Deutsch französisches Institut:
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Ziele, Wege, Hürden

Wie wird Europa stark und unabhängig?

Über diese Frage haben Sylvie Goulard, die Präsidentin des dfi, Dr. Nils Schmid, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister der Verteidigung und von 2011 – 2016 Minister für Finanzen und Wirtschaft in Baden-Württemberg, und Dr. Hagen Zimer, Mitglied des Vorstands der TRUMPF SE + Co. KG am 2. Juli 2026 in der Musikhalle am Ludwigsburger Bahnhof diskutiert. Moderiert wurde die Diskussion von der dfi-Direktorin Isabell Hoffmann.

„Wir sind stolz darauf, dass das dfi in Ludwigsburg seine Heimat hat“, verkündete Matthias Knecht, Vizepräsident des dfi und Oberbürgermeister der Stadt Ludwigsburg, in seiner Begrüßung. Für das Institut sei es eine große Ehre, dass mit Sylvie Goulard 2022 eine erfahrene französische Politikerin als Präsidentin gewonnen werden konnte, so Knecht weiter. Für die Zukunft regte er das dfi an, seine Tätigkeit auf weitere europäische Länder auszuweiten und noch mehr als bisher die Jugend in seine Arbeit einzubeziehen.

Europäische Souveränität

Mit den Worten „Sicherheit entsteht durch Allianzen und gegenseitige Abhängigkeiten“ führte Isabell Hoffmann in die Diskussion ein. Auf Basis dieser Prämisse konnte in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg der Frieden gewahrt werden. In den vergangenen zehn Jahre sei das damit verbundene europäische Sicherheitsgefühl allerdings durch Ereignisse wie den Brexit, die COVID-19-Pandemie, den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine und die US-Präsidentschaft von Donald Trump 2017 – 2021 und seit 2025 stark erschüttert worden. Europa sehe sich heute mit aggressiven Nachbarn konfrontiert und müsse zugleich feststellen, dass die bisherige Verteidigungsstrategie nicht mehr funktioniere. Und „deshalb wollen wir heute über europäische Souveränität reden“, so Isabell Hoffmann.

Den Begriff der „Europäischen Souveränität“ im Sinne eines „Europa, das schützt“ habe Emmanuel Macron in einer Rede an der Berliner Humboldt-Universität während seines Präsidentschaftswahlkampfs 2017 als Gegenentwurf zum Konzept der „Nationalen Souveränität“ in der politischen Debatte platziert, erläuterte Sylvie Goulard. Damit wollte er das Konzept der „Souveränität“, das häufig mit einer angeblich heilsbringenden Rückkehr zum Nationalismus verbunden wird, den Europaskeptikern entreißen und zeigen, dass auch diese Souveränität langfristig nur durch gemeinsames Handeln gesichert werden kann.

Im Gegensatz zur Idee der „Strategischen Autonomie“, die in Deutschland immer unter dem Verdacht des Antiamerikanismus gestanden habe, sei der neue Ansatz von Emmanuel Macron in Deutschland anschlussfähig gewesen und habe dort die Diskussion beflügelt, schloss sich Nils Schmid an. Dass der Begriff „Europäische Souveränität“ Eingang in den Koalitionsvertrag der Ampelkoalition 2021 gefunden habe, sei einer „Heiligsprechung“ gleichgekommen. Nun gelte es, diese Idee in konkreten Maßnahmen auszubuchstabieren.

Hagen Zimer wies darauf hin, dass sich die Position Deutschlands in der Welt in den vergangenen Jahren stark verändert hat: „Wir haben China nichts mehr mitzubringen“ habe er bei einem Auftritt vor chinesischen Wirtschaftsvertretern festgestellt. Die deutschen Unternehmen hätten den technologischen Vorsprung, auf den sie sich lange verlassen haben, in vielen Bereichen verloren und müssten sich nun dringend mutig neuerer Themen annehmen. Gleichzeitig betonte er, dass er fest an die deutsche Gesellschaft und ihre Anpassungsfähigkeit glaube.

