Deutsch französisches Institut:
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Stuttgart
Französischlehrer*innentag

Pour le plaisir d’apprendre le français

Deutsch-französischer Tag für Französischlehrer*innen in Stuttgart

Am 20. Mai 2022 fand unter dem Motto „Pour le plaisir d’apprendre le français“ der zwölfte deutsch-französische Tag für Französisch- lehrer*innen statt. Diese Reihe haben das Deutsch-Französische Institut und das Institut français Stuttgart 2010 gemeinsam ins Leben gerufen und organisieren sie seitdem mit wechselnden Partnereinrichtungen. Dies waren 2022 das Regierungspräsidium Stuttgart und erstmals auch das Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung Baden-Württemberg.

im ländlichen Raum war es genau umgekehrt. Außerdem lasse der Wahlausgang auf eine tiefe Krise des politischen Systems schließen. Zeigen würde sich diese v.a. im enormen Bedeutungs- verlust der früheren Volksparteien Parti socialiste und Les Républicains, die jahrzehntelang für die Aufteilung in ein linkes und ein rechtes Lager standen, einer immer größeren Anzahl von ungül- tigen Stimmen und einer sinkenden Wahlbeteili- gung. So sei die Présidentielle 2022 v.a. eine Persönlichkeitswahl gewesen, bei der es Marine Le Pen gelungen sei, ihr rechtsextremes Image abzulegen und von vielen als Anwältin der kleinen Leute wahrgenommen zu werden. Emmanuel Macron, der am Ende seiner ersten Amtszeit deutlich populärer war als seine Vorgänger Sarkozy und Hollande, werde im Gegensatz zu ihr von vielen als Vertreter einer volksfernen Elite wahrgenommen und vehement abgelehnt.

Prof. Ulrike Klotz, Bereichsleiterin für Moderne Fremdsprachen, interkulturelles und bilinguales Lernen und Ausbilderin für Französisch und bilingualen Unterricht im Seminar für Ausbildung und Fortbildung der Lehrkräfte Stuttgart, begrüßte die ca. 40 Teilnehmenden in den Räumen des Semi- nars für Ausbildung und Fortbildung der Lehrkräfte Stuttgart und drückte ihre Freude darüber aus, dass es nach der langen pandemiebedingten Un- terbrechung nun wieder möglich sei, sich auch in größerer Runde in einem Raum zu treffen. Sie sei überzeugt, dass persönliche Begegnungen in die- sem Rahmen besondere Synergieeffekte schaffen würden.

In seinem Plenumsvortrag analysierte Dr. Stefan Seidendorf, stellvertretender Direktor des dfi, das Ergebnis der französischen Präsidentschaftswahl im April. Darin offenbaren sich, so Seidendorf, zwei Spaltungslinien innerhalb der französischen Gesellschaft. Die eine hinsichtlich des Einkommensniveaus: Die große Mehrheit der Besserver- dienenden wählte Emmanuel Macron, die der Arbeiter*innen Marine Le Pen. Die andere hinsichtlich des Wohnorts: In Ballungsgebieten war der Anteil derer, die Macron ihre Stimme gaben, deutlich größer als derjenigen, die sich für Le Pen entschieden. In kleinen Städten und Gemeinden im ländlichen Raum war es genau umgekehrt. Außerdem lasse der Wahlausgang auf eine tiefe Krise des politischen Systems schließen. Zeigen würde sich diese v.a. im enormen Bedeutungs- verlust der früheren Volksparteien Parti socialiste und Les Républicains, die jahrzehntelang für die Aufteilung in ein linkes und ein rechtes Lager standen, einer immer größeren Anzahl von ungültigen Stimmen und einer sinkenden Wahlbeteiligung. So sei die Présidentielle 2022 v.a. eine Persönlichkeitswahl gewesen, bei der es Marine Le Pen gelungen sei, ihr rechtsextremes Image abzulegen und von vielen als Anwältin der kleinen Leute wahrgenommen zu werden. Emmanuel Macron, der am Ende seiner ersten Amtszeit deutlich populärer war als seine Vorgänger Sarkozy und Hollande, werde im Gegensatz zu ihr von vielen als Vertreter einer volksfernen Elite wahrgenommen und vehement abgelehnt.

