Deutsch französisches Institut:
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Ludwigsburg
Vortragsreihe des dfi in Kooperation mit der vhs

Wie Kernphysiker mithalfen, die Atombombe der Nazis zu verhindern

Der Wettlauf um die Atombombe, Forschung für die Ziele der Nationalsozialisten – und Freunde, die beschließen, Widerstand zu leisten. Am 25. September 2025 durfte das dfi die Autorin und Wissenschaftsjournalistin Dr. Astrid Viciano zu einem Vortrag in seinen Räumlichkeiten begrüßen.

Viciano, die u.a. für den Stern, die Süddeutsche Zeitung und Die Zeit gearbeitet hat, wurde für ihre journalistische Tätigkeit mehrfach ausgezeichnet. Im Herbst 2024 ist ihr erstes Buch „Die Formel des Widerstands“ im Verlag Galiani-Berlin erschienen. Darin nimmt sie ihre Leserinnen und Leser mit auf den Wettlauf zur Entwicklung der ersten Atombombe, der in den frühen 1940er Jahren zwischen den West-Alliierten und dem Dritten Reich ausgetragen wurde.

Europa im Frühjahr 1940 – Frankreich steht in einem Krieg, der sich immer weiter ausweitet, und sucht nach Möglichkeiten, die neuesten Entwicklungen der Nuklearwissenschaft für sich zu nutzen und zugleich zu verhindern, dass seine Gegner davon profitieren. Viciano erzählt ihre Geschichte aus Sicht der Atomphysiker aus vielen verschiedenen Nationen, die in den 1930er-Jahren noch weitgehend unbeschränkt ihre Erkenntnisse miteinander austauschten, nach der Entdeckung der Kernspaltung im Dezember 1938 aber gezwungen wurden, ihre Forschung im Geheimen fortzuführen.

Im Zentrum des Buchs steht der deutsche Physiker Wolfgang Gentner, der von 1933 – 1935 als erster deutscher Stipendiat nach dem ersten Weltkrieg am Institut Curie empfangen wurde und dabei Freundschaft mit Frédéric Joliot-Curie, dem Schwiegersohn Marie Curies, schloss. 1940 wurde Gentner von den deutschen Besatzern damit beauftragt, als Verbindungsmann der deutschen Forschung die Forschungsarbeit von Joliot-Curie und seinen Mitarbeitern zu überwachen und ihre Erkenntnisse weiterzugeben. Er musste sich nun entscheiden, ob er die Anweisung seiner Dienstherren umsetzen wollte oder aber seine Position dazu nutzen sollte, seine Wissenschaftskollegen und ihre Erkenntnisse vor den Besatzern zu schützen. Der deutsche Wissenschaftler stellte seine Freundschaft über die dienstlichen Verpflichtungen und trug so dazu bei, dass Joliot-Curie, der sich in der Résistance engagierte, und einige seiner Kollegen nicht länger in Haft bleiben mussten oder gar deportiert wurden. 1943 ging er auch selbst ein großes persönliches Risiko ein, als er einem jüdischen Freund von Karl Jaspers, den er von der Universität Heidelberg kannte, über eine niederländische Widerstandskämpferin einen bedeutenden Geldbetrag zukommen ließ.

Viciano möchte mit ihrer Geschichte zeigen, wie Forscherinnen und Forscher mitten im Krieg versucht haben, ihre Integrität zu wahren und Widerstand zu leisten – und wie sie gleichzeitig über Leben und Tod mitentschieden haben, oftmals ohne es zu wollen.

Die Anregung zu ihrem Buch hat sie in Sceaux in der südöstlichen Banlieue von Paris gefunden, in der sie vier Jahre lang mit ihrer Familie gewohnt hat. Dort war ihr aufgefallen, wie sehr der gesamte Ort von Marie Curie, ihrer Familie und ihrem Freundeskreis geprägt war – durch Gedenktafeln und Schulen und Plätzen, die nach ihr oder einem Mitglied ihrer Familie benannt waren.

Geleitet von dem Wunsch, selbst etwas zu der Familie Curie, deren Mitglieder insgesamt vier Nobelpreise erhalten haben, zu schreiben, begann sie zu recherchieren. Dabei stieß sie auf die Figur von Wolfgang Gentner, zu dem bisher außer einer Festschrift noch nichts publiziert worden war, und konnte im weiteren Verlauf ihrer Arbeit auch die beiden noch lebenden Kinder von Irène und Frédéric Joliot-Curie befragen.

Bei einem anschließenden Umtrunk, den zwei Freundinnen des dfi dankenswerterweise organisiert haben, hatte das Publikum Gelegenheit, sich mit der Autorin und untereinander auszutauschen.

Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Volkshochschule Ludwigsburg

Astrid Viciano trägt im dfi vor.
Astrid Viciano trägt im dfi vor.
Astrid Viciano über die Siutation in Paris nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion
Astrid Viciano über die Siutation in Paris nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion
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