Am 20. März und 24. April 2026 haben das dfi, das Institut Français de Stuttgart (IF), das Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung Baden-Württemberg sowie die Vereinigung für Französischlehrerinnen und -lehrer e.V. gemeinsam die alljährliche Fortbildung für den Französischunterricht angeboten. Zum zweiten Mal nach 2025 machte die vom dfi und dem IF 2010 begonnene Reihe dabei sowohl in Baden als auch in Württemberg Station, wobei im Breisgau das Regierungspräsidium Freiburg als Mitveranstalter auftrat, in Ludwigsburg das Regierungspräsidium Stuttgart.
Möglich gemacht hat die Doppelung der Veranstaltung die Gastfreundschaft des Wentzinger-Gymnasiums in Freiburg und des Goethe-Gymnasiums in Ludwigsburg, das zum vierten Mal in Folge seine Räumlichkeiten gemäß dem diesjährigen Motto „Alors on parle!“ für neue Impulse für den Französischunterricht öffnete.
„Zweimal kann der Anfang einer Tradition sein“ – zu Gast im Wentzinger-Gymnasium in Freiburg
Marianne Jöllenbeck, Schulleiterin des Wentzinger-Gymnasiums, drückte in ihrer Begrüßung ihre Freude darüber aus, dass der Französischlehrkräftetag erstmals an ihrer Schule zu Gast sei. Da Sprachenlernen verbinde und besonders Französisch Brücken über den nahen Rhein bauen könne, habe ihre Schule schon vor längerer Zeit damit begonnen, einen Französischschwerpunkt aufzubauen. „Einmal ist keinmal, zweimal kann der Anfang einer Tradition sein“ erklärte Michael Fuchs, Fachreferent Französisch beim Regierungspräsidium Freiburg, in seiner Ansprache und drückte so seine Hoffnung aus, dass sich die Veranstaltungsreihe auch in Baden etablieren wird. Generalkonsul Gaël de Maisonneuve nahm bei der Verleihung der DELF-Plakette an sieben Gymnasien im Regierungsbezirk Freiburg die Tatsache, dass immer mehr Schulen in Baden-Württemberg das DELF (Diplôme d’études en langue française) verleihen, als Beleg dafür, dass dort „Französisch nicht nur unterrichtet, sondern auch gelebt“ wird.
Stefan Seidendorf stellte in seinem anschließenden Vortrag die politische Lage in Frankreich vor dem zweiten Wahlgang der Kommunalwahlen dar und ging dabei insbesondere auf die Situation in Strasbourg ein: Dort waren im ersten Wahlgang 13 verschiedene Listen mit teilweise kaum voneinander unterscheidbaren Programmen angetreten. Dies zeige die Zersplitterung des Parteienspektrums, die zur Folge habe, dass es nun auch auf der kommunalen Ebene schwieriger werde, klare Mehrheiten zu erlangen. In einem politischen System, das wie das französische auf eindeutige Mehrheitsverhältnisse ausgelegt ist, könne dies zu einer Blockadesituation führen, wie sie seit den Parlamentswahlen 2024 in der Nationalversammlung zu beobachten sei, so Seidendorf. Eine Prognose für die Präsidentschaftswahlen im nächsten Jahr sei deshalb derzeit kaum möglich; ein „natürlicher Kandidat“, der die Wählerschaft lagerübergreifend begeistern könne, derzeit nicht in Sicht, sagte Stefan Seidendorf zum Abschluss seines Vortrags.
In den anschließenden Ateliers vermittelten Christopher Mischke Methoden für ein emotionales und aktivierendes Französischlernen auf der „Bühne Klassenraum“ und Peter Winz Ansätze für ein ganzheitliches Lernen, wobei er u.a. Mitmachgedichte und -lieder vorstellte. Gauthier Gabarrot demonstrierte in seinem Workshop, wie KI im Französischunterricht intelligent eingesetzt werden kann.
„Französisch erleben und nicht ertragen!“ – zu Gast im Goethe-Gymnasium in Ludwigsburg
Oberstudiendirektor Christof Martin betonte bei der Begrüßung der über 90 Teilnehmerinnen und Teilnehmer die erneut gelungene Zusammenarbeit zwischen dem dfi und dem Goethe-Gymnasium als Gastgeber und zeigte sich erfreut darüber, dass es zum vierten Mal in Folge gelungen sei, den Französischlehrkräftetag in seiner Schule auszurichten. Auch Claudia Häberlein vom Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg lobte, dass die verschiedenen Partner mit dem Französischlehrkräftetag eine langlebige Veranstaltungsreihe geschaffen hätten, zu deren Ausgaben sie immer wieder gerne komme. Anschließend blickte Martin Villinger in seinen Grußworten auf die Entwicklung der Veranstaltungsreihe zurück und machte zugleich Werbung für die Sammlung deutsch-französischer Karikaturen des dfi, von denen seit letztem Jahr über 1.200 frei auf der Website des dfi verfügbar sind. Generalkonsul Gaël de Maisonneuve wies in seinem Redebeitrag auf das breite Veranstaltungsangebot während der französischen Wochen im Großraum Stuttgart hin, in deren Rahmen auch dieser Französischlehrkräftetag stattfand. Unter dem Motto „Ensemble“ verlieh der Generalkonsul DELF-Plaketten an elf Schulen aus Württemberg und Christof Martin für seinen Einsatz für die deutsch-französische Freundschaft eine Ehrenmedaille.