FCAS: Auch gemeinsame Vorhaben unter Freunden können scheitern

Einig waren sich Nils Schmid und Sylvie Goulard darin, dass die deutsche Regierung und die Europäische Union wirkungsvolle Maßnahmen gegen die verschiedenen Krisen der jüngeren Vergangenheit ergriffen hätten. Schmid nannte in diesem Zusammenhang u.a. den Wiederaufbaufonds zur Abfederung der Folgen der Corona-Krise. Goulard vertrat zugleich die Meinung, dass die EU und ihre Mitglieder der globalen Entwicklung dennoch nicht folgen könnten. Im akuten Krisenfall würden sie sich bei der Suche nach Lösungen zu sehr ineinander verhaken und zu wenig das große Ganze im Auge behalten. Deshalb fürchte sie, „dass das Haus, das auf Sand gebaut ist, zusammenbricht, wenn der Sturm kommt.“

Auf die Frage, wie er als Unternehmer auf das Ringen der Politik nach Auswegen aus der aktuellen Situation blicke, erklärte Hagen Zimer, dass die als Physiker und Ingenieur gewonnene Erkenntnis, dass ohne Druck keine Zustandsveränderung innen wie außen möglich sei, auch hier zutreffe. Als auf Maschinenbau und Lasertechnik spezialisiertes Unternehmen habe Trumpf ganz ohne politischen Anschub vor zwei Jahren den Einstieg in die Verteidigungstechnik und damit einen Paradigmenwechsel vollzogen. Durch die Entwicklung von Systemen zur Drohnenabwehr werde das Unternehmen seiner gesellschaftlichen Verantwortung gerecht. 

Zum Ende des FCAS-Projekts erklärte Nils Schmid, dass gemeinsame Vorhaben auch unter Freunden scheitern könnten und man daraus Lehren für die Zukunft ziehen müsse. Eine davon sei, dass die Politik privatwirtschaftliche Unternehmen nicht zur Kooperation zwingen könne. Hagen Zimer bezeichnete es seinerseits als bitterschade, dass das ehrgeizige FCAS-Vorhaben nicht fortgeführt werde und auch die Unternehmen daran Schuld hätten. Eine Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Firmen sei für ihn das Vertrauen zwischen allen Beteiligten und das Bewusstsein, dass das gemeinsame Tun zunächst im Vordergrund stehen müsse und das Streben nach Gewinnmaximierung im Hintergrund.

Nils Schmid wies darauf hin, dass abseits des von Medien breit diskutierten Endes der gemeinsamen Entwicklung eines Luftkampfsystems viele europäische Länder intensiv dabei seien, ihre Verteidigungskräfte weiter zu verzahnen. Deutschland und Frankreich würden als „Anlehnnationen“ fungieren, die kleinere Länder an ihren Strukturen teilhaben ließen. Als Beispiele nannte er dafür die sehr enge Kooperation zwischen der Bundeswehr und den Streitkräften der Niederlande.

Experten stellen Fragen an das Podium

Zum Abschluss der Diskussion fragten die Experten Sebastian Płóciennik von der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit, Paul Maurice vom Studienkomitee für deutsch-französische Beziehungen (Cerfa) und Annegret Bendiek von der Stiftung Wissenschaft und Politik das Podium nach ihrem Standpunkt zu einer EU-Osterweiterung, gemeinsamen Investitionen auf europäischer Ebene und einer neue deutschen Sicherheitsstrategie.

Im Hinblick auf die Aufnahme neuer Mitglieder in die EU warnte Sylvie Goulard eindringlich davor, hier voreilig zu handeln, man solle dabei unbedingt das aus ihrer Sicht fast vergessene Kriterium der „Aufnahmefähigkeit“ berücksichtigen. Zugleich forderte sie, EU-Regeln wie das Vetorecht und das Einstimmigkeitsprinzip abzuschaffen, bevor man Länder wie die Ukraine aufnehmen würde.

Hagen Zimer erklärte, dass für europäische Investitionen auch europäische Partnerschaften notwendig und begrüßenswert seien, denn die würde Innovationen ermöglichen, die wiederum Investoren anziehen.

Nils Schmid erachtete es als wichtig, dass bei der Definition einer neuen europäischen Sicherheitsstrategie auch die Wirtschaft einbezogen wird.

Isabell Hoffmann dankte danach ihren drei Podiumsgästen für ihre engagierte Teilnahme und beendete die Diskussion mit einem Zitat von Marc Bloch: „Die Geschichte ist ihrem Wesen nach Wissenschaft von der Veränderung“.

Isabell Hoffmann, Direktorin des Deutsch-Französischen Instituts
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