Deutsch französisches Institut:
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Fellbach
Französischlehrer*innentag

„Michel muss Marianne heiraten“

Wie schon im letzten Jahr haben das Institut Français Stuttgart und das Deutsch-Französische Institut (dfi) am 24.01.2011 gemeinsam einen Deutsch-Französischen Tag für Französischlehrer veranstaltet. Thema in diesem Jahr waren Migration und Integration in Deutschland und Frankreich.

Dabei hielt Stefan Mappus, Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg, seine erste Rede in seiner neuen Funktion als Bevollmächtigter für die deutsch-französische kulturelle Zusammenarbeit der Bundesrepublik Deutschland und anlässlich des 48. Jahrestages des Elysée-Vertrages am 24. Januar 2011 im Rathaus in Fellbach (siehe dfi-Analyse).

„Der Rhein trennt nicht, sondern er verbindet die Menschen miteinander“, mit dem Ergebnis, „dass die deutsch-französische Freundschaft gerade in Baden-Württemberg längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist“, sagte er zu Beginn seiner Ansprache. Was das heißt, in der Mitte der Gesellschaft angekommen zu sein, konnte der Ministerpräsident mit zahlreichen Beispielen untermauern: 30 Prozent der Schüler in Baden-Württemberg lernen Französisch, weit mehr als anderswo, die baden-
württembergischen Hochschulen haben mehr als 300 Partnerschaften begründet, die Austausch und Zusammenarbeit möglich machen, die Deutsch-Französische Hochschule, in den 90er-Jahren von Ministerpräsident Erwin Teufel auf den Weg gebracht, ist mit 12 wichtigen Standorten im Land vertreten. Dazu kommen 435 Städte, die partnerschaftlich verbunden sind, 16 Gymnasien, die eine deutsch-französische Hochschulreife anbieten und 130 deutsch-französische Kindertagesstätten. „Das bedeutet in der Summe“, so Mappus weiter, dass „die schulische Zusammenarbeit zwischen dem Elsass und Baden-Württemberg eigentlich enger [ist] als mit unserem östlichen Nachbarn Bayern“.

Ausdrücklich dankte der Ministerpräsident den Französischlehrern im Land. Durch ihren Einsatz konnte vieles von dem erreicht werden, „was Charles de Gaulle und Konrad Adenauer erträumt haben, als sie vor 48 Jahren den deutsch-französischen Freundschaftsvertrag unterzeichnet haben“. Die Sprache des Partners ist für Mappus „der Dreh- und Angelpunkt unserer Freundschaft“. Er schloss mit der Formulierung: „Die Freundschaft ist für uns, für Frankreich und alle Völker Europas ein Segen, den wir uns immer wieder bewusst machen müssen. Sie ist ein seltener Glücksfall der Geschichte. Ich werde alles tun, sie zu pflegen und ihr eine gute Zukunft zu eröffnen“.

Michel Charbonnier, Generalkonsul Frankreichs in Baden-Württemberg, wies darauf hin, dass sich die deutsch-französische Freundschaft 48 Jahre nach dem Abschluss des Elysee-Vertrages etabliert habe und gereift sei. „Die Zeit der Romantik und der großen Symbole ist vorbei“ so zitierte er Laurent Wauquiez, den derzeitigen Europaminister Frankreichs. Doch seien Deutschland und Frankreich stets in der Lage, sich zu verständigen und Kompromisse zu finden, was nicht selbstverständlich sei.

Christoph Palm MdL, Oberbürgermeister der Stadt Fellbach und Vorsitzender der Dr. Karl Eisele und Elisabeth Eisele Stiftung, unterstrich in seinem Grußwort, dass die Beziehungen zwischen beiden Ländern vor allem von deren Bürgern gelebt werden müssten. „Der Michel muss die Marianne heiraten, dann geht es Europa
gut“, zitierte Dr. Peter Theiner, Bereichsleiter Völkerverständigung Westeuropa, Amerika, Türkei, Japan, Indien bei der Robert Bosch Stiftung aus einem Brief von Robert Bosch. Dies zeige, dass der Gedanke eines deutsch-französischen Zusammengehens auch in Zeiten gespannter bilateraler Beziehungen lebendig gewesen sei.

