Deutsch französisches Institut:
https://www.dfi.de/veranstaltungen/podium-ludwigsburg-montbeliard

„Persönliches Engagement ist die Basis von allem“

Podiumsdiskussion im dfi

Als Beitrag zum Jubiläumsjahr der Verbindung zwischen Ludwigsburg und Montbéliard hat das dfi eine Podiumsdiskussion mit Vertreterinnen und Vertretern der Zivilgesellschaft über die Städtepartnerschaft gestern, heute und morgen organisiert. Bénédicte King ging gemeinsam mit Miriam Jalmain, Wolfgang Medinger und Dr. Alexander Schell der Frage nach, welche Aktivitäten aktuell erfolgreich sind und welche Potentiale für die Zukunft bestehen. 

Zur Einführung gab Martin Villinger einen kurzen Einblick in die Aktivitäten des dfi, die zum Ziel haben, Zeugnisse dieses Austauschs zu vereinen und online frei zugänglich zu machen. Ausgehend von einem digitalen Lesesaal zur Partnerschaft, den die Frankreich-Bibliothek des dfi im Jahr 2011 gemeinsam mit den Stadtarchiven Ludwigsburg und Montbéliard eingerichtet hat, wurde im Jahr 2015 die virtuelle Ausstellung „Zeitzeugen Ludwigsburg-Montbéliard“ entwickelt. Dieses Angebot wird derzeit überarbeitet und soll, um neue Elemente erweitert, auf der Plattform DDBstudio der Deutschen Digitalen Bibliothek in der ersten Jahreshälfte 2026 neu veröffentlicht werden.

Um den Stand der Partnerschaft im Jahr 2025 zu dokumentieren, hat das dfi zwischen August und Oktober 2025 Gespräche mit Vertreterinnen und Vertretern der DJK-Ludwigsburg, der Radweginitiative Ludwigsburg, des Musikvereins Oßweil - Stadtkapelle Ludwigsburg, der evangelischen Kirche Ludwigsburg, einem Lehrer am Goethe-Gymnasium Ludwigsburg und einer Lehrerin des Collège Guynemer in Montbéliard gefilmt. Sie alle waren im Laufe des Jubiläumsjahres im Rahmen der Städtepartnerschaft aktiv. Zur Einstimmung auf die Diskussion über das heute und morgen der 75jährigen Partnerschaft zeigte Martin Villinger einen Zusammenschnitt von prägenden Aussagen aus diesen fünf Interviews.

Statements von Menschen, die sich im Laufe des Jubiläumsjahres für die Städtepartnerschaft engagiert haben. 

"Die Hauptsache ist ja, dass sie miteinander reden"

Bénédicte King eröffnete die Runde mit der Frage, welche Rolle heute noch die Vergangenheit und der Gedanke der Versöhnung der Völker spielen. Für Miriam Jalmain, die seit 2009 als Deutschlehrerin am Collège Guynemer Schüleraustausche mit Ludwigsburg organisiert, ist die gemeinsame Geschichte weiterhin ein wichtiges Element und eine Motivation für die Partnerschaft. Alexander Schell vom Musikverein Ludwigsburg-Ossweil e.V. - Stadtkapelle Ludwigsburg vertrat die Meinung, dass sie zwar immer noch präsent und bekannt sei, heute aber andere Dinge im Vordergrund stünden.

Einig waren sich die Diskutanten darüber, dass die Kenntnisse der Sprache des anderen auf beiden Seiten nachlassen. Miriam Jalmain erklärte dazu, dass die Schülerinnen und Schüler im Idealfall auf Deutsch oder Französisch miteinander kommunizieren sollten, sie aber absolut nichts dagegen hätte, wenn sie sich auf Englisch unterhalten würden. Die Hauptsache sei ja, dass sie miteinander reden, und da auf beiden Seiten in aller Regel mit dem Erlernen der englischen Sprache wesentlich früher begonnen würde als mit Deutsch oder Französisch, sei das ja auch absolut verständlich.

Seit einigen Jahren organisiert Jalmain mit ihren Ludwigsburger Partnern Projekte im Rahmen des Schüleraustauschs, denn „wenn man ein gemeinsames Projekt macht, hat man auch etwas miteinander zu bereden“. In den vergangenen Jahren waren dies historische Projekte, die gemeinsame Aufnahme eines Rap-Songs während der Covid-19-Pandemie oder die gemeinsame Kreation von Fresken in Ludwigsburg und Montbéliard. 2026 soll unter dem Motto „Zeig mir Deine Küche“ das Essen bzw. Ernährungsgewohnheiten das Thema sein.