Im Plenumsvortrag „Ein Fach Französisch? Einfach Französisch!“ diskutierte Grégoire Fischer, erster Vorsitzender der Vereinigung der Französischlehrerinnen und -lehrer e. V. (VdF), die Ursachen dafür, dass viele Schülerinnen und Schüler in der Oberstufe das Fach Französisch abwählen, und zeigte Möglichkeiten auf, wie man dem entgegenwirken kann. Als Hauptproblem bezeichnete Fischer, dass die Bildungspolitik zugunsten der MINT-Fächer die Verpflichtung aufgegeben habe, in der gymnasialen Oberstufe eine zweite Fremdsprache zu belegen. Außerdem müsste das Fach Französisch sein elitäres Image ablegen und die Lehrkräfte es altersgerecht bewerben. Dafür müsse die Sprache zuallererst sichtbarer werden, z.B. indem Schulen eine Vielfalt an Begegnungen mit frankophonen Ländern und Menschen, besonders mithilfe von Schüleraustauschen, schaffen. Ein abwechslungsreicher und altersgerechter Unterricht mit Kontakt zur französischsprachigen Welt verspreche Erfolg. Die Schülerinnen und Schüler sollen „Französisch erleben und nicht ertragen“ fasste Fischer seine Ausführungen am Ende zusammen.
In seinem Atelier führte Grégoire Fischer das „jeu d’évasion“ (Escape Game) als Möglichkeit für eine mehrstündige Gruppenarbeit vor. Diese Methode fördere nicht nur die Sprachanwendung, da die Geschichte des Spiels auf Französisch erzählt wird, sondern auch die Eigenständigkeit der Schülerinnen und Schüler, da die Lehrkraft nur für Fragen und Lösungsvorschläge der Rätsel im Spiel zur Verfügung steht.
Prof. Dr. Christoph Bürgel von der Romanischen Fachdidaktik der Universität Paderborn beleuchtete in seinem Atelier „‘C’est trop cool!‘ mit Phrasemen zu flüssigem und natürlichem Sprechen“, welche Bedeutung feste Redewendungen (sog. Phraseme) für die Entwicklung der mündlichen Sprachfähigkeiten der Schülerinnen und Schüler haben. Die Verwendung dieser Textbausteine kann dabei helfen, das Unterrichtsziel einer flüssigen Kommunikation zu erreichen, sie würden ihre Wirkung aber nur entfalten, wenn die Lehrkraft sie situationsbedingt, adressatengerecht und dem Niveau der Lernenden angepasst in Sprechsituationen einführen und praktizieren lassen.
Im dritten Atelier „Prononcer comme des pros ! Techniques théâtrales pour travailler la pro-nonciation de manière ludique“ (Betonen wie die Profis! Theatertechniken zum spielerischen Trainieren der Aussprache) stellten Cathrin Hessner und Elisabeth Schäfer vom Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung Baden-Württemberg interaktive Methoden zur Verbesserung der mündlichen Sprachfähigkeit der Schülerinnen und Schüler vor. Im Fokus standen wiederholbare Partner- und Gruppenarbeiten, wie die Einübung und Präsentation von französischen Zungenbrechern oder das Spiel Stille Post, um das Selbstvertrauen in die eigene Sprachfähigkeit der Lernenden und das flüssige Aussprechen zu stärken. Gerade die Interaktivität und das spielerische Element der Aufgaben generiere ein großes Interesse bei der Lerngruppe und damit für den Unterricht.
Vor Beginn der Veranstaltung und in den Pausen konnten sich die Lehrkräfte bei beiden Veranstaltungen an den Ständen des dfi, des Institut Français, der der Vereinigung der Französischlehrerinnen und -lehrer und der Verlage Klett, Cornelsen und Reclam über deren Angebote informieren. Die drei Verlage fördern den deutsch-französischen Tag seit vielen Jahren und tragen so dankenswerterweise dazu bei, dass er zu einem festen Termin im Schuljahr vieler Französischlehrkräfte geworden ist.










