Deutsch französisches Institut:
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Ludwigsburg
Vortrag im dfi

Neues Deutschland – neues Deutschlandbild?

Vortrag des Historikers Jean-Samuel Marx über Selbstdarstellung und Rezeption der Berliner Republik in Frankreich seit 2009

„Fremde Freunde“ – die Selbstdarstellung und Rezeption Deutschlands in Frankreich in Krisenzeiten

Am 23. Februar, und damit fast zwei Jahre nach dem ursprünglich dafür geplanten Termin, hat Jean-Samuel Marx seine Forschungsarbeit über das Bild und die Wahr- nehmung Deutschlands in Frankreich seit 1990 vorgestellt.

In seiner 2019 erschienenen Dissertationsveröffentlichung „Neues Deutschland ­ Neues Deutschlandbild?“ hat der Historiker dafür den gesamten Zeitraum von 1990 – 2015 untersucht. Bei seinem Vortrag im dfi fokussierte er sich allerdings auf drei Ereignisse, die nachhaltige Auswirkungen auf das französische Deutschlandbild und die deutsch­französischen Beziehungen hatten, Insbesondere fokussierte sich Marx auf die Eurokrise im Jahr 2009.

Damals vertrat die Bundesregierung den Standpunkt, dass eine Vergemeinschaftung von Schulden keine Lösung für die Eurokrise sein könne. Stattdessen verlangte sie, dass Eurozonen­-Länder mit zu großen Haushaltsdefiziten eine strikte Austeritätspolitik führen, um das Bestehen des Euros zu sichern. Deshalb warfen v.a. französische Politiker des linken Spektrums Deutschland vor, auf Kosten der Partner nur die eigenen wirtschaftlichen Interessen zu verfolgen, und förderten so auch alte Ressentiments: Der spätere Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg warf der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel in einem Fernsehinterview z.B. vor, eine gefährliche nationalistische und egoistische Politik im Stil von Bismarck zu führen. Deutsche Politiker wie Joschka Fischer und Martin Schulz forderten in Interviews mit der französischen Presse ebenfalls mehr Solidarität seitens Deutschlands mit europäischen Partnern in Bedrängnis ein. Europafreundliche Politiker wie Alain Juppé oder Pierre Moscovici hingegen wiesen die Verwendung von Feindbildern zurück und äußerten Verständnis für die deutsche Position. Angela Merkel selbst warb in einem langen Interview mit sechs großen europäischen Zeitungen, darunter Le Monde, im Januar 2012 für ihre Ansicht, dass Solidarität und Eigenverantwortung zusammengehören.

Die Meinungsverschiedenheiten über den Umgang mit Griechenland im Jahr 2009 und eine damit verbundene Diskussion über die Anwendung des sogenannten Modèle allemand auf Frankreich fanden ihren Nachhall im Präsidentschaftswahlkampf 2012. Der linkspopulistische Präsidentschaftskandidat Jean­Luc Mélenchon stellte die deutsche Politik bei seinen Wahlkampfauftritten als Irrweg zu Lasten der Armen dar und sagte auch, dass „Am Merkelismus das senile Europa kranke“. Der konservative Amtsinhaber Nicolas Sarkozy hingegen pries die Arbeitsmarktreformen des früheren sozialdemokratischen Bundeskanzlers Gerhard Schröder und forderte, dass sich Frankreich daran orientieren solle. Im Frühjahr 2013 bezeichnete der neu gewählte Präsident François Hollande die deutsch-französischen Beziehungen als „freundschaftliche Spannung mit Deutschland“, um deutlich zu machen, dass in seinem politischen Lager manche Positionen Deutschlands zwar abgelehnt würden, aber unter Freunden diskutiert werden könnten.

Ausführlich ging Marx auch auf Irritationen in den deutsch­-französischen Beziehungen in Folge der islamistischen Anschläge gegen Frankreich im Januar und der Flüchtlingskrise im Sommer 2015 ein.

Am Ende seiner Ausführungen wies Jean­Samuel Marx darauf hin, dass neben der politischen auch eine emotionale Komponente die Beziehungen zwischen den beiden Ländern beeinflusse, diese mit den Jahren aber schwächer werde. Das deutsch­- französische Tandem sei eines, so Marx, das trotz aller Unterschiede und Differenzen zwischen den beiden Ländern stets funktioniert habe und weiter funktionieren wird.

Jean-Samuel Marx stellt seine Forschungsarbeit über das Bild und die Wahrnehmung Deutschlands in Frankreich seit 1990 vor.
Jean-Samuel Marx stellt seine Forschungsarbeit über das Bild und die Wahrnehmung Deutschlands in Frankreich seit 1990 vor.
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