Die XXXI. Jahreskonferenz des deutsch-französischen Instituts (dfi) am 25. und 26. Juni vermittelte ein differenziertes Bild der von Staatspräsident Hollande im Mai 2014 angekündigten Territorialreform. Das dfi war damit eine der wenigen Forschungseinrichtungen in Deutschland, die sich mit dieser auf den ersten Blick trockenen Materie befasst haben. Die Tagungsbeiträge zeigen, dass viele Elemente der Reform noch unklar bleiben und wohl auch bis zum Eintreten der Reform im Januar 2016 nicht gelöst sein werden. Trotzdem wurde „Die neue Karte Frankreichs zwischen Wettbewerbsfähigkeit, Kompetenzstreitigkeiten und Europäisierung der Regionen“ wurde bei der Tagung mit vielen Details skizziert. Alleine die Dauer des Reformvorhabens – vom ersten Gesetzgebungsvorschlag am 28. November 2012 bis zur anstehenden Verkündung des Gesetzes über die Neuorganisation des Territoriums im Juli 2015 – zeigt seine Komplexität. Im Gegensatz zur ersten Dezentralisierung unter François Mitterrand 1982 gibt es kein Dachgesetz (loi mère), das alle weiteren Gesetzesakte einrahmt und organisiert. Stattdessen verfolgt die Regierung zwei große Baustellen, die von drei kleineren Baustellen flankiert werden.
Publikation:
Frankreich-Jahrbuch 2015. Frankreich nach der Territorialreform
Herausgegeben von Deutsch-Französisches Institut
Springer, 2016, 219 Seiten, broschiert
ISBN 978-3-658-13359-7