„Mit dem persönlichen Kontakt steht und fällt alles“

Auf die Frage von Bénédicte King, ob sich Schulen und Vereine mehr Unterstützung für ihre Austauschaktivitäten wünschen würden, antwortete Miriam Jalmain, dass es für ihre Maßnahmen ausreichend Möglichkeiten gebe, finanzielle Förderung zu bekommen und wies dabei besonders auf das Deutsch-Französische Jugendwerk hin. Auch Alexander Schell erklärte, dass auf deutscher Seite verschiedene Programme existieren würden, über die man Unterstützung bekommen könne. Seine französischen Partner hätten es bei der Suche nach Fördermöglichkeiten deutlich schwerer. Schade sei nur, dass diese häufig nicht ausreichend bekannt seien.

Mit der Aussage „mit dem persönlichen Kontakt steht und fällt alles“ wies Alexander Schell auf die essentielle Rolle einer funktionierenden Kommunikation zwischen denjenigen hin, die in Ludwigsburg und Montbéliard gemeinsame Aktivitäten organisieren. Man müsse wissen, dass auf der anderen Seite ein Partner ist, der sich genauso engagiert wie man selbst, so Alexander Schell.

Wolfgang Medinger, 1. Vorsitzender des Vereins „Ludwigsburg international“, betonte in diesem Zusammenhang, wie wichtig für die Partnerschaften Vereine sind, die sich für ihre Gemeinden für die internationalen kommunalen Partnerschaften engagieren. „Ludwigsburg international“ könne sich auf eine breite Mitgliederbasis stützen und sei in der städtischen Zivilgesellschaft fest verankert. In Montbéliard hingegen gebe es im Moment leider keinen Verein, der eine vergleichbare Rolle für die internationalen Beziehungen dieser Stadt einnehmen würde. Nicht verhehlen wolle er, sagte Medinger, dass der Altersschnitt derjenigen, die an den Aktionen seines Vereins teilnehmen würden, sehr hoch sei.

Es seien die partnerschaftlichen Verbindungen, so Medinger weiter, die auch international turbulente Zeiten wie die heutigen überdauern würden, und deshalb sei es wichtig zu überlegen, wie diese wertvollen Strukturen in jüngere Hände übergeben werden könnten.

Das Publikum beteiligte sich lebhaft an der Diskussion und brachte darin auch Anekdoten und Erinnerungen an eigene Austauscherfahrungen mit Montbéliard ein. 

Konrad Seigfried, 1. Bürgermeister der Stadt Ludwigsburg von 2006 – 2021, stellte dabei drei aus seiner Sicht grundsätzliche Punkte in den Mittelpunkt:

  1. Partnerschaften brauchen glaubwürdige Persönlichkeiten, die für sie stehen.
  2. Ältere Menschen stellten die Mehrheit der Gesellschaft dar und hätten Zeit, Know-How und Geld, um sich zu engagieren. Dieses gesellschaftliche Potential muss genutzt werden. Eine Teilnehmerin ergänzte dazu, dass man es aber nicht versäumen dürfte, Jüngere in die Strukturen zu integrieren.
  3. Für die Jugend sei das „Format Städtepartnerschaft total antiquiert“. Um die Jugend für internationale Begegnungen zu begeistern, braucht man andere Formate.
Martin Villinger
Ansprechpartner/in
Martin Villinger

Leiter der Frankreich-Bibliothek

+49 7141-9303-35

Details

Engagement für die Partnerschaft im Jahr 2025

Zwischen August und Oktober 2025 haben wir in Ludwigsburg Vertreterinnen und Vertreter der DJK-Ludwigsburg, der Radweginitiative Ludwigsburg, des Musikvereins Oßweil, Stadtkapelle Ludwigsburg, der evangelischen Kirche Ludwigsburg, einen Lehrer am Goethe-Gymnasium Ludwigsburg und eine Lehrerin des Collège Guynemer in Montbéliard interviewt, die sich alle im Laufe des Jubiläumsjahres für die Städtepartnerschaft engagiert haben. 

Die Rede von Pierre-Michel Kahn wurde am 10. Mai 2025 im Kulturzentrum der Stadt Ludwigsburg anlässlich der Feierlichkeiten rund um das 75jährige Bestehen der Partnerschaft.

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