Deutsch französisches Institut:
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Ludwigsburg
Vortrag im dfi

„Mosaiksteinchen“ im Aussöhnungsprozess

Der Historiker Philippe Didion hat am 12. Dezember 2019 im dfi seine Masterarbeit zu Vorgeschichte, Rezeption und Auswirkungen der ersten fünf Begegnungen zwischen einer bundesdeutschen und französischen Fußballnationalmannschaft vorgestellt.

67 % der Franzosen wissen, welches Ereignis gemeint ist, wenn von „Sevilla 1982“ gesprochen wird. Die Erinnerung an dieses für die französische Mannschaft so tragisch verlaufene WM-Halbfinale gegen die DFB-Auswahl ist vor allem westlich des Rheins auch heute noch sehr lebendig. Seinerzeit löste es, so Didion, ein kurzes „Revival von Feindbildern“ aus, die man eigentlich überwunden geglaubt hatte.

Dass die Begegnungen zwischen beiden Mannschaften in den 1950er- und 1960er-Jahren aber durchaus positive Auswirkungen auf das wechselseitige Bild voneinander hatten, hat der junge Wissenschaftler bei seinen Forschungen herausgefunden. 

Das erste Spiel fand 1952 in Paris statt. Auf beiden Seiten fürchtete man damals politische Folgeschäden und bemühte sich deshalb auf diplomatischer Ebene im Vorfeld darum, mögliche Auslöser von Eklats zu vermeiden: Auf das Abspielen der Nationalhymnen wurde verzichtet, eine Blockbildung deutscher Fans durch eine gezielte Kartenabgabe verhindert. Gleichzeitig berichteten die Massemedien, vermutlich auch auf Bitten von Regierungsstellen, „verständnisfördernd“. In den folgenden Jahren verloren die deutsch-französischen Zusammentreffen ihre Brisanz, wobei sie, wie Didion betonte, stets einen besonderen Charakter behielten. Parallel zur Normalisierung der Beziehungen beider Länder wurden die Spiele symbolpolitisch instrumentalisiert: Beim fünften Aufeinandertreffen nach dem Krieg in Stuttgart begrüßte beispielsweise der damalige Bundespräsident Heinrich Lübke alle französischen und deutschen Spieler auf dem Platz und wertete die Begegnung durch seine Präsenz auf. Dies war auch das erste Mal, dass man nicht einfach nur ein „Länderspiel“ sondern ein „Freundschaftsspiel“ austrug.
In seinem kürzlich begonnen Promotionsprojekt möchte Didion nun der Frage nachgehen, inwieweit der Fußball auf allen Ebenen, also auch der des Profi-, Amateur- und Jugendfußballs, zur deutsch-französischen Annäherung auf und abseits des Fußballplatzes beigetragen hat.

Philippe Didion erläutert dem Publikum die Formation des „magischen Viereck“
Philippe Didion erläutert dem Publikum die Formation des „magischen Viereck“
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