Deutsch französisches Institut:
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Ludwigsburg
Das dfi in den Stadtgeschichten des Ludwigsburg Museums

Das Deutsch-Französische Institut und die Villa Frischauer

Die Reihe „Stadtgeschichten“ des Ludwigsburg Museums hat im dfi Station gemacht. Thema des Abends war die Geschichte der Villa Frischauer und ihre wechselnde Nutzung in den vergangenen 100 Jahren.

Zu Beginn der Veranstaltung gab Martin Villinger einen kurzen Einblick in die Tätigkeit des dfi, das seit 79 Jahren darin untergebracht ist, und in die Geschichte des Hauses: Erbaut wurde es 1923 für die Familie Frischauer, ihr Architekt war Otto Eichert. Laut einer Beschreibung des Landesdenkmalamts gehört „die Villa (…) einer neben dem Bauhaus existierenden Strömung an, die in ganz eigener Weise klassizistische Elemente aufnimmt, ohne historisch zu sein.“

Der Vater der Familie, Hans Frischauer, geb. 1883, war ein tschechischer Jude, der seit 1905 in Ludwigsburg lebte. Er leitete erfolgreich die Asperger Chemierwerke, die u.a. Nitrozellulose-Lacke produzierte und zu ihren Kunden die Deutsche Reichsbahn, Landesunternehmen und kommunale Einrichtungen zählte. Als Jude sah er sich ab 1933 zunehmenden Repressalien durch die Nationalsozialisten ausgesetzt und emigrierte schließlich kurz vor dem Krieg mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen nach Prag. Dort wurden sie schon bald vom Naziterror eingeholt und 1942 im Vernichtungslager Belzec umgebracht.

Die Villa der Familie wurde von 1939 – 1945 als Dienstwohnung des nationalsozialistischen Oberbürgermeisters von Ludwigsburg genutzt. 1945 beschlagnahmte die US-Militärregierung das Anwesen und übergab es 1949 der Aufsicht des Amts für Vermögenskontrolle in Stuttgart. Dieses gab es 1950 an Gertrud Karoline Frischauer, der Tochter der Familie, die noch vor dem Krieg nach Großbritannien hatte auswandern können, zurück.

1956 wurde die Villa an das dfi vermietet, das die Räumlichkeiten bis 1995 sowohl für die Ausübung seiner Tätigkeit als auch als Dienstwohnung des Direktors und seiner Familie nutzte. Auffällig an der zeitgenössischen Berichterstattung zum Einzug des dfi sei, so Villinger, dass darin einerseits der Gedanke der Versöhnung und Völkerverständigung beschworen, andererseits aber mit keinem Wort auf die früheren Besitzer des Hauses eingegangen wurde. Das Unrecht, dass der Familie Frischauer angetan wurde, scheine erst wesentlich später ein Thema für die lokale Geschichtsforschung geworden zu sein. 2009 wurden schließlich vier Stolpersteine verlegt, um an Hans und Meta Frischauer und ihre Söhne Robert und Walter als Opfer des Holocaust zu erinnern.

Über die fast 40 Jahre der Doppelnutzung des Hauses berichtete im Anschluss Hannelore Braun, die 1961 als Auszubildende im dfi begonnen und es 48 Jahre später als Verwaltungsleiterin verlassen hat. Anlässlich des 50jährigen Bestehens des Instituts schrieb die Stuttgarter Zeitung 1998 „ohne sie würde hier nichts laufen“, 2010 wurde Hannelore Braun für ihr unermüdliches Engagement das Bundesverdienstkreuz verliehen.

In einem moderierten Gespräch erzählte sie von ihrem ersten Tag im dfi im April 1961 und der sehr gedämpften Atmosphäre im Haus zu den Zeiten, als das Ehepaar Schenk den ersten Stock bewohnte. Mit dem Einzug der Familie Picht mit ihren vier Töchtern 1972 habe sich die Stimmung im Haus schlagartig verändert, so Hannelore Braun. Auf einmal sei viel mehr Leben „in der Bude“ gewesen und eine Trennung von dienstlichen und privaten Dingen sei für Robert Picht, Direktor des dfi von 1972 – 2002, mit seinen später insgesamt sechs Kindern in dieser Wohnsituation kaum möglich gewesen.

Im Jahr 1995 zogen Pichts aus der Villa aus, da die Stadt als Besitzer des Gebäudes entschieden hatte, dass die Räumlichkeiten künftig ausschließlich als Büros und für Veranstaltungen genutzt werden sollten. Frau Braun schloss mit ihren Erinnerungen an den einzigen Besuch von Gertrud Karoline Basto, geb. Frischauer, in ihrem Elternhaus im Jahr 1998. Sie habe Frau Basto damals durch die Villa geführt, was für sie eine sehr beeindruckende und unvergessliche Begegnung war.

Im Anschluss an das Gespräch nutzten die knapp 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Gelegenheit, gemeinsam mit ihr die Räumlichkeiten des dfi zu besichtigen.

In Kooperation mit dem Ludwigsburg Museum

Hannelore Braun erzählt von den lebhaften Zeiten mit Familie Picht im Haus.
Hannelore Braun erzählt von den lebhaften Zeiten mit Familie Picht im Haus.
Hannelore Braun zeigt einen früheren Wohnraum im zweiten Stock des Hauses.
Hannelore Braun zeigt einen früheren Wohnraum im zweiten Stock des Hauses.
Martin Villinger führt in die Geschichte der Villa Frischauer ein.
Martin Villinger führt in die Geschichte der Villa Frischauer ein.
Hannelore Braun erzählt über die Zeiten, in denen das Ehepaar Schenk den ersten Stock des Hauses bewohnte.
Hannelore Braun erzählt über die Zeiten, in denen das Ehepaar Schenk den ersten Stock des Hauses bewohnte.
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Ansprechpartner/in
Martin Villinger

Directeur de la Frankreich-Bibliothek

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