Am 22. Mai 2026 fand ein weiterer Workshop im Rahmen des Kooperationsprogramms zwischen dfi und dem Campus Heilbronn der Technischen Universität München (TUM) statt. Im Rahmen der Europawoche und der Seminarreihe „TUM Europe Dialogue Series 2026“ ging es für die Teilnehmenden darum, „Europa zu erfahren“. Doch wie kann dies bewerkstelligt werden, und was kann konkret damit verbunden werden?
Ziel der Exkursion
Im von Stefan Seidendorf konzipierten und geleiteten Workshop nahm das dfi die Teilnehmenden mit auf eine Reise zu den Ursprüngen der deutsch-französischen Annäherung nach dem Zweiten Weltkrieg, zugleich eine Reise an die Ursprünge des europäischen Einigungsgedankens nach dem Krieg. Wo kamen die Gründer des dfi her, und was war ihre Motivation? Wo fanden sie die Energie, die Gräben zwischen Franzosen und Deutschen zu überwinden?
Ziel der Exkursion ans dfi war es, die internationalen Studierenden der Hochschule für Management und Technologie für den Zusammenhang zwischen bürgerschaftlichem Engagement und politischen Entscheidungen auf nationaler und europäischer Ebene zu sensibilisieren.
Die Teilnehmenden aus der Türkei, aus Taiwan und Indonesien, aus Kasachstan, der Ukraine und dem Iran waren dabei zum ersten Mal mit den „Pionieren der deutsch-französischen Aussöhnung“ und ihren Biographien konfrontiert. In drei interaktiven Gruppen vermittelten Baptiste Bouchet, Audrey Costa und Stefan Seidendorf die Beweggründe der Gründer des dfi und ihre Strategien, um diese Ideale in der Gesellschaft zu verankern und sie umzusetzen. Erstaunlicherweise handelt es sich vielfach um auch heute noch aktuelle Ansätze, wenn es etwa darum geht, Aufmerksamkeit für grenzüberschreitende und europäische Themen zu erzeugen, Vorurteilen zu begegnen, sich auf gemeinsam geteiltes Faktenwissen zu einigen und Netzwerke gleichgesinnter Akteure über verschiedene Länder und Themen hinweg zu mobilisieren.
Workshop
Die studentischen Teilnehmer stellten rasch fest, dass das Know-How des dfi im Bereich politischer Gesellschafts- und Europabildung durchaus nicht auf die deutsch-französische Vergangenheit beschränkt ist. Stattdessen lassen sich die Strategien zum empowerment gesellschaftlicher Akteure, die in die Lage versetzt werden, sich grenzüberschreitend zu mobilisieren und für ihre Anliegen einzutreten, gerade auch in der heutigen Zeit umsetzen.
Da die Gruppe kein Französisch und kaum Deutsch sprach, fand die Veranstaltung auf Englisch statt. Das dfi stellte dafür dreisprachig aufbereitete Videos von Zeitzeugen und historisches Bild- und Tonmaterial vor. Natürlich durfte auch ein Besuch im Archivkeller des dfi nicht fehlen, wo dfi-Bibliothekar Xavier Froidevaux einige seiner Raritäten und Schätze vorführte. Für viele der Teilnehmenden war die Begegnung mit Originaldrucken, -quellen und Büchern (die ältesten aus dem 19. Jahrhundert) eine neuartige Erfahrung…
Letztendlich waren es aber die individuellen Schicksale von Persönlichkeiten wie Alfred Grosser oder Lucien Tharradin (Gründer der ersten deutsch-französischen Städtepartnerschaft zwischen Ludwigsburg und Montbéliard 1950), die die Besucher beeindruckten. Wie diese Generation nach Krieg, Flucht und Leid, häufig Lager- und KZ-Haft den Mut und die Bereitschaft gefunden hat, völlig neue Wege zu gehen, und mit welchen Strategien und Ansätzen sie diese umsetzen konnten, erlaubte eine intensive Auseinandersetzung damit, was es bedeutet, „Europa zu bauen“.










