Am 29. März 2019 fand in der PH-Ludwigsburg zum Thema Frankophonie ein deutsch-französische Tag für Französischlehrer statt, eine gemeinsame Veranstaltung des Deutsch-Französischen Instituts, des Institut Français Stuttgart und der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg.
Prof. Dr. Peter Kirchner, Prorektor für Studium, Lehre und Weiterbildung der PH, begrüßte die ca. 70 Teilnehmer in den Räumen der PH und wies dabei auch auf die seit 2011 bestehende Kooperation ihrer Französischabteilung mit der Universität Stuttgart hin. Im Rahmen der Professional School of Education für eine gemeinsame Lehrerbildung können z.B. Studierende von beiden Hochschulen wechselseitig Lehrveranstaltungen besuchen. Die wachsende Bedeutung der Frankophonie betonte Catherine Veber, französische Generalkonsulin und Direktorin des Institut Français Stuttgart, in ihrer Ansprache. Die Zahl der Menschen, die Französisch als Muttersprache sprechen, wird von heute 300 Millionen bis 2050 auf 750 Millionen ansteigen, was verstärkte politische und kulturelle Bemühungen für die Sprache nötig macht. Dafür, dass sie sich schon seit vielen Jahren für die Vermittlung der französischen Sprache einsetzen, dankte Veber den anwesenden Lehrern. Martin Villinger vom dfi hob in seinem Grußwort hervor, dass der Französischlehrertag 2019 der zehnte ist, den das dfi und das Institut Français Stuttgart gemeinsam an wechselnden Orten veranstalten, und nach 2014 der zweite, der im Trio mit der PH-Ludwigsburg organisiert wurde. Auf zwei deutsch-französische Schuljubiläen machte Claudia Häberlein vom Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg aufmerksam: Vor 50 Jahren, im Jahre 1969, wurde am Hegau-Gymnasium Singen der deutschlandweit erste bilinguale Zug deutsch-französisch eingerichtet und das Abibac feiert im Jahr 2019 sein 25jähriges Jubiläum. Außerdem drückte Häberlein ihre Freude darüber aus, dass sich mittlerweile ca. 150 Gymnasien in Baden-Württemberg an dem Pilotprojekt DELF scolaire B1 beteiligen, dass das Ministerium gemeinsam mit dem Institut Français durchführt. So werden nicht nur die sprachbegabteren oder leistungsstärkeren Schülerinnen und Schülern gefördert, sondern auch die, die am ganz regulären Französischunterricht teilnehmen.
Den anschließenden Plenumsvortrag hielt Bernard Magnier, Direktor der Reihe «Afriques» beim renommierten Verlag Actes Sud über die frankophone Literatur des subsaharischen Afrikas. Dabei bezog er sich mehrfach auf sein "Panorama des littératures francophones d'Afrique", das er im Auftrag des Institut Français ausgearbeitet hat. Darin hat er 250 literarische Werke (Gedichte, Romane, Novellen, Theaterstücke,…) von 150 afrikanischen Autoren, die auf Französisch schreiben und die zwischen den 1930er-Jahren und 2012 erschienen sind, nach sieben thematischen Kriterien wie z.B. „Geschichten von Kindern, Frauen, Familien“ oder „die Spuren der Geschichte“ zusammengestellt. Dieses Panorama soll zu ihrer Lektüre anregen und die Neugier auf die Länder, aus der ihre Autoren stammen, wecken.
In kleineren Gruppen konnten die Teilnehmer danach an zwei von vier angebotenen Ateliers teilnehmen: Martin Villinger, dfi, zeichnete anhand von Bildern, Statistiken und Karikaturen die Entwicklung der Einwanderung nach Frankreich vom Ende des 19. Jahrhunderts bis heute nach und stellte dar, wie Einwanderergruppen ihre gemeinsame Kultur und Sprache pflegen und sich so auch gegenseitig bei der sozialen und wirtschaftlichen Integration unterstützen. Welche Probleme aktuell bei der Integration von Minderheiten bestehen, wie die französische Regierung versucht, die Situation zu verbessern und was für gesellschaftliche Diskussionen derzeit in Frankreich rund um das Thema Migration geführt werden behandelte er im zweiten Teil seines Vortrags.
Im Atelier „Les images de l’autre?“ sprach sich Dr. Markus Buschhaus dafür aus, den Schülern im Unterricht das Bild eines modernen Afrikas zu vermitteln, das stolz auf seine Kunst und Kultur sei und sich immer besser darum bemühe, sie zu pflegen und zu vermitteln. Dazu verwendete er Fotos des senegalesischen Fotografen Omar Victor Diop, die zeigen, was für unterschiedliche Lebensumstände viele Afrikaner heute haben.
Wie man mit Hilfe eines Comics die Frankophonie im Unterricht einführen kann, zeigte Dr. Marc Blancher am Beispiel des 77. Lucky-Luke-Abenteuers „La Belle Province“ (dt. Schikane in Quebec). In diesem ersten nach dem Tod des Lucky-Luke-Erfinders Morris 2004 erschienen Band der Serie begibt sich der Cowboy, der schneller schießt als sein Schatten, nach Québec und wird dort mit vielen ihm unbekannten sprachlichen Eigenheiten konfrontiert, wie z.B. „tire-toi une bûche“ für „prends-toi une chaise“ oder „tanker le char“ für „faire le plein“.
Ursprünge, aktuelle Situation und Darstellung der Frankophonie im Unterricht waren das Thema des vierten Ateliers. Ihre Ursprünge, so Dr. Georges Leyenberger vom Institut Français Stuttgart, liegen in der Verbreitung der französischen Sprache als Mittel zur Etablierung der dritten Republik in den Kolonien. Erst nach dem zweiten Weltkrieg wurde sie als eine Möglichkeit der wechselseitigen kulturellen Bereicherung und für eine bessere Zusammenarbeit zwischen den Ländern angesehen. Der Schriftsteller und erste Präsident des Senegal Léopold Sédar Senghor definierte sie 1962 schließlich als „einen uneingeschränkten Humanismus, der sich um die ganze Erde spinnt“. Heute wird sie, wie Emmanuel Macron bei seiner Rede beim 17. Gipfel der Frankophonie 2018 in Erewan sagte, als ein Netz angesehen, das kein Zentrum hat. Im zweiten Teil zeigte Prof. Dr. Jürgen Mertens von der PH-Ludwigsburg an verschiedenen Beispielen, wie die Frankophonie in Schulbüchern dargestellt wird und forderte die Lehrer dazu auf, die Schüler möglichst selbstständig bei ihrer Erkundung agieren zu lassen.
In den Pausen konnten sich die Lehrer an den Ständen des dfi, des Institut Français und der Verlage Klett, Cornelsen und Reclam über deren Angebote informieren. Die drei Verlage fördern diesen deutsch-französischen Tag seit vielen Jahren und haben so dankenswerterweise dazu beigetragen, dass er zu einem festen Termin im Schuljahr vieler Französischlehrer geworden ist.


