Stefan Seidendorf ist der Meinung, dass Merz' Scheitern im ersten Wahlgang zwar die derzeitige politische Spannung und Instabilität verdeutliche, meint aber zugleich, dass dieses Scheitern vorhersehbar war, denn während der Verhandlungen über den Koalitionsvertrag hätte sich sowohl in der CDU/CSU als auch in der SPD viel Groll über die Verhandlungsführung gegenüber Friedrich Merz und Lars Klingbeil (Vizekanzler und Finanzminister, SPD) angesammelt. Der zweite Wahlgang, der am selben Tag stattfand und für den eine Änderung des Protokolls erforderlich war, zeige jedoch, dass alle Parteien - außer der AfD - bereit seien, gemeinsam Lösungen zu finden.
Am nächsten Tag reiste Merz zu seinem ersten Auslandsbesuch nach Paris, wo er und Emmanuel Macron versuchten, sich als dynamisches Duo zu präsentieren, das Lust dazu hat, zusammenzuarbeiten. Auch wenn einige Versprechungen für die Zukunft gegeben wurden, weist Stefan Seidendorf darauf hin, dass sich die angekündigte Rückkehr des deutsch-französischen Tandem in Taten zeigen müsse. Yann Wernert stellt fest, dass auch Frankreich die Notwendigkeit einer US-Präsenz in Europa und in der Ukraine erkannt habe.
Wernert erklärt außerdem, dass die anschließende Reise von Friedrich Merz nach Polen ein Zeichen dafür sei, dass gemeinsames deutsch-französisches Handeln allein für Europa nicht mehr ausreiche. Deshalb versuche Merz, die Beziehung zu Polen neu zu beleben, doch trotz seiner Garantien in Bezug auf Russland oder die Unterstützung der Ukraine wurde er dort eher vorsichtig empfangen, vor allem wegen der Ankündigungen des CSU-Innenministers Alexander Dobrindt, Migranten an den Grenzen zurückweisen zu wollen.
Eine Folge mit Yann Wernert (Jacques Delors Centre) und Stefan Seidendorf
Wenn Sie die Fortführung des Podkast unterstützen wollen, können Sie gerne über https://whydonate.com/fr/fundraising/le-podkast dafür spenden.

![Dr. Stefan Seidendorf [Translate to Francais:]](/fileadmin/_processed_/5/2/csm_13_Seidendorf_Stefan_00114_Portraits_Ausschnitt_A_173a980171.jpg)