Auf Einladung der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) hat dfi-Direktorin Isabell Hoffmann am 26. März 2026 in Berlin an einer hochrangigen Podiumsdiskussion zur Zukunft europäischer Handlungsfähigkeit teilgenommen.
Gemeinsam mit Margrethe Vestager (ehemalige Exekutiv-Vizepräsidentin der Europäischen Kommission), Sebastian Płóciennik (Direktor der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit) und Josef Janning (Senior Associate Fellow der DGAP) diskutierte sie unter der Moderation von Linn Selle drei Leitfragen:
- Über welche Instrumente und Kapazitäten muss die EU verfügen, um in einer neu geordneten Welt als eigenständiger Akteur bestehen zu können?
- Welche – auch neuen – Allianzen sind erforderlich, um die wirtschaftliche und verteidigungspolitische Eigenständigkeit Europas zu sichern und eine tragfähige europäische Machtarchitektur zu entwickeln?
- Und wie werden europäische Souveränität und Handlungsfähigkeit in den jeweiligen nationalen Debatten verstanden und verhandelt?
Die unterschiedlichen regionalen Perspektiven der Diskutierenden bildeten das Rückgrat des Gesprächs. Isabell Hoffmann unterstrich die strategische Relevanz der deutsch-französischen Kooperation für das Funktionieren und die Weiterentwicklung der Europäischen Union. Paris habe die strategische Weitsicht besessen, früh die strategische Autonomie Europas zu konzeptualisieren. Berlin hätte etwas schwerfällig reagiert, sei nun aber an Bord. Die alles entscheidende Frage wäre:
Wie setzen wir es um?
Anlass der Veranstaltung war der Relaunch des Europe Center der DGAP. Das wiedereröffnete Zentrum unter Leitung von Linn Selle (Alfred von Oppenheim Head of the Europe Center) widmet sich in einer Phase tiefgreifender globaler Umbrüche den drängenden Fragen europäischer Integration und Ordnung. Mit wissenschaftlich fundierter und politisch unabhängiger Analyse will es die europapolitische Debatte in Deutschland neu beleben und zugleich als Plattform für den Austausch zwischen zentralen Akteurinnen und Akteuren dienen. Begrüßt wurden die Gäste von Thomas Kleine-Brockhoff (Otto Wolff Director, DGAP) und Linn Selle.
In ihrer Keynote ordnete Margrethe Vestager die Verschiebungen der globalen Ordnung und deren Konsequenzen für die Europäische Union ein. Als langjährige Gestalterin dessen, was heute unter dem Begriff europäische Souveränität diskutiert wird – seinerzeit vor allem in den Ressorts Digitales und Wettbewerb –, verband sie ihre Kommissionserfahrung mit einer dezidiert nordeuropäischen Sicht auf die aktuelle sicherheitspolitische Lage, nicht zuletzt mit Blick auf Grönland.
Die Diskussion knüpft unmittelbar an einen thematischen Schwerpunkt an, dem sich auch das dfi mit seiner XL. Jahrestagung am 2. und 3. Juli 2026 in Ludwigsburg unter dem Titel „Europäische Souveränität neu denken" widmen wird.
Aufzeichnung der Diskussion
Die Veranstaltung fand in englischer Sprache statt; eine Aufzeichnung steht auf dem YouTube-Kanal der DGAP zur Verfügung



