Deutsch französisches Institut:
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Ludwigsburg
Vortragsreihe des dfi in Kooperation mit der vhs

Arbeitsmarkt und Rente: Wo liegen die Unterschiede zwischen Deutschland und Frankreich?

Dominik Grillmayer über Unterschiede zwischen Deutschland und Frankreich im Bereich Arbeitsmarktbeteiligung, Arbeitszeiten und Renteneintritt

Angesichts der wirtschaftlichen und demographischen Herausforderungen in beiden Ländern wird viel über Arbeitsmarktbeteiligung, Arbeitszeiten und Renteneintritt diskutiert. Gerade in Frankreich fallen die Debatten hierzu meist sehr hitzig aus. Die von weiten Teilen der Bevölkerung abgelehnte Rentenreform von 2023 ist nur ein Beispiel. 

Im deutsch-französischen Vergleich werden die Fakten teilweise etwas verkürzt dargestellt, wodurch der Eindruck entstehen kann, dass der Reformdruck in Frankreich ungleich höher ist. Doch sind die Unterschiede zwischen Deutschland und Frankreich wirklich so groß? Diesen Fragen ging Dominik Grillmayer, wissenschaftlicher Mitarbeiter am dfi, in seinem Vortrag am dfi nach. 

Ausgehend von strukturellen Fragen zur Finanzierung der sozialen Sicherungssysteme in beiden Ländern und den damit verbundenen Kopf-Ausgaben (die sehr nahe beieinander liegen) skizzierte Grillmayer wesentliche Merkmale und Reformen der französischen Rentenversicherung und setzte sie in Bezug zu den Entwicklungen in Deutschland. Nachdem das Renteneintrittsalter, unterstützt durch politische Entscheidungen, bis Mitte der 1980er Jahren stark gesunken war, führten die wachsenden Defizite der Rentenkassen dazu, dass die Zugangsbedingungen zu einer abzugsfreien Rente über die vergangenen Jahrzehnte immer weiter verschärft wurden, ohne dass das immer stärker unter Druck geratende umlagefinanzierte System grundsätzlich in Frage gestellt wurde. Die Anhebung von Altersgrenzen und erforderlicher Beitragsjahre ließen das durchschnittliche Renteneintrittsalter in beiden Ländern in den letzten Jahren kontinuierlich ansteigen, wobei die Französinnen und Franzosen weiterhin etwas früher in Rente gehen und die durchschnittliche Nettoersatzquote höher liegt.  

Im Zweiten Teil seines Vortrags beleuchtete Grillmayer vergleichend die Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt, die für die Finanzierung der Rentenversicherung von großer Bedeutung sind. Trotz einer höheren Beschäftigungsquote in Deutschland, die sich vor allem anhand der Unterschiede bei der Erwerbsbeteiligung bestimmter Altersgruppen (15-24 Jahre, 55-64 Jahre) erklären lässt, liegen beide Länder beim Arbeitsvolumen etwas weniger weit auseinander (insbesondere aufgrund der höheren Teilzeitquote in Deutschland). Dabei verwies Grillmayer auch auf die französischen Erfolge der letzten Jahre bei der Senkung der Arbeitslosenquote – auch wenn diese zuletzt wieder gestiegen ist. Da die Beschäftigungsquote aber bis auf Weiteres stabil bleibt, erklärt sich dieser Anstieg eher mit der zuletzt gestiegenen Erwerbsquote.

Abschließend richtete Grillmayer den Blick auf die anhaltenden Diskussionen über die zukünftige Finanzierbarkeit der Rentensysteme – besonders mit Blick auf die in Frankreich derzeit ausgesetzte Reform von 2023. Kann die Politik in beiden Ländern die Kraft und den Willen aufbringen, nachhaltige und sozial ausgewogene Anpassungen oder auch grundlegende Veränderungen zu beschließen? Schwierige Mehrheitsverhältnisse in den Parlamenten und polarisierende Debatten lassen daran zweifeln. 

 

Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Volkshochschule Ludwigsburg

Martin Villinger begrüßt die Gäste
Dominik Grillmayer führt in die Thematik des Abends ein
Dominik Grillmayer
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