Die Repräsentanten beider Stiftungen betonten in ihren Grußworten die Wichtigkeit des bilingualen Unterrichts an deutschen und französischen Gymnasien und die Notwendigkeit, diesen zu unterstützen. Deswegen haben sie die Ausarbeitung einer Materialsammlung zum Thema „Migration und Integration in Deutschland und Frankreich“ durch das dfi und die Arbeitsgemeinschaft der Gymnasien mit zweisprachig deutsch-französischem Zug in Deutschland (AG Franz-Biling) gefördert. Diese Sammlung wurde
anlässlich der Veranstaltung vorgestellt.

„Die bilingualen Gymnasien brauchen unsere Unterstützung. Sie sind wichtige Botschafter für die französische Sprache in Deutschland. Daher haben wir seit einigen Jahren gemeinsam mit den Lehrern spezielle Unterrichtsmaterialien für diese besonders motivierten Klassen entwickelt“, erklärte Prof. Dr. Frank Baasner, Direktor des dfi, den Beitrag seines Institits. Paul Palmen, Vorsitzender der AG Franz-Biling, sprach in seinem Grußwort seinen Dank an das dfi für die erfolgreiche Zusammenarbeit im Rahmen des Projektes zur „Migration und Integration in Deutschland und Frankreich“ aus und äußerte zugleich die Hoffnung, dass ähnliche Vorhaben folgen
würden.

In einem Fachvortrag über das Thema „Migration und Integration in Deutschland und Frankreich“ erläuterte Wolfgang Neumann, ehemaliger Mitarbeiter des dfi, Parallelen und Unterschiede in der Integration von Immigranten in beiden Ländern. Der Anteil von Mitbürgern mit Migrationshintergrund liege in Deutschland bei ca. 16 Millionen Menschen, in Frankreich bei ca. 14 Millionen, der Anteil an der Gesamtbevölkerung in beiden Ländern also bei ungefähr 20 %. Von diesen Menschen mit Migrationshintergrund seien in Deutschland acht Millionen eingebürgert, in Frankreich fünf Millionen. Erhebliche Gegensätze bestünden bei der Vergabe der Staatsbürgerschaft und den Anstrengungen zur Integration dieser Mitbürger. Im Gegensatz zu den Eindrücken, die Ausschreitungen in sozialen Brennpunktvierteln vermittelten, unternehme Frankreich enorme Anstrengungen zur Entschärfung bzw. Verbesserung der Situation in diesen Stadtteilen. Doch sei „der Fortschritt eben leider manchmal eine Schnecke“ so Neumann zum Erfolg dieser Bemühungen.

„Migration sollte nicht ein ,Problem sein, sondern eine Chance“, sagte Christa Weck, Leiterin der Redaktion Französisch des Klett Verlags in Stuttgart, in ihrem Grußwort. Als Beispiel hierfür nannte sie den aus dem Kongo stammenden Schriftsteller Wilfried N’Sondé, der zum Abschluss der Veranstaltung aus seinem Buch „Septembre d’Or“ las. Dieses ist vor kurzem im Klett-Verlag erschienen und wurde bei der Veranstaltung kostenlos verteilt. Zahlreiche Teilnehmer nutzen die Möglichkeit, sich ein Exemplar signieren zu lassen.

Wolfgang Neumann, ehemaliger Mitarbeiter des dfi bei seinem Vortrag
Wolfgang Neumann, ehemaliger Mitarbeiter des dfi bei seinem Vortrag
Paul Palmen, Vorsitzender der AG Franz-Biling und Schriftsteller Wilfried N‘Sondé
Paul Palmen, Vorsitzender der AG Franz-Biling und Schriftsteller Wilfried N‘Sondé
Christoph Palm MdL, Oberbürgermeister der Stadt Fellbach und Vorsitzender der Dr. Karl Eisele und Elisabeth Eisele Stiftung
Christoph Palm MdL, Oberbürgermeister der Stadt Fellbach und Vorsitzender der Dr. Karl Eisele und Elisabeth Eisele Stiftung
Publikum beim deutsch-französischen Lehrertag
Publikum beim deutsch-französischen Lehrertag
Publikum des deutsch-französischen Lehrertags am Büchertisch
Publikum des deutsch-französischen Lehrertags am Büchertisch
Publikum beim deutsch-französischen Lehrertag
Publikum beim deutsch-französischen Lehrertag
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