Anlässlich des französischen Nationalfeiertages am 14. Juli 2025, haben das Partnerschaftskomitee Pliezhausen – Pays Mornantais und die Mediothek Pliezhausen eine Veranstaltung rund um die französische Kultur organisiert, um die deutsch-französische Freundschaft zu feiern. In seinem Vortrag hat Baptiste Bouchet anhand von unterschiedlichen Beispielen gezeigt, wie Frankreich und Deutschland zur Entwicklung der Europäischen Union beigetragen haben.
Frankreich und Deutschland haben sich über Generationen hinweg bekriegt, und diese Kriege haben das Bild der Nachbarn nachhaltig geprägt. Im Laufe der 1950er-Jahre begannen beide Länder jedoch einen Annäherungsprozess, der schließlich zur Unterzeichnung des Élysée-Vertrags am 22. Januar 1963 führte. Dieses Abkommen gilt als Grundstein der deutsch-französischen Freundschaft und regelt die politischen Grundlagen der Beziehungen, zum Beispiel durch regelmäßige Treffen auf unterschiedlichen Ebenen. Mit dem am 22. Januar 2019 unterzeichneten Aachener Vertrag wurde diese Beziehung weiter vertieft.
Dank dieser besonderen Partnerschaft konnten Deutschland und Frankreich eine führende politische Rolle in Europa übernehmen. Zwar vertreten beide Länder oft unterschiedliche Positionen, jedoch haben sie immer gemeinschaftsfördernde Kompromisse gefunden, um die Europäische Union voranzubringen. Der Vertrag von Maastricht gilt in diesem Zusammenhang als anschauliches Beispiel: Dank seiner klaren Unterstützung für die deutsche Wiedervereinigung konnte der damalige Präsident François Mitterrand den Bundeskanzler Helmut Kohl überzeugen, dem Prinzip einer gemeinsamen europäischen Währung zuzustimmen.
Auch die Zivilgesellschaft spielt(e) eine große Rolle für die Entstehung der Freundschaft. Baptiste Bouchet betonte, dass erste zivilgesellschaftliche Projekte für eine Annäherung beider Länder in den 1940er- und 1950er-Jahren entstanden sind. Die Gründung des Deutsch-Französischen Institut (1948) oder die Unterzeichnung von Städtepartnerschafstabkommen (z.B. Montbéliard und Ludwigsburg 1950 oder Nice und Nürnberg 1954) beweisen das frühe Engagement der Bürgerinnen und Bürger. Wenn die Politik passiv ist, ist es häufig die organisierte Zivilgesellschaft, die Probleme anspricht und Lösungen fordert – wie etwa nach der Einführung von Grenzkontrollen an der deutsch-französischen Grenze.
Anhand des Einsatzes der Politik und der Zivilgesellschaft zeigt sich, wie Frankreich und Deutschland bis heute zur Weiterentwicklung der EU beitragen können. Aufgrund dieser umfassenden Beziehung können beide Länder eine europäische Führungsrolle übernehmen, um die EU zu stärken und zu vertiefen. Gerade in Zeiten globaler Krisen ist ein starkes Europa wichtiger denn je.
Im Anschluss fand eine lebhafte Diskussion über verschiedene Themen statt. Der deutsche-französische Chor Reutlingen hat dann französische Lieder interpretiert. Wir bedanken uns herzlich beim Partnerschaftskomitee Pliezhausen – Pays Mornantais und bei der Mediothek Pliezhausen, insbesondere bei Dorothea Vollmer-Jeggle, für die Einladung und die Organisation der Veranstaltung.



