Le travail continu(e) – 45 Jahre Hochschulpartnerschaft Mainz-Dijon
Über 45 Jahre währt sie bereits, die Hochschulpartnerschaft zwischen der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und der Université de Bourgogne, Dijon. Hervorgegangen ist sie aus der Zusammenarbeit einzelner Fächer der Geistes- und Rechtswissenschaften und wurde seit den 1990er Jahren des 20. Jahrhunderts zunehmend institutionalisiert, so dass wir heute u.a. auf ein breit gefächertes Angebot deutsch-französischer Studiengänge in den Geistes- und Kulturwissenschaften blicken können.
Die Kooperation zwischen den Universitäten Mainz und Dijon ist nicht nur historisch gewachsen, sie erhält zudem eine spezifische Prägung durch ihre Einbettung in die Städtepartnerschaft Mainz / Dijon und die Regionalpartnerschaft Rheinland-Pfalz / Bourgogne-Franche-Comté, die ihrerseits seit über sechs Jahrzehnten bestehen. Wesentlicher Bestandteil der Institutionalisierung war im Jahr 1990 die Gründung des Dijonbüros zur Sicherstellung einer erfolgreichen binationalen Betreuungsstruktur der Studierenden. Das Pendant in Dijon, das Bureau Mayence, folgte einige Jahre später. In einem solch reformintensiven Bereich, wie es das Bildungswesen ist (cf. Ausgabe von 2021), bewährt sich die vielschichtige Struktur, die der universitären Kooperation ihre Stabilität verleiht. Diese umfasst im Kern das Dijonbüro in Mainz und das Bureau Mayence in Dijon und darüber hinaus Vertreterinnen und Vertreter aller beteiligten Fächer, die alle miteinander im engen und kontinuierlichen Austausch stehen und auf diese Weise sicherstellen, dass die einzelnen Studiengänge so konzipiert sind, dass sich größtmögliche Integration bei gleichzeitiger Einhaltung der jeweiligen nationalen Standards realisieren lassen.
Das Programm ist in seiner Fächervielfalt im Bereich der deutsch-französischen Studiengänge einzigartig.
Seit seiner Gründung war das Dijonbüro an der Johannes Gutenberg-Universität am Philosophischen Seminar beheimatet. Im April 2023 hat Antje Lobin, Professorin für italienische und französische Sprachwissenschaft an der JGU, das Amt der Beauftragten für die Kooperation mit der Université de Bourgogne, Dijon, übernommen und damit auch die Leitung des Dijonbüros. Mit seiner jetzigen Ansiedlung am Romanischen Seminar hat das Mainzer Dijonbüro zugleich ein französisches Dach erhalten. Angesichts der Tatsache, dass für alle Studierenden, die im deutschen System ihren binationalen Parcours beginnen, das Fach Französisch verpflichtend ist, erwächst hier für das Romanische Seminar auch eine ganz eigene Verantwortung. Dies gilt in hohem Maße für die binationale Lehramtsausbildung, der sich die Partnerschaft zwischen der Johannes Gutenberg-Universität und der Université de Bourgogne in besonderer Weise verpflichtet sieht. Der ungebrochene Zulauf von Studierenden aus dem gesamten Bundesgebiet – davon ca. zwei Drittel Lehramtsstudierende – zeigt die hohe Attraktivität des Programms, das in seiner Fächervielfalt im Bereich der deutsch-französischen Studiengänge einzigartig ist.
