Deutsch französisches Institut:
https://www.dfi.de/veranstaltungen/tag-fuer-franzoesischlehrerinnen-2024

Plus vite, plus haut, plus fort – ensemble

Deutsch-französischer Tag für Französischlehrer*innen am 15. März 2024

Am 15. März 2024 fand zum zweiten Mal in Folge der deutsch-französische Tag für Französischlehrer*innen im Goethe-Gymnasium in Ludwigsburg statt. Das vom Deutsch-Französischen Institut Ludwigsburg, dem Institut Français de Stuttgart, dem Regierungspräsidium Stuttgart, dem Bundesverband der Französischlehrer (VdF) und dem Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung Baden-Württemberg gemeinsam organisierte Programm folgte dem Motto: „Plus vite, plus haut, plus fort – ensemble“.

Nach einem musikalischen Schülerbeitrag mit Saxofon und Klavier begrüßte Oberstudiendirektor und Schulleiter Christof Martin die Anwesenden in seiner Schule. Man wolle an die positiven Erlebnisse des Vorjahres anknüpfen und freue sich, viele bekannte Gesichter wiederzusehen. Dass dem Französischen unter den europäischen Fremdsprachen eine herausragende Stellung zu Teil wird, hob die Regierungsschuldirektorin Claudia Häberlein vom Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg in ihrem Grußwort hervor. Durch Programme wie DELF oder AbiBac habe man in den vergangenen Jahren bereits vielseitige Fördermöglichkeiten geschaffen, nichtsdestoweniger sei dies vor allem auch der Verdienst täglich engagierter Französischlehrer und –lehrerinnen. Auch die stellvertretende Bundesvorsitzende des erstmalig direkt an der Organisation beteiligten VdF, Christiane Neveling, betonte den persönlichen und emotionalen Einsatz im Fremdsprachenunterricht: Sich in die französische Sprache zu verlieben, etwas Besseres könne man Lernenden gar nicht wünschen.

So beständig die deutsch-französischen Beziehungen von Emotionen begleitet seien, so häufig werde die Frage nach der Relevanz des Französischunterrichts aufgeworfen, äußerte sich Stefan Seidendorf, stellvertretender Direktor des Deutsch-Französischen Instituts in Ludwigsburg. Auch angesichts künstlicher Intelligenz könne ein tiefgehendes Verständnis des Nachbarn und wichtigsten Partners nur durch Kenntnisse der jeweiligen Landessprache entstehen, weshalb der Fremdsprachenunterricht zu keiner Zeit an Relevanz verliere. Der französische Generalkonsul und Direktor des Institut Français, Gaël de Maisonneuve, zeichnete trotz gegenwärtiger Spannungen zwischen Berlin und Paris ein weithin positives Bild der Partnerschaft, welches anschaulich auf Ebene der Sprachvermittlung zutage trete, da mehr als ein Viertel der Schülerinnen und Schüler in Baden-Württemberg Französisch lerne.

„Grenzenloses Europa oder Europa der Nationen?“

Nach den Grußworten widmete sich Stefan ­Seidendorf in seinem Vortrag „Grenzenloses ­Europa oder Europa der Nationen?“ den Themen, die den Europawahlkampf in Frankreich prägen werden. Neben einer Einordnung tagesaktueller Prognosen stellte er die Spitzenkandidaten der größeren Parteien vor. Neben der Trennlinie ­Europa – Nation, so Stefan Seidendorf, positionierten sich die ­Parteien vor allem zur Frage der ökologischen Transformation und ihrer gesellschaftlichen, ökonomischen und politischen Implika­tionen. Auffällig sei 2024 das durchgehend junge Alter der verschiedenen Spitzenkandidatinnen und -kandidaten. Früher seien zumeist ältere Politiker angetreten, deren Karriere auf nationaler Ebene in eine Sackgasse geraten sei, heute werde ein herausgehobener Sitz im EU-Parlament offensichtlich als wichtiger Schritt auf der Karriereleiter für aufstrebende Politiker und Politikerinnen angesehen.

Bei der Themensetzung falle die antieuropäische Haltung im rechts- wie linksextremen politischen Spektrum auf. Nicht zuletzt werde die Europawahl 2024 sowohl von der Partei von Präsident Macron Renaissance, als auch vom rechtspopulistischen Rassemblement National maßgeblich zu einem personellen Zweikampf stilisiert, welcher durchaus als Revanche für die zurückliegende französische Präsidentenwahl verstanden werden könne.

