Deutsch französisches Institut:
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Deutsch-französische Sicherheitspolitik

Vortrag von Dr. Sascha Hach im dfi

Am 22. April 2026 referierte Dr. Sascha Hach vom PRIF, Leibniz-Institut für Friedens- und Konfliktforschung, vor über 60 Zuhörerinnen und Zuhörern im dfi über die Entwicklung der deutschen und französischen Sicherheitspolitik seit dem Zweiten Weltkrieg und zeigte dabei Perspektiven und Potentiale einer Zusammenarbeit in diesem Bereich auf. 

Das dfi, europe direct Stuttgart und die vhs-Ludwigsburg haben diese Veranstaltung gemeinsam als Beitrag zu den Französischen Wochen im Großraum Stuttgart organisiert. Isabell Hoffmann, seit März 2026 Direktorin des dfi, begrüßte die Gäste und führte in die Thematik ein, Gaël de Maisonneuve, französischer Generalkonsul in Stuttgart, schloss sich mit einem Grußwort und einigen Ergänzungen an.

 

Entwicklung der deutschen und französischen Sicherheitspolitik seit 1945

Im ersten Teil seines Vortrags stellte Sascha Hach dar, wie sich die deutsche und die französische Sicherheitspolitik seit 1945 entwickelt haben: Laut Verfassung der V. Republik ist der französische Präsident Oberbefehlshaber der Armee, in dieser Eigenschaft kann er Auslandseinsätze anordnen, ohne vorher das Parlament zu konsultieren. Während des Kalten Krieges nutzte Frankreich seinen ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat und sein Nuklearwaffenarsenal, die „Force de frappe“, dazu, seine sicherheitspolitische Unabhängigkeit zu bewahren und versuchte, sich als Balancemacht zwischen den beiden Supermächten USA und UdSSR zu etablieren.

Die französische Armee fokussierte sich zunehmend auf Auslandseinsätze, die anfangs noch dem Erhalt des Kolonialreichs in Afrika und Asien galten, heute aber der Friedenssicherung und Stabilisierung von Krisenregionen sowie seit 2001 der Terrorbekämpfung dienen. 

Die deutsche Sicherheitspolitik entwickelte sich im Rahmen von Bündnissen: Laut Grundgesetz ist die 1955 gegründete Bundeswehr eine Parlamentsarmee, über deren Einsatz der Bundestag entscheidet. Strategisch entwickelte Deutschland das Selbstverständnis einer Zivilmacht, deren Credo auf drei Grundsätzen beruht: 

  1. Nie wieder die Verbrechen der NS-Zeit wiederholen und nie wieder ein Aggressor sein!
  2. Niemals allein, nur im Bündnis! 
  3. Keine Gewaltanwendung, Konfliktprävention vorziehen!

Die Bundeswehr soll also die Bundesrepublik verteidigen und sich nur an Auslandseinsätzen beteiligen, wenn diese im Rahmen von Bündnisabsprachen durchgeführt werden und der kollektiven Sicherheit bzw. Friedenssicherung dienen. Die sicherheitspolitische Souveränität des Landes gewährleisten Bündnisse wie die NATO. Während des Kalten Kriegs war die BRD ein Frontstaat , in dem US-amerikanische Atomwaffen stationiert wurden. Auch deshalb legten ihre verschiedenen Regierungen einen besonderen Wert auf Fragen der Abrüstung, Rüstungskontrolle und Risikoreduzierung.

Herausforderungen für die deutsch-französische Sicherheitspolitik

Im zweiten Teil stellte Hach die Herausforderungen für die deutsch-französische Sicherheitspolitik in der Gegenwart dar und legte dabei den Fokus auf den Politikwandel seit dem russischen Überfall auf die Ukraine im Jahr 2022 und der Wiederwahl Donald Trumps in den USA im November 2024.

Die Ereignisse im Februar 2022 führten in Deutschland und Frankreich zu einer Zäsur in der Sicherheitspolitik: Bis dahin hatte man beiderseits des Rheins stets den Ausgleich mit Russland gesucht, nun aber sprach man in Deutschland von einer „Zeitenwende“ und erklärte in der nationalen Sicherheitsstrategie 2023 Russland zur größten Bedrohung für die Sicherheit Europas; Frankreich bekräftigte diese Position ebenso in seinen Sicherheitsstrategien 2022 und 2025.

Deutschland fokussiert sich seitdem stärker als Frankreich auf die eigene Verteidigungsfähigkeit und vollziehe, so Sascha Hach, derzeit einen „Rollback“ mit dem Ziel, die Bundeswehr als stärkste Streitmacht in Europa zu etablieren. Einerseits demonstriert Deutschland dabei eine neue Entschlossenheit, in dem es z.B. die NATO-Ostflanke stärkt, andererseits sei aber auch ein „Rückfall in alte Abhängigkeitsmuster“ zu beobachten, z.B. durch den Kauf von F-35 Trägersystemen in den USA.

Frankreich hingegen begann sich schon während der ersten Amtszeit von Donald Trump für eine sicherheitspolitische europäische Unabhängigkeit zu engagieren und hielt an dieser Strategie auch während der Amtszeit von Joe Biden fest. Gemeinsame europäische Rüstungsprojekte, die dafür nötig wären, gestalten sich bisher aber meist kompliziert oder scheitern gar, Länder wie Deutschland oder Großbritannien setzen weiterhin in großem Maße auf Rüstungsgüter aus den USA. Gleichzeitig werden die Überlegungen, dass Frankreich sein atomares Abschreckungspotential auch zum Schutz anderer europäischer Länder zur Verfügung stellt, um einen möglichen Wegfall des Schutzes durch die USA zu kompensieren, konkreter, wie z.B. eine Rede des französischen Präsidenten Emmanuel Macron im März 2026 gezeigt habe.

In seinem Fazit betonte Dr. Sascha Hach, dass die deutsch-französische und europäische Sicherheitskooperation ausgebaut werden müsse. Dafür müsse Deutschland die Gewohnheit aufgeben, sich von den USA abhängig zu machen, und Frankreich seinen Anspruch als „global player“ reduzieren. In einer künftigen, für beide Seiten gewinnbringenden Sicherheitskooperation könnte Frankreich seine strategische Weitsicht und geopolitische Eigenständigkeit einbringen und Deutschland seinen Pragmatismus und sein Know-how in den Bereichen Rüstungskontrolle und zivile Konfliktbearbeitung.

Martin Villinger
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Martin Villinger

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