Deutsch französisches Institut:
https://www.dfi.de/projekte/reise-mit-europaeischen-journalisten-vor-der-landtagswahl

Pressereise

Europäische Journalisten vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg

Am 8. März 2026 wählte Baden-Württemberg einen neuen Landtag. Das dfi organisierte in der letzten Woche des Wahlkampfs eine Pressereise für europäischen Journalisten. Im Gespräch mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Medien hatten diese die Gelegenheit, sich aus erster Hand ein Bild von der Lage im Land zu machen.

Strukturwandel: Licht und Schatten des Wirtschaftsstandorts

Diese Pressereise bot die Gelegenheit, mehr über die wirtschaftliche Transformation im Land zu erfahren. Einerseits kämpft der in Baden-Württemberg traditionell starke Industriesektor – in keinem Bundesland ist der Anteil an der Wertschöpfung höher – um die Wiederherstellung seiner Wettbewerbsfähigkeit. In der ersten Hälfte des Jahres 2025 lag das BIP des Landes 0,8 % unter dem gleichen Zeitraum des Vorjahres, die Zahl der Arbeitssuchenden ist 2025 um 8,8 % gestiegen, bleibt aber mit einer Quote von 4,8 % (Januar 2026) unter dem Bundesschnitt. 

Besonders hart trifft der Strukturwandel die Automobilindustrie samt Zulieferern, welche von Gewinneinbrüchen und umfänglichen (wenn auch verhältnismäßig sozialverträglich gestalteten) Stellenstreichungen betroffen sind. Steigende Energiekosten, geringere Exporte nach China und in die USA sowie verstärkter Wettbewerb durch China tragen zu den Schwierigkeiten bei. 

In Gesprächen mit Vertretern der Gewerkschaft IG Metall Baden-Württemberg, dem Betriebsratschef von Mahle, der Handwerkskammer der Region Stuttgart und dem Wirtschaftsministerium konnten sich die Journalisten ein Bild von den Herausforderungen, der möglichen Umorientierung am Arbeitsmarkt sowie begleitenden Initiativen der Landesregierung machen.

Eileen Keller
Ansprechpartner/in
Eileen Keller

Wissenschaftliche Mitarbeiterin

+49 7141-9303-10

Details

Andererseits verdeutlichten Exkursionen nach Tübingen ins Cyber Valley und nach Ditzingen zu Trumpf das Potenzial, das allen Schwierigkeiten zum Trotz vor allem dank einer großen Innovationskraft - Baden-Württemberg hat mit 5,7% des BIP (2023) deutschlandweit die höchsten F&E-Ausgaben - in der baden-württembergischen Wirtschaft steckt. In Tübingen arbeitet man an der Schnittstelle von Robotik und KI daran, Europa durch exzellente Grundlagenforschung in der Weltspitze zu halten. Ein internationales Start-up-Ökosystem soll gleichzeitig dazu beitragen, mehr Wertschöpfung in der Region zu generieren. Bei Trumpf wurde gemeinsam mit den Ingenieuren des niederländischen Unternehmens ASML und Zeiss aus Oberkochen ein anspruchsvolles technisches Verfahren (EUV-Lithografie) entwickelt, das weltweit zur Produktion höchstleistungsfähiger Computerchips zum Einsatz kommt.

Politische Dynamiken in einem sich auf der Zielgeraden zuspitzenden Wahlkampf

Politisch bot der Wahlkampf reichlich Gelegenheit, sich über die Dynamiken in der Region und darüber hinaus zu informieren. Welchen Einfluss hat die Bundespolitik auf den Wahlkampf? Wie wichtig sind Themen im Vergleich zu den Persönlichkeiten, die diese im Wahlkampf verkörpern? Weshalb gelingt es der AfD um ihren nicht zur Landtagswahl antretenden Spitzenkandidaten Frohnmeier ihr Wahlergebnis zu verdoppelten? Wie ist es Winfried Kretschmann als erstem (und bislang einzigem) grünen Ministerpräsidenten gelungen, ausgerechnet das Autoland Baden-Württemberg bei bleibend hohen Zufriedenheitswerten in der Bevölkerung 15 Jahre lang zu führen? 

In Gesprächen mit einem Vertreter vom SWR sowie Vertretern der wichtigsten Parteien, aber auch Bürgern und Parteianhängern hatten die JournalistInnen aus Frankreich, Italien, Polen und Rumänien die Gelegenheit, sich mit den Begebenheiten des Wahlkampfes auseinanderzusetzen. Die Gespräche verdeutlichten dabei, wie facettenreich der Wahlkampf zwischen Straße und sozialen Medien, Sachthemen, die bisweilen weit über die Landespolitik hinausweisen, Fettnäpfchen und Fehlinformationen letztlich doch war.

Die Reise endete mit dem Auftritt von Bundeskanzler Friedrich Merz und Spitzenkandidat Manuel Hagel in Ravensburg, welche angesichts des sich zuspitzenden Kopf-an-Kopf-Rennens mit den Grünen – in den letzten Umfragen lagen beide Parteien gleichauf – den Führungsanspruch ihrer Partei in einem Land, in dem die CDU über Jahrzehnte unangefochten den Ministerpräsidenten stellte, noch einmal bekräftigten. 

 

Das Programm der Reise

Crashtest in Stuttgart - Podcast von Hélène Kohl mit Eileen Keller, Isabell Hoffmann und internationalen Journalisten über die Landtagswahl 2026 in Baden- Württemberg.

Die Reise wurde unterstützt von der Gips-Schüle-Stiftung und dem Förderverein des dfi.

 

Icon Briefumschlag