Deutsch französisches Institut:
https://www.dfi.de/veranstaltungen/deutsch-franzoesischer-tag-2025

Vielfältige Aktivitäten des dfi

Deutsch-Französischer Tag 2025

Am 22. Januar 1963 unterzeichneten Charles de Gaulle und Konrad Adenauer in Paris den „Élysée-Vertrag“, den deutsch-französischen Freundschaftsvertrag. Anlässlich der „runden Geburtstage“ dieser Vertragsunterzeichnung etablierte sich sehr schnell ein Ritual. Französische und deutsche Regierungsvertreter, oft die Bundeskanzler und Staatspräsidenten, verkündeten weitergehende und neue Initiativen. Gleichzeitig nutzte die deutsch-französische Zivilgesellschaft diesen Tag, um auf ihre Anliegen aufmerksam zu machen.

Im Jahr 2003, anlässlich des 40. Jahrestages der Vertragsunterzeichnung, erklärten Staatspräsident Jacques Chirac und Bundeskanzler Gerhard Schröder den 22. Januar offiziell zum „Deutsch-Französischen Tag“, an dem jedes Jahr die deutsch-französische Freundschaft gewürdigt werden soll. Der Tag bietet insbesondere auch die Gelegenheit, in den Bildungseinrichtungen der beiden Länder und mit Schülerinnen und Studierenden die bilateralen Beziehungen zu thematisieren und in ihren historischen Zusammenhang zu stellen.

Wie in den vergangenen Jahren, war das dfi auch 2025 in den Tagen um den 22. Januar ein viel gefragter Kooperationspartner für sehr verschiedene Veranstaltungen. Neben der grundsätzlichen Frage um den Beziehungsstatus stand natürlich auch die internationale Aktualität im Mittelpunkt.

Stefan Seidendorf
Ansprechpartner/in
Stefan Seidendorf

Stellvertretender Direktor

+49 7141-9303-11

Details

Veranstaltungen in Paris, Lorsch und Ludwigsburg

Den Auftakt machte eine gemeinsame Veranstaltung von dfi und Confrontations Europe in Paris zum Thema Energiekooperation, bei der Stefan Seidendorf für das dfi nochmals verdeutlichte, dass bei allen Unterschieden die Ziele der nachhaltigen Verringerung des CO2-Ausstoßes, der Versorgungssicherheit und der Preisstabilität, nur aus einer Kooperation entstehen können, die diese gemeinsamen Interessen in den Mittelpunkt stellt.
Doch wie kann es gelingen, dass gerade dieser Aspekt des Umgangs mit der gegenseitigen Abhängigkeit (Interdependenz) – Deutschland hat noch nie so viel Atomstrom aus Frankreich importiert wie 2024 – in das Zentrum der politischen Debatten treten kann, neben (oder anstelle?) des Streits um „mehr Atomstrom“ oder „Atomausstieg“? In der von Michel Derdevet (Confrontations Europe) souverän moderierten Diskussion vermittelte der französische Abgeordnete Frédéric Petit, wie beispielsweise im Rahmen der „Deutsch-Französischen Parlamentarischen Versammlung“ über die Grundlagen der Zusammenarbeit Einigkeit erzielt werden kann. Dabei ist es wichtig, von den gemeinsam definierten und geteilten Zielen auszugehen, wie Christophe Béguinet, Aufsichtsratsmitglied des französischen Stromkonzerns EDF, am Beispiel des Stromnetzes und des europäischen Verbundmarktes für Strom verdeutlichte: Neben den von Stefan Seidendorf bereits angeführten Punkten sind außerdem die Netzstabilität und die punktgenaue Verfügbarkeit der jeweils nötigen Menge an Elektrizität wichtig. Die Diskussionsteilnehmer waren sich jedoch einige, dass es zunehmend schwierig wird, solche komplexen Sachverhalte auch in der politischen Kommunikation zu diskutieren und zu etablieren. Gerade die extremen Parteien und ihre Kommunikation in den sozialen Netzwerken setzen stattdessen auf Vereinfachung, Konfrontation und Emotion.

In seinem Vortrag im Museumszentrum in Lorsch (Hessen) verglich Baptiste Bouchet den Einsatz der sozialen Medien im Wahlkampf in Frankreich und Deutschland. Die französischen Parteien La France Insoumise (LFI) und Le Rassemblement National (RN) sowie die deutsche Alternative für Deutschland (AfD) dienten dabei als Anschauungsbeispiele für die unterschiedlichen Einsatzmöglichkeiten sozialer Medien. Bouchet verdeutlichte, wie die neuen Kommunikationsformen das politische Leben grundlegend verändert haben – und wie wichtig es ist, die Formate und Strategien zu kennen und zu beherrschen, um das Internet (und seinen Einfluss) nicht den populistischen und anti-europäischen Kräften zu überlassen.