Prägendes Merkmal der Kooperation zwischen Mainz und Dijon ist – bezogen auf die Studienphase – das breite Fächerangebot, das über die klassische philologische Kombination Deutsch / Französisch hinausgeht und auch die Wahl der Fächer Englisch, Komparatistik, Geschichte, Kunstgeschichte, Philosophie oder auch Geographie ermöglicht. Nach Abschluss des Studiums können Absolventinnen und Absolventen mit Ambition zur weiteren wissenschaftlichen Qualifikation einem Deutsch-Französischen Doktorandenkolleg beitreten, das fest etablierter Baustein der Kooperation zwischen den Universitäten Mainz und Dijon ist und inzwischen auch Beziehungen in den Senegal und damit in die afrikanische Frankophonie unterhält. Es bündelt vielfältige Promotionsvorhaben unter dem übergeordneten Rahmenthema Configurations nouvelles : Echanges, variations, identités / Konfigurationen im Wandel: Austausch, Variation, Identität. Ehemalige Cursus-Studierende profitieren zudem – unabhängig von individuellen Laufbahnoptionen – von der Vernetzung innerhalb des Alumni-Netzwerks CLANCI - Club des Ancien.ne.s et Ami.e.s du Cursus Intégré Dijon-Mayence / Verein der Ehemaligen und Freunde der integrierten Studienprogramme Mainz-Dijon.
Die partnerschaftlichen Strukturen sind fest etabliert, und dennoch gilt es, das Erreichte beständig neu zu erringen.
Die langjährige Partnerschaft zwischen den Universitäten Mainz und Dijon konnte auch im Bereich der europäischen Hochschulallianzen fruchtbar gemacht werden, die der französische Staatspräsident Emmanuel Macron zur Stärkung des europäischen Hochschulraums im September 2017 in seiner Rede an der Sorbonne entworfen hat. Auf dem Fundament der Kooperation zwischen den Universitäten Mainz und Dijon ist FORTHEM (Fostering Outreach within European Regions, Transnational Higher Education and Mobility: A pan-European living lab and integrative European University) gegründet worden, ein Verbund von neun Universitäten in neun verschiedenen Ländern.
Dass die beiden Universitäten sukzessive ihr binationales Studienangebot ausbauen konnten, ist wesentlich der Unterstützung durch die Deutsch-Französische Hochschule (DFH) zu verdanken, deren Mission in der hochschulbezogenen Stärkung der Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Frankreich liegt. Zu diesem Zweck wird sie paritätisch durch die beiden Länder finanziert. Immer wieder war und ist die Hochschulpartnerschaft zwischen Mainz und Dijon Ausgangspunkt von Innovationen, die die gesamte Wertschöpfungskette der Bildung betreffen.
Die partnerschaftlichen Strukturen sind fest etabliert, und dennoch gilt es, das Erreichte beständig neu zu erringen. Der Aachener Vertrag von 2019 formuliert es deutlich in Artikel 10, in dem die Schaffung deutsch-französischer Exzellenzinstrumente für Forschung, Ausbildung und Berufsbildung gefordert wird. Und in ihrer 10. Sitzung am 4. Dezember 2023 hat die Deutsch-Französische Parlamentarische Versammlung in Bonn ihrerseits erneut die Relevanz des gegenseitigen Spracherwerbs für die weitere Entwicklung der deutsch-französischen Freundschaft hervorgehoben sowie an die Umsetzung der im Jahr 2022 verabschiedeten „Strategien zur Förderung der Partnersprache“ appelliert.
Am Standort Mainz mit einem geradezu historisch verankerten deutsch-französischen Bildungsauftrag bleibt es zentrale Zielsetzung, exzellent ausgebildete Lehr- und Fachkräfte, die über ausgezeichnete Sprachkenntnisse und hohe interkulturelle und fachliche Kompetenzen verfügen, für den europäischen Arbeitsmarkt vorzubereiten. Mehrere hundert aktive Studierende, über 1000 Absolventinnen und Absolventen und eine große Portion deutsch-französischer Begeisterung bei allen Beteiligten sind die tägliche Motivation für unsere Arbeit. Le travail continue!
Univ.-Prof. Dr. Antje Lobin,alobin@uni-mainz.de, Beauftragte der Johannes Gutenberg-Universität für die Partnerschaft mit der Université de Bourgogne und Programmbeauftragte der integrierten Studiengänge in den Geistes- und Kulturwissenschaften Mainz-Dijon
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