Manfred Hammes erzählte am 07. Mai im dfi von Südfrankreich, seiner ‚alten Liebe‘. Seine Eindrücke, Erlebnisse und die Begeisterung für diese Region teilt er in seinem etwas anderen Reiseführer „Durch den Süden Frankreichs – Literatur, Kunst, Kulinarik“ mit seinen Lesern.
Begonnen hatte Hammes Reise durch den Süden Frankreichs zunächst, als er mit 50 Jahren beschloss, ein Sabbat-Jahr einzulegen und ein Haus in einem abgelegenen Winkel des Départements Gard erwarb. Aus einem Jahr wurden alsbald zwei, drei Jahre und viele weitere Jahre, in denen er gemeinsam mit seiner Frau die Umgebung bereiste und auf den Spuren von Künstlern und Literaten wandelte. Hammes erzählte an diesem Abend im dfi viele kleine Anekdoten und weitgehend unbekannte Details, die er gesammelt hat und nahm so die Besucher mit auf eine von vielen Bildern illustrierte Reise durch Raum und Zeit. Er beschrieb die Weltmeisterschaften des boule carrée in Vézénobres (33 km nordwestlich von Nîmes), dem einzigen Ort an dem Boule mit rechteckigen Holzklötzen gespielt wird. Oder das charmante Städtchen Arles (zwischen Montpellier und Marseille an der Rhône gelegen), das eine ganz besondere Verbindung zu Vincent Van Gogh besitzt. Dieser kam im Jahr 1888 nach Arles, war vom ‚Licht des Südens‘ verzaubert, und so entstanden dort eine Vielzahl seiner Selbstportraits und die berühmten Sonnenblumenbilder. Hammes schilderte, wie Vincent van Gogh auf seine Umgebung in Arles wirkte und zeigte einen Zeitungsartikel aus der zeitgenössischen örtlichen Presse, in dem über das abgeschnittene Ohr des Malers berichtet wurde. Auch von anderen Künstlern wie Mourier und Gauguin war die Rede, die von Arles ebenso inspiriert waren wie Van Gogh.
Auf den Spuren der Geschichte Frankreichs ist es fast unumgänglich, nicht über Platanen und Baguette zu sprechen, und so erklärte Hammes auch, dass Napoléon an vielen Straßen in Südfrankreich Platanen-Alleen hatte pflanzen lassen, um seine Soldaten auf ihren Märschen vor der Sonne zu schützen. Das Baguette habe, so eine Legende, Napoléon erfunden, um dem Brot eine Form zu geben, die für die wandernden Soldaten leichter zu transportieren war. „Das Brot muss in jedermann Hosentasche passen!“, so der französische Kaiser. Bis dahin war das Brot in Frankreich ausschließlich rund und wurde deshalb auch boule genannt, weshalb bis heute eine ‚Bäckerei‘ boulangerie heißt. „Ob diese Geschichte stimmt? Ich sag es Ihnen ehrlich, man weiß es nicht“, so Hammes.
Auch den Pont du Gard, der von römischen Baumeistern ursprünglich als Wasserleitung von Uzès bis Nîmes gebaut worden war, streifte Hammes. „Es ist nicht nur mir bis heute ein Rätsel, wie es den Römern gelungen ist, eine so gut funktionierende Wasserleitung zu errichten, denn es wurde an vier Stellen gleichzeitig gebaut. Zumal bei solch geringem Gefälle!“, so Hammes. „Sie müssen sich einmal vorstellen, der Kanal ist gerade so breit wie meine Schultern!“. Nicht nur zum Aquädukt selbst, auch zu den Olivenbäume im Tal des Gard konnte er Überraschendes vermelden: Im harten Winter 1956 erfroren in Südfrankreich fast alle, deshalb wurden tausend Jahre alte Bäume dieser Art aus Andalusien ins Tal des Gard umgesiedelt und so erfolgreich der Regel „Einen alten Baum verpflanzt man nicht“ widersprochen. „Sowas haben wir auch gemacht, bei mir im Garten stehen mittlerweile auch Olivenbäume aus Spanien… Aber natürlich nicht tausend Jahre alte“, so Hammes schmunzelnd.
Manfred Hammes vermittelte an diesem Abend also die Geschichte des Midi nicht wie in einem herkömmlichen, langweiligen Geschichtsbuch sondern äußerst amüsant und anschaulich anhand zahlreicher gesammelter Anekdoten und Bilder. Er lüftete kleine Geheimnisse Südfrankreichs und machte Lust darauf, sich auch einmal selbst auf Entdeckungsreise durch diese schöne Gegend zu begeben. Dank Wein und Käse, die Hammes von dort mitgebracht hatte, bekamen die Besucher nach dem Vortrag zusätzlich noch die Gelegenheit, ein bisschen mehr in den Genuss Südfrankreichs zu kommen.
