Das Internet und die sozialen Medien haben das politische Leben grundlegend verändert. Wahlkampagnen finden heute nicht mehr ausschließlich analog statt – mit Sonntagsreden, Stammtischen oder Podiumsdiskussionen –, sondern auch online. In seinem Vortrag hat Baptiste Bouchet anhand von drei Beispielen gezeigt, wie unterschiedlich die Internetstrategien politischer Parteien in Frankreich und Deutschland sein können.
Die linksradikale Partei La France Insoumise verfolgt beispielsweise das Ziel, ihre Wähler und Anhänger politisch zu bilden. Neben den „klassischen“ politischen Inhalten bietet sie auch vielfältige Beiträge zu (un-)bekannten Themen an, die Probleme und Missstände thematisieren. Auf TikTok werden etwa Inhalte zum Rechtsruck, zum Krieg in Gaza oder zu obdachlosen Kindern veröffentlicht. Die dahinterstehende Idee ist, durch politische Bildung aktive Bürger zu schaffen.
Das zweite Beispiel war der französische Rassemblement National. Diese Partei wurde lange Zeit als „zu extrem“ angesehen. Seit etwa 2015 versucht sie jedoch, ihr Image zu verändern und sich als regierungsfähig zu präsentieren. Ein prägnantes Beispiel hierfür ist die sogenannte „Krawattenstrategie“: Für die männlichen Abgeordneten der Partei gilt eine Krawattenpflicht, um die Zugehörigkeit zur republikanischen Tradition zu signalisieren. Auch der Parteivorsitzende und EU-Abgeordnete Jordan Bardella arbeitet gezielt an seiner Außendarstellung. Mit Unterstützung seines Kommunikationsteams inszeniert er sich sowohl präsidial als auch volksnah – eine Art Vorbereitung auf eine mögliche Kandidatur für die Präsidentschaftswahl 2027.
Das dritte Beispiel, die Kommunikation der AfD, verdeutlicht, wie soziale Medien gezielt für politische Polarisierung genutzt werden können. Die AfD konzentriert sich auf emotionale und kontroverse Themen – darunter Migration und Corona –, um ihre Wählerschaft zu mobilisieren und zu einen. Politische Gegner, insbesondere die Grünen, werden offen attackiert und als Teil eines angeblichen „Systems“ dargestellt.
Anhand dieser drei Beispiele zeigt sich, dass das Internet und die sozialen Medien ein vielschichtiges Bild zeichnen. Es ist möglich, online sehr konfrontativ und polarisierend aufzutreten, aber auch andere Wege zu gehen, etwa durch politische Bildung und die Förderung aktiver Bürger.
Im Anschluss fand eine sehr interessante und lebhafte Diskussion über verschiedene Themen statt – darunter selbstverständlich die Rolle der sozialen Medien und die politische Lage in Frankreich. Wir bedanken uns herzlich beim Partnerschaftsverein Lorsch e.V., insbesondere bei Brunhilde Schieb, für die Einladung und die Organisation der Veranstaltung.

