Deutsch französisches Institut:
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Esslingen
Französischlehrer*innentag

Deutsch-Französischer Tag für Französischlehrer*innen

Zum vierten Mal in Folge haben das dfi und das Institut Français Stuttgart gemeinsam einen deutsch-französischen Tag organisiert. An der Veranstaltung mit dem französischen Kinderbuchautor und –Übersetzer Bernard Friot nahmen rund 110 Französischlehrer teil. Andreas Stoch, Minister für Bildung, Jugend und Sport Baden Württemberg beehrte die Veranstaltung mit einem Grußwort. Die Räumlichkeiten stellte freundlicherweise die Landesakademie für Fortbildung und Personalentwicklung an Schulen in Esslingen zur Verfügung.

In seiner Eröffnungsansprache betonte Michel Charbonnier, Generalkonsul Frankreichs in Baden-Württemberg, darauf hin, dass sich die Zukunft der deutsch-französischen Beziehungen auf die Jugendlichen stütze, die in der Schule Französisch lernten. Diese zu unterrichten, zu motivieren und zu begeistern sei Aufgabe der Französischlehrer. Und glücklicherweise ließen sie bei deren Erfüllung in ihrem Engagement nicht nach, wofür er ihnen danke.
Prof. Dr. Frank Baasner, der die Teilnehmer im Namen des dfi begrüßte, lobte die „Weisheit der Ministerialbeamten“, die die Idee gehabt hätten, ein deutsch-französisches Jahr auszurufen. Die Vielzahl der von zivilgesellschaftlicher Seite organisierten Veranstaltungen zeige, dass die deutsch-französische Freundschaft nicht nur von offiziellen Stellen behauptet, sondern von den Bürgern tatsächlich gelebt werde. Bei all den Feierlichkeiten rund um den 50. Jahrestag des Elysée-Vertrages solle man nicht vergessen, dass die Aussöhnung zwischen Deutschen und Franzosen nicht erst 1963 angefangen habe, sondern schon viel früher. 1945 habe beispielsweise ein erstes deutsch-französisches Jugendtreffen, initiiert von einem Jesuitenpater, am Bodensee stattgefunden. Charles de Gaulle und Konrad Adenauer konnten auf diese Bewegung aufbauen. Das Ergebnis sei ein schönes Beispiel für ein Wechselspiel von gesellschaftlicher Kraft und politischer Aktion.

Dass die Zahl der Schüler, die Französisch lernen, nicht so hoch sei, wie sie sein könnte, sollte man nicht dramatisieren. Es käme immer häufiger vor, dass Deutsche oder Franzosen aufgrund ihrer beruflichen Situation im Erwachsenenalter die Sprache des Nachbarlandes lernten, also eine zweite Chance wahrnähmen. Durch politische Initiativen Französisch an Schulen zu fördern sei schwierig, meinte Baasner, und erinnerte an den Versuch der Regierung Erwin Teufels, Französisch verpflichtend als erste Fremdsprache in Gymnasien am Oberrhein einzuführen. Dennoch sollte sich das Angebot der Schulen nicht nur an der Nachfrage von Seiten der Eltern und Schüler orientieren.

Kultusminister Stoch begann seine Ansprache mit dem Eingeständnis, dass auch er seinerzeit ein Schüler gewesen sei, der – aus Gründen die er nicht mehr benennen könne – bei der Wahl der zweiten Fremdsprache Latein den Vorzug vor Französisch gegeben habe. Seitdem suche er jemanden, mit der er sich unterhalten könne. Im Alter von 17 Jahren habe er dann erleben müssen, sich mit den Schülern und Schülerinnen aus der französischen Partnerstadt nicht unterhalten zu können, und seine Entscheidung für Latein ein erstes Mal bedauert. Trotzdem er erst seit neun Tagen im Amt sei, wisse er sehr wohl um das fortdauernde Engagement der Französischlehrer für den Französischunterricht. Schon 1963 sei ein Ziel des Freundschaftsvertrages gewesen, die Zahl der Schüler, die  die Sprache des Nachbarn lernen, zu erhöhen. Und Angesichts der Tatsache, dass sich aktuell 75 % aller Schüler an Gymnasien Französischkenntnisse aneignen, und es im Land 17 AbiBac-Schulen gäbe, könne man durchaus behaupten, dass dieses Ziel zumindest in Baden-Württemberg erreicht worden sei.

Hauptreferent der Veranstaltung war der in Frankreich sehr bekannte Kinderbuchautor Bernard Friot, der sich auch als Übersetzer von Christine Nöstlinger oder Mirjam Pressler einen Namen gemacht hat. Friot trug zunächst über das Thema literarische Übersetzung im Französischunterricht vor und erläuterte an Buchbeispielen, wie sich durch die zu wörtliche Übersetzung von Texten und die Nichtbeachtung kulturell bedingter Subtexte im Ursprungstext der Sinn verändert und die eigentliche Intention des Autors in der Übersetzung verfälscht werden könne. Sein zweites Referat widmete sich der Verbindung von Poesie und Grammatik. Trotzdem diese eigentlich konträr wahrgenommen werden, könnten beide doch im Unterricht kreativ miteinander verbunden werden. Wichtig sei, die Schüler zu ermutigen, zu schreiben und keine Angst vor Fehlern zu haben. Sprachliche Fehler seien oft Quelle origineller Formulierungen, die einem Muttersprachler niemals einfallen würden.

Martin Villinger stellte dem Publikum zwei neue Angebote des dfi vor: Das gemeinsam mit der Landeszentrale für politische Bildung entwickelte Portal „De Gaulle Rede 1962“ und die online verfügbare Datenbank deutsch-französischer Karikaturen, deren Inhalt mit freien Schlagworten beschrieben wird.

Zum stimmungsvollen Abschluss des Tages gaben Jean-Michel Brac und seine Begleiterin Patricia Steinhoff eine Mischung bekannter französischer Chansons und eigener Lieder zum Besten. Sie beendeten Ihre Darbietung mit einer deutsch-französischen Version des Liedes „Gute Nacht, Freunde“ von Reinhard Mey. Und obschon im Saal natürlich striktes Rauchverbot herrschte und der vom Klett-Verlag angebotene Sekt schon lange abgetragen war, gingen die Teilnehmer doch zufrieden nach Hause. Im nächsten Jahr wird der deutsch-französische Tag für Französischlehrer voraussichtlich an einem noch zu bestimmenden Ort im Regierungspräsidium Tübingen stattfinden.

Der französische Kinderbuchautor Bernard Friot bei seinem Vortrag
Der französische Kinderbuchautor Bernard Friot bei seinem Vortrag
Zuhörer beim deutsch-französischen Tag
Zuhörer beim deutsch-französischen Tag
Kultusminister von Baden-Württemberg Andreas Stoch beim deutsch-französischen Lehrertag in Esslingen
Kultusminister von Baden-Württemberg Andreas Stoch beim deutsch-französischen Lehrertag in Esslingen
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