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Quoi de neuf - Nouvelles du bilingue 2026

Erinnern in die Zukunft

Eine Drittortbegegnung an der Europäischen Akademie Otzenhausen im Januar 2026

Die AbiBac-Schülerinnen und Schüler des Jahrgangs 12 des Otto-Schott-Gymnasiums Mainz-Gonsenheim und Schülerinnen und Schüler des Lycée Camille Jullian aus Bordeaux (Section Euro allemand und andere) treffen sich jedes Jahr zu einer Drittortbegegnung und in diesem Jahr waren wir erstmals an der Europäischen Akademie Otzenhausen zu Gast, wunderschön gelegen im Dreiländereck zwischen Luxemburg, Frankreich und Deutschland. 

Kann unsere Begegnung Ideengeber für andere Schulen sein?

Thema des Seminars war „Europa: gestern - heute - morgen. Deutsch-französische Perspektiven“: Ein sehr abwechslungsreiches Programm erwartete die binationale Gruppe; Kennenlernspiele, Warm-Up-Aktivitäten und Sprachanimationen, die über die Tage verteilt eingebaut wurden, sorgten für ein schnelles Kennenlernen und einen vertrauensvollen Umgang.

Zu Beginn der Woche setzten sich die Schülerinnen und Schüler zunächst mit der Geschichte der deutsch-französischen Beziehungen auseinander und machten sich dabei bewusst, dass das Europa, in dem sie sich tagtäglich so selbstverständlich bewegen, das Ergebnis eines langen Entwicklungsprozesses ist und dass die Verwirklichung des Europagedankens immer wieder eine Herausforderung war und ist, und keinesfalls als selbstverständlich hingenommen werden darf.

Dass persönliches Engagement auf lokaler Ebene eine große Wirksamkeit entfalten kann, konnten die Gruppe beim Besuch des Westwalls direkt vor der Haustür erfahren. 2017 hatte sich ein kleiner Freundeskreis aus Otzenhausen entschieden, etwa einen Kilometer des insgesamt auf 630 km verteilten militärischen Verteidigungssystems aus dem Zweiten Weltkrieg zu einem Erinnerungspfad umzugestalten. Er wollte nicht länger zuschauen, wie sich die Natur die sogenannte „Höckerlinie“ zurückerobert und so buchstäblich „Gras über die Vergangenheit“ wächst. Heute ist der Pfad ein Mahnmal und steht für Frieden und Völkerverständigung.

Vertiefend setzten sich die Schülerinnen und Schüler damit auseinander, inwiefern das Saarland Schauplatz der dt.-frz. Geschichte gewesen ist. Besonders interessant waren dabei die unterschiedlichen Aufgaben, die nicht nur die wechselvolle Geschichte seit 1871 oder die wirtschaftliche Entwicklung des Gebietes in den Blick nahmen, sondern auch das Lothringer Platt oder aktuelle Themen wie die Frankreichstrategie des Saarlandes und den grenzübergreifenden Kooperationsraums der Großregion Saar-Lor-Lux-Rheinland-Pfalz-Wallonie.

Am nächsten Tag besuchte die dt.-frz. Gruppe Schauplätze des ersten Weltkriegs rund um Verdun: zunächst einen rekonstruierten Schützengraben in Chattancourt, in dem die Lebensverhältnisse der Soldaten an der Front sehr einprägsam vermittelt wurden, es folgte ein Rundgang durch den Caures-Wald, in dem die „Hölle von Verdun“ vor 110 Jahren begann, ein Ort des Gedenkens an die Opfer der Schlacht, an dem man noch heute die Spuren des Krieges deutlich an der Beschaffenheit des Bodens erkennen kann und schließlich das Beinhaus von Douaumont. Dieser Ort steht aber auch für die dt.-frz. Versöhnung und Freundschaft, denn hier reichten sich am 22. September 1984 die Staatschefs Helmut Kohl und François Mitterand vor der ganzen Welt die Hand. Die Tagesplanung war dadurch erschwert, dass im Januar eigentlich alles geschlossen ist, aber der Plan B hat gut funktioniert.

Bereits 1916 hatten sechs deutsche Soldaten mitten im Ersten Weltkriegs in Fiquelmont nahe Verdun einen bewegenden Friedenswunsch verfasst: „Utopie und mögliches Eden ist ein geeintes Europa, Freundschaft zwischen den Völkern“. Sie hatten ihren handschriftlichen Appell in einer Flasche versteckt und so ihre Hoffnung ausgedrückt, dass künftige Generationen in Frieden leben könnten. Ausgehend von den Eindrücken, die die deutschen und französischen Schülerinnen und Schüler im Laufe der Woche gesammelt hatten, präsentierten sie zum Abschluss des Seminars ihre eigene Antwort auf diese Nachricht aus dem Jahr 1916, erzählten von ihrem heutigen Europa und wie sie sich die Zukunft vorstellen.

Die Europäische Akademie Otzenhausen, bereits seit 1954 als dt.-frz. Begegnungsstätte geschaffen, hat sich den Leitspruch „Europa entsteht durch Begegnung“ auf die Fahne geschrieben. Das durften unsere Schülerinnen und Schüler während dieser Woche in besonderer Weise selbst erfahren und haben verstanden, dass auch sie ihren Teil dazu beitragen können und müssen, um ihr Europa mitzugestalten und die gemeinsamen Werte wie Frieden, Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit zu erhalten.

Wir können das „Gesamtpaket“ nur weiterempfehlen: inhaltlich und methodisch kompetent, freundliche und zugängliche Referenten (wir waren 47 Schülerinnen und Schüler und wurden von drei Referenten betreut!) und nicht zuletzt eine sehr gastfreundliche Unterkunft, deren kulinarische Qualität auch die französische Gruppe beeindruckte. Mais qu’est-ce qu’on mange bien ici!

Leonie Kallmann, Oberstudienrätin am Otto-Schott-Gymnasium, kallmann.leonie@remove-this.osg-mainz.de, und Alexander Schröer, Koordinator des Bilingualen Zuges am Otto-Schott-Gymnasium Mainz-Gonsenheim und Lehrbeauftragter für bilinguale Fachdidaktik Geschichte an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, schroeer.alexander@remove-this.osg-mainz.de

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