Deutsch französisches Institut:
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Ludwigsburg
Französischlehrer*innentag

Deutsch-Französischer Tag für Französischlehrer*innen

Auch in diesem Jahr organisierten das dfi und das Institut français Stuttgart gemeinsam einen deutsch-französischen Tag. Die Pädagogische Hochschule Ludwigsburg konnte als Mitveranstalter gewonnen werden. In deren Räumlichkeiten fand die Veranstaltung statt.

Rund 110 Französischlehrer hörten dabei den Vortrag zum Thema „Vivre en France, vivre en Allemagne. Différentes approches du monde“ von Henrik Uterwedde und nahmen an den Schreibwerkstätten der Slam-Poeten Luciole, Nico K und Ken Yanamoto teil.

Eines der Ziele des deutsch-französischen Tages sei, die freundschaftlichen Verbindungen beider Länder zu pflegen und das wechselseitige Vertrauen zu stärken und davon ausgehend, neue Projekte auf den Weg zu bringen, betonte Emmanuel Suard, Kulturrat der französischen Botschaft in Berlin und Direktor des Institut français Deutschlands, in seiner Begrüßungsansprache. Dies gelinge Dank des Engagements vieler unterschiedlicher Veranstalter jedes Jahr aufs Neue. Michel Charbonnier, Generalkonsul Frankreichs in Baden-Württemberg, Prof. Dr. Jürgen Mertens von der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg und Prof. Dr. Henrik Uterwedde, Stellvertretender Direktor des Deutsch-Französischen Instituts Ludwigsburg, schlossen sich seinen Worten an und hießen ihrerseits die Teilnehmer im Namen der veranstaltenden Einrichtungen in kurzen Grußworten willkommen.

Erstmals in dieser Veranstaltungsreihe wurden Workshops angeboten und so den Teilnehmern Gelegenheit gegeben, in kleinen Gruppen selbst Inhalte zu erarbeiten. Luciole, französische Slam-Meisterin 2005 und 2006 und seitdem vor allem als Sängerin aktiv, ihr Partner Nico K, Schauspieler und Animateur von Schreibwerkstätten, und der Deutsch-
Japaner Ken Yamamoto, geboren in Paris und französisch-sprachig aufgewachsen, führten in ihren jeweiligen Kleingruppen in die Kunst der Stegreifdichtung ein und hielten die Lehrer an, ausgehend von zehn Wörtern selbst ein Gedicht zu schreiben. Beim Slam komme es gar nicht so sehr auf grammatikalisch korrekte Konstruktionen an, so Luciole, sondern darauf, mit der Sprache zu spielen, zu reimen und spontan zu sprechen. Jeder Schüler solle und könne so motiviert werden, sich einzubringen und selbst etwas zu sagen und auch zurückhaltende Schüler würden beim gemeinsamen Dichten ihre übliche Scheu überwinden.

Parallel zu den Workshops sprach Henrik Uterwedde zu dem neuen Abiturschwerpunktthema für das Fach Französisch, bei dessen Bearbeitung deutsche und französische Herangehensund Sichtweisen erörtert und miteinander verglichen werden sollen. Als Vergleichsthema wählte er die jeweiligen politisch-administrativen Systeme, die oft auch die Ursache für eine falsche Interpretation des politischen Geschehens seien. Für einen Franzosen, so Uterwedde, der eine pyramidenförmige Organisation mit z.B. einem Prä-
sidenten oder Bürgermeister an oberster Position gewohnt sei, sei es schwer zu verstehen, dass in Deutschland, um zu einer Lösung zu gelangen, viele unterschiedliche Akteure, wie Koalitionspartner oder Bundesländer in den politischen Entscheidungsprozess einbezogen werden müssen. Für einen den Konsens gewohnten Deutschen hingegen seien das ausgeprägte französische Lagerdenken und die daraus resultierenden, laut ausgetragenen Konflikte nicht immer nachvollziehbar.

Als Anekdote zum unterschiedlichen Gebaren deutscher und französischer Politiker führte er das Beispiel eines französischen Ministers an, der zu einem Skandal im französischen Fußball Stellung bezog, der mit seinem eigentlichen Aufgabengebiet nichts zu tun hatte. In Deutschland, so Uterwedde, würde sich ein Regierungsmitglied nie offiziell zu einer solchen „Alltagsangelegenheit“ äußern.

In den Pausen konnten sich die Lehrer an den Ständen des dfi, des Institut français und der Verlage Klett, Cornelsen und Reclam über deren Angebote informieren. Nur dank der Unterstützung der drei Verlage war es möglich, drei Künstler für die Schreibateliers an die Pädagogische Hochschule einzuladen.

Ein kleines Konzert von Nico K, Luciole und ihrem Gitarristen Benoit Guivarch im Café Lit bildete den stimmungsvollen Abschluss des Nachmittags.

Luciole unterstützt die Teilnehmerinnen ihres Ateliers beim Dichten
Luciole unterstützt die Teilnehmerinnen ihres Ateliers beim Dichten
Henrik Uterwedde erläutert die Unterschiede der politischen Systeme
Henrik Uterwedde erläutert die Unterschiede der politischen Systeme
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