Thematische und methodische Ansätze für den Französischunterricht

In „Emotionales Lernen in digitalen Zeiten“ lieferten Thilo Karger und Silke Topf Ideen für die Einbindung von Emotionen in den Französischunterricht. Entlang des Gefühlskompass von „effort et récompense“ im Norden bis „défi et plaisir“ im Süden erläuterten die Referenten, wie subjektive Empfindungen der Schülerinnen und Schüler, wenn sie aufgegriffen statt kleingehalten würden, das Lernklima verbessern und die Begeisterung für die vermittelten Inhalte erhöhen könnten. Besonders audiovisuelle und kreative Formate würden es den Lernenden ermöglichen, neben der Umwälzung von Vokabular einen individuellen Zugang zur Sprache zu finden und sie als ganzheitliche Ausdrucksweise zu begreifen. Dabei sollten Lehrerinnen und Lehrer auch die Werke der „großen Meister“ nicht unangetastet lassen, sondern etwa die Lernenden zum beherzten Streichen und Redigieren altbekannter Gedichte ermutigen, um diese zu neuem Leben zu erwecken.

Das interaktive Atelier von Pia Keßler zur Anwendung theaterpraktischer Methoden im Französischunterricht bestätigte etablierte Lernmethoden wie beispielsweise das Chorsprechen, machte jedoch darüber hinaus Gebrauch von neueren sprach- und lernwissenschaftlichen Erkenntnissen. Dem Motiv des physischen Gedächtnisses folgend leitete Pia Keßler die Teilnehmerinnen und Teilnehmer durch verschiedene dynamische Übungen, wie sie in der Lautbildung im Anfangsunterricht und auch bei inhaltlichen Arbeiten in den späteren Lernjahren zum Einsatz kommen können. Statt Frage-Antwort-Sequenzen zwischen einzelnen Schülerinnen und Schülern und der Lernkraft sollten gruppenweise Übungen wie das Sprechen in Bewegung helfen, Hemmschwellen zu überwinden und Klang und Bedeutung von Wörtern und Textzusammenhängen zu verinnerlichen.

Michael Pfau präsentierte in seinem Atelier „Ça bouge, tout le monde bouge…Die olympischen Sommerspiele 2024 im Französischunterricht“ Materialien, mit Hilfe derer die Themen „Sport“ und „Olympia“ in den Französischunterricht integriert werden können, z.B. Gitterrätsel mit Sportbezug aus Cahiers des Vacances oder Beiträge aus der Jugendzeitschrift Okapi. Ausgehend von Fotos von den schlicht möblierten Wohnungen im olympischen Dorf schlug er als Aufgabe vor, sich zu überlegen, wie diese mit Kartonmöbeln eingerichteten Zimmer wohnlicher gestaltet werden könnten. Zum Abschluss zeigte er das Video „Le Coach“ des Rappers Soprano, in dem das Verhalten von Trainern karikiert und sportliche Jugendsprache und sportliche Betätigung kombiniert werden.

Susanne Götze, Andrea Knupfer und Dr. Elke Zapf präsentierten mittels aufeinander aufbauender Sequenzen, wie berufsbezogenes Französisch interaktiv vermittelt werden kann. Der Einstieg erfolgte über eine Übung zum Kennenlernen im beruflichen Kontext mit Visitenkarten. In der Folgesequenz wurden Berufsbilder mit schüleraktiven Methoden – digital und analog – im Rahmen eines Schüleraustausches vorgestellt. Die Abschlusssequenz bildete ein Speed-Dating, bei dem sich Praktikumssuchende und Unternehmensvertreter/-innen gegenseitig befragen konnten, um ihren jeweiligen „Traumpartner“ zu finden.

In den Pausen konnten sich die Lehrkräfte an den Ständen des dfi, des Institut Français und der Verlage Klett, Cornelsen und Reclam über deren Angebote informieren. Die drei Verlage fördern den deutsch-französischen Tag seit vielen Jahren und haben so dankenswerterweise dazu beigetragen, dass er zu einem festen Termin im Schuljahr vieler Französischlehrer*innen geworden ist.

Programm der Veranstaltung mit Kurzbeschreibungen der verschiedenen Angebote

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