Im Rahmen der Vortragsreihe des dfi un der vhs Ludwigsburg hat der radelnde Reporter Jean-Marie Magro am 22. Januar 2026, dem 24. Deutsch-Französischen Tag, im Kulturzentrum Ludwigsburg vor knapp 100 Personen einen Vortrag zu seinem Buch „Radatouille - Frankreich mon amour“ gehalten.
Der Münchener Journalist, der heute für die ARD aus Brüssel berichtet, las aus drei Kapiteln seines Buches, das Eindrücke von seiner vierwöchigen und rund 3.000 km langen Tour de France im Jahr 2022 einfängt, und beantwortete dabei zahlreiche Fragen des Publikums. In einem lockeren Ton erzählt Magro in seiner „Radatouille“ von Gesprächen mit Menschen, denen er auf seiner Tour begegnet ist, sowie mit alten Bekannten und Mitgliedern seiner Familie, von Natur, Essen und dem Radsport in unserem Nachbarland, wobei er aber auch ernsthaftere, politische Diskussionen aufgreift: so beispielsweise der zunehmende Zuspruch zum rechtsextremen Rassemblement National, nicht zuletzt in der Region, aus der seine Familie stammt.
Passend zur aktuellen Debatte rund um das Mercosur Abkommen, las Magro auch aus dem Kapitel, in dem er seine Begegnung mit Jérôme Bayle, einem Gesicht der französischen Landwirtschaftsproteste, begegnet. Magro argumentierte, dass die französische Positionierung in diesem Konflikt sehr viel mit der Identität Frankreichs als Agrarnation zu tun habe: Landwirtschaft sei ein wichtiger Teil der französischen Kultur und Landwirte haben traditionell eine starke politische Präsenz und Organisationskraft.
Auf die Frage, welche denn seine Lieblingsorte auf seiner Frankreich-Tour gewesen seien, schwärmte der Reporter vom Mercantour-Nationalpark und dem von ihm bereits viel bereisten Baskenland. Auch berichtete er begeistert vom Cantal und den Vulkanketten in der Auvergne, die er im Rahmen der Tour erstmals erkundete.
Die letzte, sehr persönliche Etappe der Tour führte Magro und seinen Weggefährten den Mont Ventoux im Vaucluse hinauf, wo Magro von verschiedenen Familiengeschichten, die sich dort einst abspielten, eingeholt und vorangetrieben wird – insbesondere als, wie es unter französischen Radsportleuten heißt, seine Beine ihm nach vier Wochen auf dem Fahrrad nicht mehr antworten zu scheinen wollen ("Les jambes ne répondent pas").
Nach einem Videoeinblick in die Tour schloss Magro den Abend mit den Worten, dass er zwar hauptberuflich viel darüber berichte, wie sich Präsident Macron und Bundeskanzler Merz verstehen würden und wie dies sich auf die deutsch-französischen Beziehungen auswirke, doch würden letztlich diese auf der zivilgesellschaftlichen Ebene gelebt. Daher freue er sich umso mehr, dass sich so viele Menschen an diesem Abend in Ludwigsburg versammelt haben, um Frankreich noch einmal aus einer neuen Perspektive zu begreifen.






