessen engster Verbündeter auf europäischer Ebene durch den Ausgang der Wahl geschwächt wurde, seinen Regenschirm auf, wohingegen der damalige SPD-Vorsitzende Oskar Lafontaine jubelt.
Zum Kapitel 4 der Ausstellung “1984 - 2000: Eine wackelige Beziehung”
2000 - 2017 Die Rückkehr der Krisen
In den Jahren 2000 bis 2017 gerieten die deutsch-französischen Beziehungen wegen Differenzen in der Europapolitik immer wieder in Schwierigkeiten, andererseits wurden in dieser Zeit aber auch dank der Zusammenarbeit beider Länder bedeutende Fortschritte auf europäischer Ebene erzielt: U.a. wurde der Euro eingeführt und die europäische Integration durch den Vertrag von Lissabon vertieft.
Die wohl größte Herausforderung, die Europa nach der Jahrtausendwende bewältigen musste, war die griechische Schuldenkrise, die als Folge der US-Finanzkrise entstand. Sie stellte einen Höhepunkt der deutsch-französischen Kooperation dar – sowohl während der Amtszeit von Nicolas Sarkozy (Präsident von 2007 bis 2012) als auch unter dessen Nachfolger François Hollande (Präsident von 2012 bis 2017).
Zum Bild: Im Juni 2016 stimmte eine Mehrheit der Briten für einen Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union, den sogenannten Brexit. Der Austritt eines Mitglieds aus der EU stellte eine große Herausforderung für die EU dar, da dies bisher noch nicht vorgekommen war. Frankreich und Deutschland kam in den Verhandlungen über die Modalitäten eine Schlüsselrolle zu. Ingram Pinn zeigt die britische Premierministerin Theresa May, die zu Beginn der Verhandlungen darüber im Herbst 2016 versucht, Eier aus dem Nest der EU zu stehlen, wobei wie sie misstrauisch von verschiedenen Führungspersönlichkeiten Europas zu dieser Zeit beäugt wird.
Zum Kapitel 5 der Ausstellung “2000 - 2017: Die Rückkehr der Krisen”
Seit 2017 ein zerbrechliches Paar
Seit 2017 ist Frankreich und Deutschland nicht gelungen, ein politisches Momentum zu finden, in der beiden Seiten gleichzeitig willens waren, Initiativen für eine Fortführung der europäischen Integration zu starten. Diese Ungleichzeitigkeit in der Bereitschaft, gemeinsam zu handeln, prägt die Beziehung beider Länder seitdem.
Angesichts der sich häufenden europäischen und globalen Krisen - COVID-19-Pandemie, Rückkehr des Krieges auf europäischem Boden oder zunehmender Nationalismus - fällt es ihnen immer schwerer, zu den großen Fragen unserer Zeit mit einer Stimme zu sprechen. Mit dem Abschluss des Vertrags von Aachen am 22. Januar 2019 konnten sie aber trotzdem ein erneutes starkes Zeichen für ihre Freundschaft setzen.
Zum Bild: Am 22. Januar 2019 wurde der Vertrag von Aachen unterzeichnet, der den im Élysée-Vertrag festgeschrieben Willen zur Freundschaft und zur Zusammenarbeit vertiefen soll. Zu den vereinbarten Maßnahmen zählen unter anderem die Forderung nach einem ständigen Sitz Deutschlands im UN-Sicherheitsrat, die Ankündigung der Gründung von vier deutsch-französischen Kulturinstituten im Ausland sowie die Weiterentwicklung der Deutsch-Französischen Hochschule. Ein wichtiger Erfolg – doch gleichzeitig treten neue Probleme in den Vordergrund, etwa der Aufstieg des Populismus oder die anhaltenden Diskussionen rund um den Brexit.
Über die Sammlung deutsch-französischer Karikaturen
Seit Mitte der 1970er Jahre archiviert die Frankreich-Bibliothek deutsch-französische Karikaturen, mittlerweile umfasst ihre Sammlung fast 3.500 Abbildungen. Ein Großteil dieser Karikaturen stammt aus der Zeit nach der Jahrtausendwende, aber auch aus früheren Jahren, besonders den 1970er, 1980er und 1990er Jahren finden sich darin zahlreiche Darstellungen der deutsch-französischen Beziehungen, die mehr sagen als 1.000 Worte. Diese Sammlung kann in der Frankreich-Bibliothek durchgesehen werden.
Anlässlich des 75jährigen Bestehens des dfi hat die Frankreich-Bibliothek mit über 30 Karikaturisten bzw. ihren Nachkommen die Erlaubnis ausgehandelt, die Datensätze von über 1.200 Karikaturen mit frei zugänglichen Digitalisaten der Karikaturen zu verknüpfen. Die Sondermittel dafür hat dankenswerterweise das Bundesamt für Auswärtige Angelegenheiten (BfAA) zur Verfügung gestellt.










