Deutsch französisches Institut:
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Stuttgart
Französischlehrer*innentag

Deutsch-Französischer Tag für Französischlehrer*innen

Am 27. Januar 2017 haben das dfi und das Institut Français Stuttgart zum achten Mal gemeinsam einen deutsch-französischen Tag für Französischlehrer organisiert, die Veranstaltung fand in den Räumlichkeiten des Institut Français am Berliner Platz in Stuttgart statt.

Rund 120 Französischlehrer hörten dabei Vorträge zu Frankreich vor den Wahlen, über „pädagogische Projekte“ als Königsweg zu einem interaktiven Unterricht, über die komplizierten Beziehungen zwischen Religion, Schule und Laizität und über die Situation in Problemvierteln französischer Städte.

Georges Leyenberger, Sprachreferent für Baden-Württemberg und das Saarland und zugleich stellvertretender Direktor des Institut Français Stuttgart, wies in seinem Grußwort darauf hin, dass zum ersten Mal seit 20 Jahren in Frankreich die Zahl der Schüler, die Deutsch lernen, angestiegen sei: In den Collèges sind es im laufenden Schuljahr 515.000 Schüler und damit 6% mehr als im Schuljahr 2015/16. In Deutschland ist der Anteil der Schüler im Sekundarbereich, die Französisch lernen, dagegen leicht zurückgegangen: 2015 waren es 27,2%, 2016 26,6%; in Baden-Württemberg ist er mit 31,5% unverändert geblieben. Die Situation sei also, so Leyenberger, anders als allzu oft in der Presse dargestellt, nicht katastrophal. Sie sei aber auch noch nicht so positiv, dass man beiderseits des Rheins darauf verzichten könne, für die Sprache des Nachbarn zu werben. In Abstimmung miteinander würden deshalb in beiden Ländern demnächst neue Initiativen gestartet, Kinder und Jugendliche für Deutsch bzw. Französisch zu begeistern. Leyenberger dankte den Lehrern für ihr unermüdliches Engagement für die französische Sprache und Kultur und den Vertretern des Kultusministeriums und der Regierungspräsidien für ihre beständige Unterstützung der Arbeit des Institut Français.

Annette Laur als Vertreterin des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg sprach den Wunsch aus, dass die deutsch-französischen Kontakte und Freundschaften auf Schulebene „dazu beitragen, Entwicklungen im Nachbarland zu verstehen, eventuelle Abgrenzungsbestrebungen zu hinterfragen und die Entwicklung von Feindbildern zu verhindern“ und so Isolationsbestrebungen sowohl in der Europäischen Union als auch weltweit entgegenwirken. Aus ihrer Sicht sei es wichtig, dass neben der sozialen, politischen und wirtschaftlichen Realität Frankreichs beim Deutsch-Französischen Tag auch vermittelt werde, „dass Deutsche und Franzosen bei allen, auch historisch bedingten, sozio-kulturellen Unterschieden doch sehr viele tiefreichende Gemeinsamkeiten aufweisen“.

Im Anschluss an die Grußworte konnten die Teilnehmer zwei der vier folgenden Vortragsangebote besuchen: 
Prof. Dr. Frank Baasner, Direktor des dfi, und Dominik Grillmayer, ebenfalls dfi, erläuterten die Situation Frankreichs vor den Wahlen, worin sich die Programme der aussichtsreichen Bewerber um das Präsidentenamt unterscheiden und wohin sich das Land nach den Präsidentschaftswahlen im Mai und den Parlamentswahlen im Juni entwickeln könnte. Prof. Dr. Christian Minuth von der PH Heidelberg vermittelte wie „pädagogische Projekte“ zu einem interaktiven Unterricht beitragen können, in dessen Zentrum die Schüler stehen und in dem zugleich die Prinzipien des interkulturellen Lernens respektiert werden. Prof. Jean-Paul Willaime von der École pratique des hautes études erklärte in seinem Vortrag über Beziehungen zwischen Religion, Schule und Laizität, welche Probleme schulische und religiöse Akteure lösen müssen und wie die Beziehungen zueinander in einer für alle Seiten akzeptablen Weise gestaltet werden können. Welche Ansätze in Frankreich verfolgt werden, um die Situation der 5,3 Millionen Menschen, die in „quartiers prioritaires“ leben, zu verbessern, legte Martin Villinger, dfi, in seinem Beitrag „Abgehängt in der Banlieue - Territoriale Ungleichheit in Frankreich“ dar.

In den Pausen konnten sich die Lehrer an den Ständen des dfi, des Institut Français und der Verlage Klett, Cornelsen und Reclam über deren Angebote informieren. Nur dank der Unterstützung der drei Verlage war es möglich, externe Referenten für die Veranstaltung zu gewinnen.

Dominik Grillmayer referiert über Frankreich vor den Wahlen
Dominik Grillmayer referiert über Frankreich vor den Wahlen
Jean-Paul Willaime diskutiert mit Teilnehmern über Religion, Schule und Laizität
Jean-Paul Willaime diskutiert mit Teilnehmern über Religion, Schule und Laizität
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