Am 20.03.2025 stellte Claus Leggewie das Buch „Zurück zur Wirklichkeit“ im Kulturzentrum Ludwigsburg vor, das er gemeinsam mit Daniel Cohn-Bendit verfasst hat. Der Politikwissenschaftler Claus Leggewie, Inhaber der Ludwig-Börne-Professur, Leiter des „Panel on Planetary Thinking“ an der Universität Gießen und ehemaliger Direktor des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen, diskutierte darüber mit dem stellvertretenden Direktor und Geschäftsführer des dfi Stefan Seidendorf. Gewidmet haben die Autoren das Buch Alfred Grosser (1925-2024), der jahrzehntelang bei der deutsch-französischen Aussöhnung mitgewirkt hat und einer der Gründerväter des dfi war.
Claus Leggewie blickt darin auf Dinge zurück, die Europa hätte anders machen müssen. Darüber hinaus geht er auf die Gefahren für Europa ein, darunter den am 24. Februar 2022 begonennen Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine und die Wiederwahl Donald Trumps zum Präsidenten der USA. Putin habe, so Leggewie, die Illusion zertrümmert, dass es in Europa keinen Angriffskrieg mehr geben würde.
Der Kulturwissenschaftler beschreibt, dass sowohl Putin als auch Trump systematisch versuchen würden, Europa zu verwirren und überflüssig zu machen und den Europäern so „den Boden zu entziehen“. Die momentane Umbruchsituation durch Regierungswechsel in mehreren Ländern schwäche Europa und führe zu Unzufriedenheit in der Bevölkerung. Die „miese Stimmung“ in Deutschland und Frankreich, wie Leggewie sie nennt, nütze nur „Marine Le Pen und Alice Weidel“.
In dem Buch wird jedoch nicht darauf geschaut, was schlecht läuft, sondern der Blick wird auch nach vorne gerichtet. Leggewie betont die Wichtigkeit, die deutsch-französische Freundschaft auszubauen, und positioniert sich – wie auch Cohn-Bendit – für eine deutsch-französische Konföderation. Gleichzeitig ist er fest davon überzeugt, dass es noch Hoffnung für die Zukunft Europas gibt. Es brauche dazu allerdings eine Änderung in der Koalition. Außerdem sollten wir Klartext sprechen und – falls erforderlich – auch aktiv Widerstand leisten. Allen müsse bewusst werden, dass aktuelle Krisen bewältigt werden können und die Lage sich durch das Anpacken von Problemen zum Positiven hin verändern kann.
Leggewie beendete sein Gespräch mit Stefan Seidendorf mit den Worten: „Ich brauche kein sozialistisches Paradies, es geht darum, was noch ansteht. Damit können wir gewinnen.“ Im Anschluss gab es eine Diskussionsrunde mit dem Publikum. Diese bot dem Autor die Möglichkeit, einige Themen seines Buchs genauer zu erläutern und Fragen des Publikums zu beantworten, wie z. B. zur Zukunft Europas. Auf die Frage nach den Ursachen für die Unzufriedenheit der Bevölkerung in Deutschland und Frankreich vermutet Claus Leggewie, dass diese in einem epistemischen Problem begründet liegen. Als weitere Faktoren führt er die Desinformation in den Medien sowie ein verloren gegangenes Gefühl von Freiheit an.
Das Buch Zurück zur Wirklichkeit: Eine politische Freundschaft (ISBN: 978-3-8031-3753-1) von Daniel Cohn-Bendit und Claus Leggewie ist bei Wagenbach erschienen und kann im Buchhandel erworben werden.


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