Deutsch französisches Institut:
https://www.dfi.de/themen/themen-nach-zielgruppen/lehrende/quoi-de-neuf-nouvelles-du-bilingue/qdn-2026/die-formel-des-widerstands

Quoi de neuf - Nouvelles du bilingue 2026

„Die Formel des Widerstands“

Eine Geschichte über Freundschaft, Wissenschaft und Verantwortung in dunklen Zeiten

In ihrem Buch „Die Formel des Widerstands“ (Galiani-Verlag, Berlin) erzählt die preisgekrönte Wissenschaftsjournalistin Astrid Viciano die Geschichte einer außergewöhnlichen deutsch-französischen Freundschaft im Schatten des Zweiten Weltkriegs. Und widmet sich darin der hoch aktuellen Frage, welche Rolle Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Zeiten politischer Gewalt, Besatzung und moralischer Grenzsituationen spielen können – und müssen.

Im Zentrum des Geschehens stehen zwei herausragende Kernphysiker: Frédéric Joliot-Curie, französischer Nobelpreisträger und Schwiegersohn von Marie Curie, sowie der deutsche Wissenschaftler Wolfgang Gentner, der später das Forschungszentrums CERN mitgründen wird. Kurz vor Hitlers Machtergreifung im Jahr 1933 lernen sich die beiden Forscher am Institut du Radium in Paris kennen, arbeiten zusammen, freunden sich an. Ihre Freundschaft wird jedoch bald auf eine harte Probe gestellt.

Im Jahr 1940 nämlich kehrt Gentner im Auftrag des deutschen Uranprojekts nach Paris zurück. Er soll Joliot-Curies Forschung überwachen und den Nazis wichtige Erkenntnisse für den Bau der Atombombe sichern. Gentner jedoch ist kein Anhänger der NS-Ideologie und nutzt seine Position, um seine französischen Kollegen vor den deutschen Besatzern zu schützen. Seine Nähe zu Joliot-Curie erlaubt es ihm, zu vermitteln, zu verzögern und in manchen Momenten auch bewusst die Forschung der Deutschen zu sabotieren.

Spannend wie ein Krimi liest sich dieses gefährliche Spiel zwischen scheinbarer Anpassung und Widerstand. So schildert Astrid Viciano zum Beispiel, wie sich im Wettlauf um die Atombombe die Forschungsbedingungen in der Kernphysik radikal verändern. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse werden fortan geheim gehalten, Labore unterliegen militärischer Kontrolle. Joliot-Curie ist dennoch in Paris geblieben und versucht, sein Institut unter schwierigsten Bedingungen weiterzuführen. Gleichzeitig engagiert er sich zunehmend in der Résistance, dem französischen Widerstand gegen die deutschen Besatzer. Er beteiligt sich an geheimen Aktionen, versteckt etwa Angehörige jüdischer Mitarbeiter in seinem Haus und hilft einem Freund bei seiner Flucht in die Schweiz, stets unter dem Risiko von Verhaftung oder Schlimmerem.

Das Buch folgt den beiden Wissenschaftlern Joliot-Curie und Gentner durch die Jahre der deutschen Besatzung und zeigt, wie ihre Entscheidungen zunehmend von moralischen Fragen bestimmt werden: Wie viel Kooperation ist erlaubt? Wo beginnt Verrat? Welche Verantwortung trägt ein Wissenschaftler für die mögliche militärische Nutzung seiner Arbeit? Astrid Viciano macht deutlich, dass diese Fragen nicht abstrakt bleiben, sondern sich in konkreten Situationen zuspitzen – bei Verhören, Aktionen der Résistance und riskanten persönlichen Entscheidungen.

Das Buch Die Formel des Widerstands ist im Buchhandel erhältlich und steht auf der Longlist für das Wissenschaftsbuch des Jahres 2025 in Österreich.

So berichtet Astrid Viciano zum Beispiel von einer geheimen Mission im März 1940: 26 Kanister mit einer kostbaren Flüssigkeit sollen heimlich aus Norwegen nach Frankreich gebracht werden. In den Behältern befindet sich schweres Wasser – eine Substanz, die als Zutat für die Experimente der Kernforschung damals als unverzichtbar galt. Das NS-Regime hat über das Unternehmen IG Farben bereits versucht, an den weltweit einzigen Vorrat schweren Wassers in Norwegen zu kommen. Doch gelingt es in einer waghalsigen Aktion, das schwere Wasser nach Frankreich zu bringen. Das Deuxième Bureau, der französische Geheimdienst, hatte die Mission gemeinsam mit Frédéric Joliot-Curie geplant.

Allerdings beschränkt Astrid Viciano sich nicht darauf, die Lebenswege von Joliot-Curie und Gentner zu beschreiben. In ihrem Buch entsteht ein lebendiges, detailliertes Bild der deutschen Besatzung in Paris – und wie sie sich auf die Forschenden der Kernphysik auswirkte. Sie beschreibt die Flucht jüdischer Kollegen vor dem Einmarsch der Wehrmacht. Und sie erklärt auch, wie Freunde aus dem Umkreis von Joliot-Curie und Gentner verhaftet und getötet wurden. 

Wie sehr die NS-Ideologie die Freiheit der Wissenschaft in Deutschland eingeschränkt, erzählt Astrid Viciano an zahlreichen Beispielen. So kehrt Gentner im Jahr 1935 nach Deutschland zurück und muss erleben, wie Forscher ihn und andere Kollegen bespitzeln, geheime Berichte an den Sicherheitsdienst des NS-Regimes liefern. Sein Doktorvater, mehrfach verhaftet und bedroht, beschließt schließlich, mit seiner Familie das Land zu verlassen. 

Packend und einfühlsam berichtet Astrid Viciano, wie die beiden Freunde Joliot-Curie und Gentner stets aufs Neue um die Balance zwischen Forschung, persönlicher Sicherheit und ihrem eigenen Gewissen ringen. Wie ihre eigentlich unmögliche Freundschaft diese schwere Zeit überdauert, die Kernforschung der Deutschen ausbremst und zahlreiche Leben rettet. 

Die Autorin Astrid Viciano steht für Vorträge, Lesungen, Workshops und Podiumsgespräche zur Verfügung, auch gern an bilingualen Schulen. In ihren Veranstaltungen spricht sie über ihre historischen Recherchen, über ausgewählte Inhalte ihres Buchs, über ihre Tätigkeit als Wissenschaftsjournalistin oder auch ethische Fragen von Forschung im historischen Kontext. Ihre Vorträge hält sie wahlweise auf Deutsch, Englisch oder Französisch.

Kontakt: mail@remove-this.astridviciano.com

Übersicht über die Inhalte von Quoi de neuf - Nouvelles du bilingue 2026

Quoi de neuf - Nouvelles du bilingue - Ausgaben von 2018 - 2025

Wenn Sie Quoi de neuf - Nouvelles du bilingue abonnieren wollen, folgen Sie bitte diesem Link[list.schule-bw.de]

Icon Briefumschlag