In kleineren Gruppen konnten die Teilnehmenden danach an zwei von drei angebotenen Ateliers teilnehmen:
• In einem interaktiven Workshop über „theaterpraktische Verfahren im Französischunterricht“ zeigte Christopher Mischke, Bereichsleiter am Seminar Esslingen und Autor beim Klett-Verlag, auf anschauliche Weise und mit viel Humor, wie diese im Unterricht eingesetzt werden und ihn bereichern können. Die Lehrkräfte lernten dazu verschiedene Übungen kennen und probierten diese gleich selbst in der Gruppe aus, was ihnen viel Freude bereitete. Spannend fanden sie auch das „Dubbing“ (Synchronisieren), bei dem sich die Schüler*innen gegenseitig Impulse zum Nachsprechen und Vormachen geben. Theaterpraktische Verfahren vereinen Bewegung, Sprache, Musik und Akzentsetzung und fördern so die Vernetzung von Fähigkeiten, unterstützen soziales Lernen und tragen zum Abbau von Hemmnissen ebenso wie zur Steigerung des Selbstbewusstseins der Schüler*innen während des Lernprozesses bei, so Mischke.

• „Ein Fehler ist auch ein Lösungsversuch“, er- klärte Maryna Bidenko, Lehrerin für Französisch als zweite und dritte Fremdsprache, Fachschaftsleiterin an einem Ganztagsgymnasium und Autorin beim Cornelsen-Verlag, zu Beginn ihres Ateliers „Fehler ist nicht gleich Fehler“. Davon ausgehend ließ sie darüber diskutieren, ob grundsätzlich alle Fehler korrigiert werden sollten. Man einigte sich darauf, dass dies von der Aufgabenstellung und den Anforderungen abhängig gemacht werden müsse. Anschließend zeigte Frau Bidenko eine angepasste Bewertungstabelle, stellte digitale Möglichkeiten der Fehlerkorrektur vor und zeigte anhand eines Lehrwerks, wie Fehler wahrgenommen und in Übungen thematisiert werden können.

• Annemarie Mensch, Lehrerin am Theodor- Heuss-Gymnasium (THG) Esslingen, und Beate Nonhoff, Bereichsleiterin am Seminar Tübingen und mitverantwortlich für das Schüler*innen-Programm der Französischen Filmtage Tübingen | Stuttgart, riefen in ihrem Atelier „Filmproduktionen für Schüler*innenwettbewerbe“ dazu auf, sich von mangelnden technischen Kenntnissen nicht davon abhalten zu lassen, das Realisieren von Filmen in den Unterricht zu integrieren. Viele der Schüler*innen seien mit den auf ihren mobilen Endgeräten standardmäßig installierten Programmen so gut vertraut, dass sie auch ohne Anleitung in kurzer Zeit ansprechende kurze Filme machen könnten. Drei Schülerinnen vom Theodor-Heuss- Gymnasium Esslingen, die am THG bei Frau Mensch an einem Kurzfilm beteiligt waren, der beim Kurzfilmwettbewerb der französischen Filmtage einen Preis gewonnen hat, betonten, dass so ein Filmprojekt großen Spaß machen könne. „Man freut sich dann tatsächlich auf die Schule“, so eine von ihnen.

In den Pausen konnten sich die Lehrkräfte an den Ständen des dfi, des Institut français und der Verlage Klett, Cornelsen und Reclam über deren Angebote informieren. Die drei Verlage fördern diesen deutsch-französischen Tag seit vielen Jahren und haben so dankenswerterweise dazu beigetragen, dass er zu einem festen Termin im Schuljahr vieler Französischlehrer*innen geworden ist.

Die Französischlehrerin und ehemalige dfi-Praktikantin Friederike Sackmann vor den Ständen des dfi und des Reclam-Verlags
Die Französischlehrerin Friederike Sackmann vor den Ständen des dfi und des Reclam-Verlags
Vortrag von Stefan Seidendorf
Vortrag von Stefan Seidendorf
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