Bei seinem Vortrag an der VHS Ludwigsburg in Kooperation mit dem dfi verdeutlichte der ehemalige stellvertretende dfi-Direktor Henrik Uterwedde die Brisanz der gegenwärtigen „Polykrise“ und stellte diese in den größeren Zusammenhang. Uterwedde kann zurecht für sich beanspruchen, dass er das „Auf und Ab“ der deutsch-französischen Beziehungen kennt. Trotz seines Verweises auf die grundsätzlich immer wiederkehrende Krisenrhetorik – gerade aus Sicht der zivilgesellschaftlichen Akteure könnte es immer noch tiefere, noch besser entwickelte deutsch-französische Beziehungen geben – führte er an: „So viel Krise war selten“, wobei er allerdings auch auf institutionelle Kooperationsmechanismen und insbesondere die 500.000 Menschen verwies, die sich deutsch-französisch engagieren.

Podiumsdiskussion "Besser gemeinsam"

Gerade vor diesem Hintergrund stellte die gemeinsam mit dem Institut français Stuttgart am 22.1. durchgeführte Abendveranstaltung die Frage „Besser gemeinsam?“, die die Teilnehmenden des Podiums natürlich bejahten: Moderiert von Stefan Seidendorf, diskutierten der Abgeordnete der Auslandsfranzosen Frédéric Petit, die Historikerin Corine Defrance und der Politikwissenschaftler und Philosoph Felix Heidenreich über die Aktualität der multiplen Krisen und die Strategien, um den Mehrwert einer gemeinsamen und abgestimmten Haltung der beiden Staaten Frankreich und Deutschland zu vermitteln. Gerade angesichts der geopolitischen Umbrüche (zwei Tage nach der Vereidigung Donald Trumps zum neuen US-Präsidenten) und dem Krieg im Osten Europas, war die Forderung des Podiums, dass alte Gewissheiten überdacht und auch mutige Schritte gemacht werden müssten, ausgehend von der grundsätzlichen Erkenntnis, dass jedes einzelne Mitgliedsland der EU, auch Frankreich und Deutschland, alleine zu klein und zu schwach ist, um seine eigenen politischen Präferenzen und Wertvorstellungen international durchzusetzen.

Die Grundlagen des deutsch-französischen Verhältnisses, Gemeinsamkeiten trotz Unterschieden zu finden, die legitimen Positionen des Partners zu respektieren und über Verständnis und Verständigung zu Kompromissen zu kommen, die allen Beteiligten einen Mehrwert bieten – all das sind und waren Elemente, die der französische Politologe und große Spezialist der deutsch-französischen Beziehungen Alfred Grosser, der am 7. Februar 2024 mit 99 Jahren in Paris verstorben war, immer wieder angemahnt und eingefordert hatte.

Table Ronde im Schloss Neckarhausen und „Tag der Vereine“ in Mannheim

Der „Deutsch-Französische Tag“ war auch vor diesem Hintergrund eine willkommene Gelegenheit, sich seiner zu erinnern und ausgehend von seinen Überzeugungen zu fragen, welche Impulse die deutsch-französischen Beziehungen heute brauchen. Gemeinsam mit dem französischen Politologen und Grosser-Schüler Henri Ménudier und der Journalistin Hélène Kohl sprach Eileen Keller im Schloss Neckarhausen dabei vor allem über die zivilgesellschaftlichen Wurzeln der deutsch-französischen Freundschaft und deren Zukunft. Edingen-Neckarhausen pflegt seit fast sechs Jahrzehnten eine sehr lebendige Partnerschaft mit Plouguerneau in der Bretagne, 2013 wurde Alfred Grosser zum Ehrenmitglied ernannt.  

Am 23.1. zeigte sich in Mannheim im vom französischen Generalkonsulat Stuttgart und dem Institut français organisierten „Tag der Vereine“, wie lebendig und vielfältig die zivilgesellschaftlichen Initiativen sind, die sich genau für diese Werte einsetzen und dies auch von den politisch Verantwortlichen einfordern.
Für das dfi nahmen Bénédicte King und Susanne Binder an der Veranstaltung teil und stellten die verschiedenen Initiativen vor, mit denen das dfi das Engagement zivilgesellschaftlicher Akteure unterstützt – insbesondere die Förderung von gemeinnützigen Projekten über das Programm Nouveaux horizons der Baden-Württemberg Stiftung und die Plattform für kommunale Partnerschaften jumelage.eu. Zudem wurden die Angebote des dfi und der Frankreich-Bibliothek präsentiert. Die Veranstaltung vermittelte einmal mehr die Wichtigkeit des „doppelten Ansatzes“, den das dfi vertritt: Die Vermittlung von Wissen und Expertise über das Partnerland muss einhergehen mit Möglichkeiten für persönliche Erfahrungen und Begegnungen.

Icon Briefumschlag